Schluss mit dem 33-Sekunden-Fördercall: Aus PV-Förderung wird Speichersystemförderung

Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner setzt das System der PV-Förderung neu auf. Foto: BKA/Florian Schrötter

Die bisherige PV-Investitionsförderung im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) wird grundlegend neu ausgerichtet. Nach intensiven Gesprächen mit der Elektrotechnik-, Elektrohandel- und PV-Branche besteht nach Angaben des Wirtschafts- und Energieministeriums ein breiter Konsens über die Eckpunkte: Die Förderung soll intelligente Speicher stärken, die Abwicklung vereinfachen und mehr Planungssicherheit schaffen. Noch vor dem letzten Fördercall im „alten” System am 8. Oktober werde damit eine klare Perspektive für das neue Fördermodell ab 2027 geschaffen.

 

Vom Ausbau zur Systemförderung

Die klassische PV-Investitionsförderung soll durch einen gezielten Speichersystembonus ersetzt werden. Gefördert werde künftig nicht mehr die Errichtung einer neuen PV-Anlage, sondern „vor allem die intelligente Nutzung des erzeugten Stroms durch intelligente Speicher”, konkret Speichersysteme für neue PV-Anlagen ebenso wie die Nachrüstung bei bestehenden Anlagen. Fördervoraussetzung ist ein intelligentes Energiemanagementsystem, das den Speicher netz- und systemdienlich betreibt. Damit werde „aus einer reinen Ausbau-Förderung eine zielgerichtete System-Förderung”, so das Ministerium. Durch die Verwendung bisher ungenutzter Mittel soll zudem die EAG-Pauschale geringfügig gesenkt werden.

Stärker ausgerichtet wird die Förderung auf europäische Wertschöpfung: Bei einem neuen Speichersystem für neue PV-Anlagen soll ein „Made-in-Europe”-Wechselrichter verpflichtend sein, bei der Nachrüstung bleibt ein zusätzlicher „Made-in-Europe”-Bonus möglich. Auch die Abwicklung ändert sich grundlegend: Statt einzelner Fördercalls mit wenigen Sekunden Zeitfenster soll künftig ein kontinuierliches, antragsbasiertes Modell nach Fertigstellung gelten, ähnlich dem Prinzip des Handwerkerbonus. Für Installationsbetriebe bedeute das mehr Planungssicherheit, eine gleichmäßigere Auftragslage und ein Ende des bisherigen Stop and Go.

 

33 Sekunden, 28.000 Anträge

Den Reformbedarf machten die letzten Fördercalls deutlich: Beim zweiten Call 2026 waren die Mittel nach 33 Sekunden ausgeschöpft. Knapp 28.000 Anträgen standen Mittel für nur rund 3.000 Projekte gegenüber. „Wenn ein Fördertopf nach 33 Sekunden leer ist und von knapp 28.000 Anträgen nur rund 3.000 zum Zug kommen, dann ist klar, dass dieses System nicht mehr zeitgemäß ist”, so Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Förderung dürfe „kein Wettrennen um den schnellsten Klick sein”. Entscheidend sei nicht mehr nur, „wie viel Strom wir erzeugen, sondern wie gut wir ihn in unser Energiesystem integrieren”. Die gemeinsame Richtung stehe, nun würden die Details verhandelt. Danach brauche es eine Zweidrittelmehrheit im Parlament: „Ich lade alle Parteien ein, diesen Weg mitzugehen.”

Auch für jene, die zuletzt leer ausgingen, soll es eine Perspektive geben: Projekte mit intelligentem Speicher, die 2026 keine EAG-Förderung erhalten haben und ab 1. November 2026 abgerechnet oder in Betrieb genommen werden, sollen 2027 bereits im neuen System einreichen können.

 

Breite Zustimmung aus der Branche

Aus der Branche kam Zustimmung. Der Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker, Christian Bräuer, sprach von einem „wichtigen und positiven Signal”: Aus „einer Lotterie” werde „ein effizientes und planbares Fördersystem”. Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic & Battery Austria, begrüßte, „dass Batteriespeicher stärker in den Fokus der Förderung rücken”. Die Ausgestaltung der Made-in-Europe-Verpflichtung müsse „praxistauglich sein wie auch wettbewerbsfähig”. Robert Pfarrwaller, Obmann des Bundesgremiums des Elektro- und Einrichtungsfachhandels, betonte, der bisherige „Stop-and-go-Modus” habe „weder Betrieben noch Kunden die notwendige Planungssicherheit gegeben”. Entscheidend seien „stabile Rahmenbedingungen, verlässliche Planbarkeit und eine praxistaugliche Ausgestaltung”.

Lesetipp: Erneuerbaren-Ausbau ein Viertel über dem Zielpfad

 

weitere Beiträge

Gemeinden und ihre Bürger werden mit zehn Maßnahmen entlastet. Die kommunale Verwaltung soll digital, schnell und bürgernah erfolgen, sagt Staatssekretär Alexander Pröll. Foto (Fuschlsee): pixelio / berggeist

In zehn Schritten zu flotten Gemeinden

Staatssekretär Alexander Pröll und Claudia Bauer warben am Gemeindetag in Salzburg für mehr Kooperationen. Foto: BKA/Andy Wenzel

Gemeindetag: Bauer und Pröll setzen auf Digitalisierung und Kooperation

Für Oktober und November gilt erneut eine Spritpreisbremse. Sie soll eine Tankfüllung von 50 Liter um 6 Euro billiger machen. Foto: Pixabay / Planet Fox

So funktioniert die Spritpreisbremse

Der Ausbau der Erneuerbaren liegt weit über den Zielwert. Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Erneuerbaren-Ausbau ein Viertel über dem Zielpfad – Regierung will jetzt Speicher stärken