Brüssel und Shanghai: Doppelstrategie für Autoindustrie
In Brüssel und in Shanghai geht es um Österreichs Automobilindustrie: Einerseits wird das Aus für die Verbrenner mittels Beschlüssen im Europäischen Parlament verträglicher gestaltet, andererseits werden in China neue Abkommen über Zulieferungen für die dortige Autoindustrie verhandelt.
Bundeskanzler Christian Stocker ist derzeit mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und einer umfangreichen Delegation aus österreichischen Unternehmen in China. Station ist derzeit Shanghai, mit knapp 30 Millionen Einwohnern die größte Stadt Chinas und die fünftgrößte der Welt. Shanghai ist eine Metropole unter anderem der chinesischen Automobilindustrie, auch jener Unternehmen, die mit Österreichs und Europas Autoindustrie Lieferverträge und Joint Ventures halten.

Das chinesische Unternehmen Agibot präsentiert Kanzler Stocker in Shanghai einen humanoiden Robert. Foto: Chr. Dunker
Verhandlungen in Shanghai um Aufträge
Der Kanzler führte mit Bürgermeister Zhu Zhongming politische Gespräche, wie er auf X mitteilte. Themen waren die vertiefte Kooperation bei Grünen Technologien, Digitalisierung und nachhaltiger Mobilität.
Parallel verhandelt in Shanghai der mitgereiste Chef von Magna Steyr über große Aufträge mit zwei chinesischen Autofirmen, berichtete die Kleine Zeitung. Es geht um Zulieferung von Komponenten ab Frühjahr 2027 aus Magna-Werken in der Steiermark und um die Montage von Fahrzeugen im Magna-Werk in Slowenien.
Shanghai is China’s economic powerhouse, and around 220 Austrian companies are based here. Today I met Mayor Zhu Zhongming to discuss deeper cooperation in green technologies, digitalisation and sustainable mobility. For our companies to seize these opportunities, they need a reliable and fair framework. (BK)
— Christian Stocker (@_CStocker) November 4, 2026
Brüssel: Verbrennerverbot kippen
Im Europäischen Parlament in Brüssel wird unterdessen politisch um den Verbrennermotor gekämpft. Mit einem neuen Beschluss des Umweltausschusses im Europaparlament am Mittwoch zum Aus des Verbrennerverbots wurde die Tür für den Erhalt der konventionellen Antriebstechnologien weiter geöffnet. Die ÖVP-Europaabgeordneten Alexander Bernhuber, Angelika Winzig und Sophia Kircher begrüßen das Votum und sprechen sich für „Technologieoffenheit statt Verbrenner-Populismus“ aus.
Verbrenner mit alternativen Treibstoffen
Alexander Bernhuber, Umweltsprecher der ÖVP im Europaparlament, erklärte dazu: „Die EVP und die ÖVP im Europaparlament haben versprochen, das Verbrennerverbot zu kippen. Mit der heutigen Abstimmung in Brüssel sind wir diesem Ziel ein großes Stück nähergekommen. Der ausschließliche Fokus auf Elektromobilität ist in diesem Kompromiss nicht mehr enthalten. Verbrenner mit alternativen Treibstoffen gelten künftig genauso als CO2-neutral.“
Winzig und Kircher begrüßen Kompromiss
Angelika Winzig, Industriesprecherin der ÖVP im Europaparlament und Sophia Kircher, Verkehrssprecherin der ÖVP im Europaparlament, begrüßten den Kompromiss: „Der Ausgangspunkt des letzten Mandates waren 100-prozentige CO2-Reduktion bei Verbrennern bei Neuwagen ab 2035. Also defacto ein Aus für diese Technologie. Jetzt stehen wir in einem breiten Kompromiss bei 87,5 % im Durchschnittswert für die Fahrzeugflotte eines Herstellers. Zudem werden alternative Kraftstoffe gestärkt, sodass Verbrennermotoren künftig zum Beispiel auch mit E-Fuels oder Biokraftstoffen betankt werden können.“
Mit dem aktuellen Beschluss in Brüssel handelt es sich um einen Zwischenerfolg. Der Kompromiss der konstruktiven Parteien der Mitte im EU-Parlament wird im Dezember mit den EU-Staaten weiter verhandelt, allerdings vorbehaltlich einer Bestätigung im Plenum: „Dort erwarten wir weitere Verbesserungen. Wir setzen auf Innovation und die Weiterentwicklung bewährter Technologien in Europa und wollen so Arbeitsplätze sichern“, sagen Winzig und Kircher.