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Iran: Machtwechsel könnte Österreich und EU laut Studie wirtschaftlich stärken

Ein Machtwechsel im Iran hätte laut Studie wesentliche positive wirtschaftliche Folgen für Österreich und die EU. Foto: istock/BornaMir

Eine neue Analyse eines Forscherteams um Mahdi Ghodsi vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und WIFO‑Direktor Gabriel Felbermayr, beauftragt von der deutschen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), untersucht die wirtschaftlichen Folgen eines politischen Machtwechsels im Iran. 

 

Ohne EU-Sanktionen 80% mehr BIP im Iran

Ein grundlegender politischer Wandel im Iran und eine anschließende Wiedereingliederung des Landes in die Weltwirtschaft könnten demnach erhebliche wirtschaftliche Vorteile für Österreich und Europa bringen. Die Autoren gehen davon aus, dass die Aufhebung der EU‑Sanktionen das reale Bruttoinlands­produkt (BIP) des Landes langfristig um mehr als 80 % steigern könnte. Durch die Wieder‑Integration des Landes in die Weltwirtschaft würden die Wirtschaftsleistungen in der EU und in Österreich um 0,3 % bzw. 0,5 % des jeweiligen BIP wachsen – das entspricht einem zusätzlichen Jahreseinkommen von fast 2,51 Milliarden Euro für Österreich und über 54 Milliarden Euro für die gesamte EU.

„Der Staat lebt seit der Islamischen Revolution von 1979 unter einem der strengsten Sanktionsregime der Welt und ist vom Westen weitgehend isoliert. Entsprechend groß wäre das wirtschaftliche Potenzial einer Öffnung des Landes unter einer neuen Regierung“, erklärt Ghodsi. Er betont, dass mehr Handel, niedrigere Energiepreise und eine effizientere internationale Arbeitsteilung deutliche Wohlstandsgewinne für Europa bringen würden.

Österreich würde „überdurchschnittlich“ profitieren

Österreich würde laut Modellrechnung überdurchschnittlich profitieren, weil die heimische Wirtschaftsstruktur stark auf Anlagen‑ und Maschinenbau, Bauwirtschaft, Verkehrsinfrastruktur, Wasser‑ und Umwelttechnikausgerichtet ist – Sektoren, in denen dieses Land einen erheblichen Aufholbedarf hat. Zudem zählt Österreich bereits zu den größten Exporteuren von Medikamenten und Medizintechnik in den Iran.

In Szenarien, in denen der Iran seine Arbeitsproduktivität an das Niveau der Türkei oder Südkorea annähert, könnte das iranische BIP um 240 % bis 390 % steigen. Damit würde das Entwicklungsniveau des Iran mittelfristig das der Türkei oder sogar Südkoreas erreichen, und die Wohlstandsgewinne für die EU würden bis zu 0,7 % des BIP betragen.

 

Inflation würde gedämpft werden

Die Studie weist zudem auf dämpfende Effekte auf die Inflation hin: Eine Rückkehr des rohstoffreichen Irans auf die globalen Energiemärkte könnte Öl‑ und Gaspreise senken, die Volatilität auf den Energiemärkten verringern und damit den Inflationsdruck in Europa mindern. Stabilere politische Verhältnisse in der Region würden zudem die Sicherheit wichtiger Seehandelsrouten erhöhen und den Migrationsdruck nach Europa reduzieren.

Ghodsi und Felbermayr betonen jedoch, dass die positiven Effekte an einen grundlegenden politischen Wandel im Iran geknüpft sind. „Moralische Klarheit und wirtschaftliche Vorsorge schließen sich nicht aus“, sagt Felbermayr. „Gerade deshalb ist es wichtig, mögliche Szenarien nüchtern zu analysieren und Europa auf die wirtschaftlichen Folgen politischer Veränderungen vorzubereiten.“

Die Autoren warnen aber auch vor den potenziellen Kosten eines Iran‑Kriegs. Sollte der Konflikt sich ausweiten, könnten die geopolitischen und wirtschaftlichen Folgen für die Region und die Weltwirtschaft erheblich sein. „Es steht zu befürchten, dass sich der Konflikt auf die ganze Region ausweitet und es zu einer langanhaltenden Destabilisierung kommt, mit massiven negativen Konsequenzen für die Weltwirtschaft“, so Ghodsi.

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Ein Machtwechsel im Iran hätte laut Studie wesentliche positive wirtschaftliche Folgen für Österreich und die EU. Foto: istock/BornaMir
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