Innenpolitik

Ausmaß an Dürre wie noch nie. Entlastungspaket für Bauern soll kommen

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig machte sich in Niederösterreich ein Bild von der extremen Dürre und kündigt Hilfen für bäuerliche Betriebe an. Foto: BMLUK/Hemerka

Die anhaltende extreme Trockenheit und Dürre stellt die österreichische Landwirtschaft vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Historische Niederschlagsdefizite, massive Ertragsausfälle, fehlendes Futter und zugleich hohe Produktionskosten setzen die bäuerlichen Familienbetriebe unter Druck. Besonders stark betroffen ist der Osten des Landes. ein Hilfspaket soll geschnürt werden. Es gibt aber auch Kritik an der SPÖ.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Bauernbund-Präsident Nationalratsabgeordneter Georg Strasser machten sich auf einem Grünlandbetrieb im Bezirk Lilienfeld (Niederösterreich) ein Bild von der extremen Lage.

 

Erste Entlastungen eingeleitet

„Außergewöhnliche Situationen erfordern gezielte Maßnahmen. Deshalb braucht es jetzt ein Entlastungspaket für unsere bäuerlichen Familien“, betonten Totschnig und Pernkopf. Erste Entlastungen sind bereits in Kraft, etwa Erleichterungen beim Agrarumweltprogramm ÖPUL und bei der Ausgleichszulage für Berggebiete und benachteiligte Gebiete. Die erste Säule bildet das bewährte System der Risikoversicherung. Für schwer betroffene Betriebe brauche es aber weitere Schritte.

 

Billige Kredite und Beitragsstundung

Die Auswirkungen des Klimawandels würden die Familienbetriebe „mit voller Wucht“ treffen, so Totschnig. Für ihn sei klar, „dass wir unsere Bäuerinnen und Bauern in dieser Situation nicht im Stich lassen“. Man arbeite mit den Bundesländern an weiteren Maßnahmen wie begünstigten Betriebsmittelkrediten. Pernkopf fordert über eine erste Kredithilfe hinaus die Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge: „Diese Dürrekatastrophe ist mit den Ereignissen der vergangenen Jahre nicht zu vergleichen.“ Wasser sei „Lebensgrundlage Nummer Eins“. Strasser mahnte „rasche und unbürokratische Entlastungsmaßnahmen“ ein: Trotz jahrelanger Anstrengungen bei Klimaschutz und Klimawandelanpassung bringe das Jahr 2026 die Landwirtschaft „an die Grenzen“.

 

Betriebe wegen Dürre am Limit

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt der Hof von Rudolf Buchner in Traisen, ein Milchviehbetrieb mit rund 70 Milchkühen. Bereits beim ersten Grünschnitt im Frühjahr musste Buchner Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent verkraften, seit Juni konnte wegen der Dürre kein weiterer Schnitt eingebracht werden – die Winterfutterreserven werden bereits jetzt verfüttert. „Ich bewirtschafte unseren Betrieb seit 35 Jahren. Aber so ein Ausmaß an Dürre und Trockenheit haben wir noch nicht erlebt“, schildert Buchner, zugleich Obmann der Bezirksbauernkammer Lilienfeld. Heuer müsse Futter zugekauft und sogar Maisflächen aus der Umgebung erworben werden. Auf den Betrieb werden dadurch zusätzliche Kosten von 40.000 bis 50.000 Euro zukommen.

 

Notverkäufe und Ernteeinbußen

Besonders im Grünland sind die Folgen deutlich spürbar: Regional fehlen bis zu 50 Prozent des üblichen Ertrags. Auf einzelnen Betrieben reichen die eigenen Futterreserven nicht mehr aus, in besonders schwierigen Fällen müssen Tierbestände reduziert werden, und es kommt zu vorgezogenen Schlachtungen. Neben Niederösterreich sind auch Teile der Steiermark, des Burgenlands und Oberösterreichs betroffen. Auch der Ackerbau leidet: Beim Getreide wird österreichweit mit einer Ernte gerechnet, die im Schnitt rund 20 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Auch bei Mais, Kürbis, Soja und Erdäpfeln zeichnen sich deutliche Einbußen ab. Verschärft wird die Lage durch niedrige Erzeugerpreise bei gleichzeitig hohen Kosten für Betriebsmittel und Energie.

„Ich bin Bundeskanzler Christian Stocker dankbar, dass er sich klar für die Unterstützung unserer Landwirtschaft ausgesprochen hat“, so Totschnig. Nun gehe es darum, „auf den betroffenen Betrieben rasch Liquidität zu sichern“.

 

Kritik an SPÖ

Dass der Koalitionspartner SPÖ hingegen bei den Hilfen für die Landwirtschaft auf die Bremse steigt, kann Bauernbund-Chef Strasser nicht verstehen und forderte in einer Reaktion die SPÖ auf, ihre „Blockadehaltung“ aufzugeben, damit der notwendige finanzielle Spielraum geschaffen werde. Auch Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger zeigte sich über das Verhalten der SPÖ verärgert. „Es geht um Existenzen vieler Bauernfamilien in Österreich. Diese Dürre und Trockenheit ist eine absolute Notsituation für unsere landwirtschaftlichen Betriebe, wie es sie in dieser Form wohl noch nie gegeben hat“, wird Moosbrugger in Medien zitiert.

 

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