Zur-Sache Interview: Maria Großbauer über das Comeback von Kunst & Kultur

Foto: Josef Farda
Foto: Josef Farda

Zur-Sache traf die Abgeordnete zum Nationalrat, Musikerin und ehemalige Organisatorin des Wiener Opernballs, Maria Großbauer, zum Interview. Seit 19. Mai kann der Kunst- und Kulturbetrieb wieder aufgenommen werden, auch im Amateurbereich. Was das für die Kunst- und Musikbranche bedeutet, welche Veranstaltungen in Zukunft möglich sein werden und wie dringend Investitionen in die Kunst-Infrastruktur in Österreich benötigt werden, dazu nimmt Abg. Großbauer exklusiv bei Zur-Sache Stellung.

 

Zur-Sache: Der Kunst- und Kulturbereich wurde von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Sie sind als Musikerin und ehemalige Organisatorin des Wiener Opernballs gut in der österreichischen Kulturbranche vernetzt. Wie ist nun die Stimmung in der Branche, da mit dem 19. Mai wieder geöffnet werden kann?

Abg. Maria Großbauer: Kultur ist nicht nur ein Aushängeschild, soziales Bindeglied und emotioneller Austausch, sondern auch Arbeitgeber, Lebensgrundlage und ein Wirtschaftsfaktor. Deshalb ist es eine große Erleichterung, dass endlich wieder Kultur stattfinden kann und damit zigtausende Menschen ihren Beruf und ihre Leidenschaft wieder ausüben können. Nachdem nun auch endlich Klarheit über die Öffnungsschritte in Wien herrscht, können viele Kulturinstitutionen ihre Programme bekanntgeben und mit dem Kartenverkauf starten.
Und weil Sie es in Ihrer Frage angesprochen haben: ja, ich habe über 15 Jahre lang aktiv in einem Blasorchester in Niederösterreich gespielt, zuerst Querflöte und Piccolo, dann Saxophon, das ich später auch an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert habe. Die Leitung des Wiener Opernballs war eine großartige Erfahrung, natürlich auch mit allen Herausforderungen die so eine Position mit sich bringt – und ja, hier haben sich Kunst, Kultur und Wirtschaft vernetzt. Sowohl meine Erfahrungen aus der Werbebranche als auch meine Kontakte in die Musikerszene haben mir dabei sehr geholfen.

 

Sie haben sich als Abgeordnete im Parlament auch stark für Öffnungsschritte für den musikalischen Amateurbereich eingesetzt. Nun ist fix: Es dürfen auch etwa wieder Proben von Musikkapellen stattfinden. Eine entsprechende Verordnung wurde fixiert. Warum haben Sie sich gerade auch für Öffnungen im Amateurbereich eingesetzt?

Weil er eine wesentliche Säule des Kulturlandes Österreich ist! Im Bereich der ehrenamtlichen Kultur engagieren sich hunderttausende Menschen in Blasmusik-Kapellen und Orchestern, in Jugendorchestern, Chören, Laien-Theatern, Tanz- und Brauchtums-Gruppen. Die bringen Kultur in jeden Ort und zu allen Menschen. Und diesem Engagement verdanken wir es, dass wir in Österreich Talente erkennen und fördern können und somit Künstlerinnen und Künstler auf internationalem Spitzenniveau hervorbringen, und ein besonderes Publikum.
Dazu kommt außerdem, dass sich gemeinsames Musizieren höchst positiv auf die menschliche Psyche auswirkt – an der Universität Salzburg laufen hierzu aktuell mehrere Studien. Besonders in Zeiten und auch nach einer Pandemie ist das ein wichtiger Faktor.

 

In den Bundesländern finden große und bedeutsame Festivals und Festspiele statt, vom Bodensee über Salzburg bis nach Mörbisch. Wann und wie ist gewährleistet, dass internationale Künstlerinnen und Künstler nach Österreich reisen, hier lernen, üben, unterrichten und auftreten können? Sind besondere Regelungen erforderlich?

Bereits letztes Jahr hat die Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler gezeigt, dass Kultur auch in einer Pandemie erfolgreich stattfinden kann und somit ein Leuchtfeuer der Kultur aus Österreich in die Welt gezündet. Sie hat gezeigt, dass mit ausgeklügelten Sicherheits- und Präventio-s-Konzepten ein geregelter Ablauf und die Sicherheit des Publikums, aber auch der Künstlerinnen und Künstler gewährleistet werden kann. Es arbeiten außerdem – schon immer – alle relevanten Ministerien hervorragend zusammen, dass auch der internationale Austausch gut funktioniert. Wichtig ist natürlich, dass die Quarantäne weg kommt und da wird der Grüne Pass auch für die Kultur die Lösung sein.

 

Mit dem 19. Mai werden sogar wieder behördlich genehmigte Kulturveranstaltungen mit zugewiesenen Sitzplätzen möglich sein. Dabei sind Veranstaltungen outdoor mit maximal 3.000 und indoor mit maximal 1.500 Personen erlaubt. Wie kann hier die Sicherheit gewährleistet werden?

Zu den bereits sehr umfangreichen und sicheren Präventionskonzepten unserer Kulturinstitutionen und Kulturveranstalter kommen noch die drei Voraussetzungen getestet, geimpft und genesen hinzu, wobei die Gruppe der Geimpften aufgrund des Impfturbos immer größer wird. Hinzu kommt, dass in gewissen Bereichen weiterhin die Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken besteht. Wenn wir hier zusammenhalten und uns an die Regeln halten, ist die Sicherheit definitiv gewährleistet.

 

Foto: Josef Farda

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Das Angebot an Kultur ist in Österreichs Städten untrennbar mit dem Städte- und dem Kongresstourismus verbunden; das Kulturangebot ist Teil der Infrastruktur. Wann und wie können die großen Häuser und Festivals wieder ihren Betrieb aufnehmen? Bedürfen diese Häuser und Festivals weiterer Unterstützung? Gibt es eine Koordination mit Reiseveranstaltern (Incoming), um internationale Gäste zu informieren?

Kultur und Tourismus sind in Österreich extrem stark miteinander verbunden – die Festivals im ganzen Land einerseits und natürlich das kulturelle Erbe andererseits. Über 70% aller Wien Touristen haben vor der Pandemie gesagt, dass sie wegen der Kultur kommen. Das sagt schon alles. Nachdem ich nicht nur Kultursprecherin bin, sondern auch Mitglied im Tourismus-Ausschuss, sind mir auch diese Themen ein besonderes Anliegen. Der Städtetourismus wird vermutlich noch länger zur Erholung brauchen. Und darum setzt ja auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger etliche Maßnahmen, um hier zu unterstützen und entgegen zu wirken. Es wird auch helfen, wenn im Sommer 2021 wieder möglichst viele „Urlaub zuhause“, also in Österreich machen.

 

Kommen als Folge der Corona-Pandemie noch zusätzliche Herausforderungen an die Künstler-Sozialversicherung zu (Stundung von Beiträgen etc.)?

Wie schon gesagt: Die Bundesregierung hat für die Abfederung der finanziellen und wirtschaftlichen Folgen für Künstlerinnen und Künstler bereits 13 Unterstützungsmaßnahmen und weitere Förderungen geschaffen – insgesamt wurden in der Krise über eine Milliarde Euro für Kunst und Kultur in die Hand genommen. Viele dieser Instrumente haben wir mehrfach mit mehr Geldmitteln aufgestockt, beziehungsweise bis Ende des ersten Halbjahres 2021 verlängert. Bei der Erstellung dieser Kultur-Unterstützungen musste aufgrund der vielen Genres, Kunstsparten und Organisationsstrukturen besonders darauf geachtet werden, dass für sämtliche Sparten und Beschäftigungsformen Unterstützung bereitgestellt werden konnte, denn kaum ein anderer Wirtschaftsbereich ist so komplex und vielfältig wie in Kunst und Kultur. Je nach Entwicklung werden wir hier auch weiterhin nachjustieren. Ziel ist es jedenfalls, dass jeder wieder selbst seine Arbeit ausüben kann.

 

Die Bundesregierung hat den Kulturbereich auch während der Krise mit Geld unterstützt, etwa mit der Aufstockung des Kulturbudgets um 30 Millionen Euro. Wie kommen die Unterstützungen in der Praxis an? Haben Sie von Kolleginnen und Kollegen Rückmeldungen erhalten?

Besonders bewährt hat sich der Überbrückungsfinanzierungsfonds für selbstständige Künstlerinnen und Künstler, abgewickelt über die SVS, über den sehr schnell und unbürokratisch Hilfsmittel überwiesen werden konnte. Auch diverse Lockdown-Boni gab es hier, was teilweise pro Monat und Antragsteller 2.000,- Euro netto war. Die Aufstockung des Kulturbudgets um rund 30,1 Millionen Euro beziehungsweise 6,5% ist ein starkes Zeichen und Bekenntnis der Bundesregierung, wie wichtig uns der Erhalt der kulturellen Vielfalt ist.

 

Österreich hat auch eine blühende Szene an Kleinkunst. Sollen Ihrer Ansicht nach eher die Veranstalter unterstützt werden (Technik, Mieten, Fixkosten) oder eher die Künstler mit Stipendien, Sozialversicherung?

Beide brauchen Unterstützung, denn der eine wird ohne die anderen nicht viel machen können. Wie in einer Pressekonferenz zu Wochenmitte angekündigt, werden nun noch weitere 10 Millionen Euro für Investitionen in die kulturelle Infrastruktur des Landes investiert. Konkret sollen damit etwa die Bühnentechnik oder die Bestuhlung der Theater erneuert werden.

 

Wie sehen Sie die Dringlichkeit dieser Investition? Hätte es dieses Geld auch abseits der Corona-Krise in der kulturellen Infrastruktur benötigt?

Diese Investitionen sind unabhängig von Corona sehr wichtig, um unsere Kulturinstitutionen zu stärken und spielfähig zu halten. Ein Drittel der Kultur-Budgeterhöhung war bereits eingeplant für bauliche Großprojekte wie das Festspielhaus Salzburg und die Seebühne Bregenz. Hinzu kommt, dass im Rahmen des „Neustart-Kultur“-Paketes weitere 10 Millionen Euro für Investitionen in bauliche, technische und digitale Infrastruktur bereit gestellt wird. Somit schaffen wir eine Modernisierung unserer Einrichtungen und stellen sicher, dass wir auch in Zukunft international die Kultur-Benchmark sind.