Hattmannsdorfer sieht 200 Millionen Euro Exportpotenzial in Nordafrika
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht in Nordafrika erhebliches zusätzliches Exportpotenzial für die heimische Wirtschaft. In Algerien und Tunesien warb er für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen.
Über 200 Millionen Euro ungenutztes Potenzial
Österreichische Unternehmen exportierten 2025 Waren im Wert von insgesamt 246,3 Millionen Euro nach Algerien und Tunesien. Der WKÖ-Exportradar weist bis 2030 zusätzlich 212,29 Millionen Euro ungenutztes Exportpotenzial aus: 150,51 Millionen Euro entfallen auf Algerien (Warenexporte 2025: 208,9 Millionen Euro), 61,78 Millionen Euro auf Tunesien (Warenexporte 2025: 37,35 Millionen Euro). Als Chancenfelder nennt das Wirtschaftsministerium in einer Aussendung Maschinen, Elektronik, Fahrzeuge sowie Rohstoffe und Chemie, darüber hinaus konkrete Bedarfe bei Energie, Netzen, Infrastruktur sowie Wasser- und Umwelttechnologien.
„Österreichs Jobs und Wohlstand hängen zu einem großen Teil am internationalen Handel”, so der Minister. Gerade „in Zeiten geopolitischer und geoökonomischer Verwerfungen” brauche Österreich „verlässliche Partner in der Welt”. Algerien und Tunesien seien „Chancenmärkte direkt vor unserer Haustür”. Dass Präsident Abdelmadjid Tebboune die österreichische Delegation in Algier persönlich empfangen habe, zeige „den hohen Stellenwert, den Algerien der Zusammenarbeit mit Österreich gibt”.
Energie-Abkommen: Algerien will von Österreich lernen
Ausdruck der intensiveren Beziehungen ist ein Memorandum of Understanding (MoU) zu Wasserstoff und erneuerbaren Energien, das Hattmannsdorfer mit Algeriens Energie- und Erneuerbarenminister Mourad Adjal in Algier unterzeichnete. Es umfasst unter anderem erneuerbare Stromerzeugung, Netzintegration, Infrastruktur, Regulierung und Zertifizierung sowie Investitionsförderung und B2B-Kontakte.
„Österreich ist Europameister beim Erneuerbaren Ausbau und dieses Know-how ist auch international gefragt”, so Hattmannsdorfer. Durch die verstärkte Zusammenarbeit würden sich „Chancen für unsere österreichischen Betriebe” bieten, zugleich profitiere man „von geplanten Infrastrukturprojekten in Algerien”.
Besonders relevant sind laut Ministerium zwei Punkte: Bei der Rechtsangleichung sollen algerische Wasserstoffprojekte von Beginn an so geplant und zertifiziert werden, dass ihre Nachweise mit europäischen Anforderungen kompatibel sind, um spätere Kosten und Verzögerungen zu vermeiden. Beim Unternehmens-Matching für erneuerbare Energien geht es um den Ausbau in Algerien, wo Erneuerbare derzeit rund ein Prozent der Stromerzeugung ausmachen. Das strategische Ziel liegt bei 27 Prozent bis 2030. Dafür brauche es zusätzliche Solar- und Windkraft, Netze, Speicher und Systemintegration. Das MoU sieht einen technischen Ausschuss sowie Kontaktstellen in beiden Ministerien vor, um algerische Bedarfe gezielt mit österreichischen Anbietern zusammenzubringen.
Termine auf höchster Ebene
Das hohe Interesse an einer Zusammenarbeit zeige sich an der Dichte hochrangiger Termine, allen voran dem persönlichen Empfang durch Präsident Tebboune, so das Ministerium. In Algerien folgten Gespräche mit Staats- und Kohlenwasserstoffminister Mohamed Arkab sowie mit Energieminister Adjal. In Tunesien führte Hattmannsdorfer Gespräche auf Regierungsebene zu Wirtschaft, Industrie, Energie und Umwelt und nahm am tunesisch-österreichischen Wirtschaftsforum teil.