Kanzler Stocker will mit 500 Millionen Euro Paket Wirtschaft auf Wachstumskurs bringen

Ein Wirtschaftspaket samt Sanierungsoffensive im Ausmaß von 500 Millionen Euro soll neue Wachstumsimpulse auslösen. Foto: iStock/Serhii Bilohubets
Ein Wirtschaftspaket samt Sanierungsoffensive im Ausmaß von 500 Millionen Euro soll neue Wachstumsimpulse auslösen. Foto: iStock/Serhii Bilohubets

Die Bundesregierung will mit einem Maßnahmenpaket die heimische heimischen Wirtschaft stärken. Ab 2027 sollen dafür insgesamt 500 Millionen Euro für klimafreundliches Heizen und Sanieren bereitstehen. Auf Initiative von Bundeskanzler Christian Stocker haben Umweltminister Norbert Totschnig und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ein Paket ausgearbeitet, das Bau- und Handwerksbetrieben neue Aufträge bringen, Arbeitsplätze sichern und regionale Wertschöpfung stärken soll. Zugleich werden Haushalte beim modernen und energieeffizienten Umbau ihrer vier Wände unterstützt. Die Branche und Wirtschaftsvertreter reagieren positiv.

 

Paket soll mehrfache Impulse bringen

Die Offensive sorge „gleich mehrfach für positive Impulse”, heißt es in der Aussendung des Bundeskanzleramtes. Neue Sanierungsprojekte würden Aufträge für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe, Installateure und Zulieferer bringen – was vor allem kleine und mittlere Unternehmen und die regionale Wirtschaft stärken soll. Haushalte würden bei Investitionen in neue Fenster, bessere Dämmung und moderne Heizungen entlastet, was für weniger Energieverbrauch und langfristig niedrigere Energiekosten sorgen soll. Und wer alte Öl- oder Gasheizungen ersetze, reduziere „den Energieverbrauch und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern”.

Gerade die Bauwirtschaft habe schwierige Jahre mit hohen Baukosten und zurückgestellten Projekten hinter sich. Die Offensive setze dort an, „wo Investitionen bei heimischen Unternehmen und ihren Beschäftigten ankommen”. Werde ein altes Fenster getauscht, profitiere der Fensterbauer, bei der Fassadendämmung Bauunternehmen und Baustoffhändler, beim Heizungstausch der Installateurbetrieb.

 

Die Aufteilung der Mittel

Von den 500 Millionen Euro entfallen 321 Millionen Euro auf die thermische Sanierung – etwa für neue Fenster oder die Dämmung von Häusern – und 179 Millionen Euro auf den Austausch alter Öl- und Gasheizungen gegen klimafreundliche Systeme. Einfachere Förderverfahren sollen den Zugang erleichtern: Die Angebote für die thermische Sanierung werden unter einem gemeinsamen Dach gebündelt und die Einreichverfahren vereinheitlicht. Unterstützt werden Ein-, Zwei- und Reihenfamilienhäuser sowie Sanierungen durch gemeinnützige Bauvereinigungen.

Als Beispiele nennt das Kanzleramt bis zu 4.000 Euro für den Anschluss eines Einfamilienhauses an eine erneuerbare Fernwärmeversorgung. Bei umfassender Sanierung mehrgeschossiger Wohngebäude bis zu 100 Euro pro Quadratmeter, bei zusätzlicher Fassadenbegrünung ein Zuschlag von 150 Euro pro Quadratmeter begrünter Fläche. Beim Fenstertausch sind ab 2027 bis zu 4.000 Euro möglich, bei gleichzeitigem Einbau einer Außenbeschattung ein Bonus von 1.000 Euro, insgesamt also bis zu 5.000 Euro Bundesförderung, maximal 30 Prozent der förderungsfähigen Investitionskosten.

Der Kesseltausch soll bereits ab 2. November 2026 wieder möglich sein, Unterstützungen für thermische Sanierungen ab 4. Jänner 2027 zur Verfügung stehen.

 

Stocker will Wirtschaft auf Wachstumskurs bringen

Sein Ziel sei, „unsere Wirtschaft wieder auf einen stabilen Wachstumskurs zu bringen”, so Stocker. Mit der Offensive kurble man „die Bauwirtschaft an, sichern Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung”. Das sei „Wirtschaftspolitik mit Hausverstand”: Man verbinde „wirtschaftlichen Aufschwung mit treffsicherem Klimaschutz”.

Umweltminister Totschnig betonte, wer sein Zuhause saniere und auf klimafreundliches Heizen umstelle, mache sich „von Öl und Gas unabhängig”. Man verbinde „Klimaschutz mit wirtschaftlichen Impulsen”. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer erklärte: „Aus Bauplänen sollen volle Auftragsbücher und sichere Jobs werden.” Die 500 Millionen Euro seien „ein echter Anschub für die Bauwirtschaft”.

 

Branche erfreut über Wirtschaftspaket

Die von der Bundesregierung vorgestellte Sanierungsoffensive stößt bei Wirtschaftsvertretern und der Baubranche auf breite Zustimmung. Einhellig ist der Tenor: Das Paket komme zur richtigen Zeit, entscheidend sei aber, dass die Mittel rasch in konkrete Aufträge münden und bei den heimischen Betrieben ankommen.

WKÖ-Präsidentin Martha Schultz sprach von einem „wichtigen Signal für unsere Betriebe”. Gerade Bauwirtschaft und Handwerk hätten „schwierige Jahre hinter sich”. Die neuen Fördermittel könnten „zusätzliche Aufträge auslösen, Arbeitsplätze sichern und die regionale Wertschöpfung stärken”. Damit setze die Regierung „nicht nur eine Forderung der heimischen Wirtschaft um, sondern liefert auch einen wichtigen Impuls für den Wirtschaftsstandort”. Entscheidend sei jetzt, „dass die Förderungen rasch in konkrete Projekte münden”, so Schultz.

Robert Schmid, Obmann des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie, hob die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen hervor: „Kontinuität, Planbarkeit und Verlässlichkeit sind bei einer Gebäudesanierung entscheidend.” Es gehe „um Investitionen, die sorgfältig geplant und finanziert werden müssen”. Unternehmen und private Eigentümer hätten nun „stabile Rahmenbedingungen, auf die sie sich verlassen” könnten. Positiv bewerteten die Sozialpartner zudem die vorgesehenen Vereinfachungen bei den Förderverfahren. Die Maßnahmen seien „ein wichtiger Schritt, um Investitionen anzukurbeln, Vertrauen zu stärken und gemeinsam positiv in die Zukunft zu blicken”.

Der Bundesspartenobmann für Gewerbe und Handwerk, Andreas Denk, wertete die Offensive als Stärkung von Gewerbe und Handwerk und begrüßte besonders die Förderung zukunftsweisender Heizsysteme. Der Obmann des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Oberndorfer, sah einen „wichtigen Impuls für Immobilienwirtschaft und Klimaschutz” und sprach sich dafür aus, zur nachhaltigen Senkung des Energiebedarfs der thermischen Sanierung und Beschattung Vorrang einzuräumen.

Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) begrüßte vor allem den Wiederanlauf beim Heizkesseltausch, mahnte aber einen dauerhaft verlässlichen Rahmen ein. „Das ist eine positive Nachricht für Haushalte und für die gesamte Heizungsbranche”, so Geschäftsführerin Martina Prechtl-Grundnig. Nach dem Ende der Fördermittel im Juli und dem „damit verbundenen Stillstand” komme der Heizungstausch „hoffentlich wieder in Gang” – rechtzeitig vor dem Winter.

Lesetipp: Gewerbeordnung wird ausgemistet

weitere Beiträge

Eine Novelle der Gewerbeordnung soll eine reihe von Bürokratiehürden abbauen. Foto: iStock/DesignRage

Gewerbeordnung wird ausgemistet: 5.000 Vor-Ort-Kontrollen sollen wegfallen

Der Wehrdienst wird nach dem Modell 6+1+2 verlängert, beschloss die Bundesregierung. Foto: Bundesheer

Wehrdienstreform stärkt Bundesheer, Miliz und Zivildienst

Bundeskanzler Christian Stocker drängt (ÖVP) auf Stabilität in der Regierungsarbeit. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) wird von seiner Partei zum Jahreswechsel abgelöst. Foto: BKA / Florian Schrötter

Stocker setzt auf Stabilität und Regierungskurs

Die Entnahme hoher Mengen an Grundwasser wird ab 2029 registriert, kündigt Umweltminister Norbert Totschnig (mit Abg. Michael Bernhard und Abg. Julia Herr) an. Foto: MLUK Rene Hemerka

Nach der Dürre: Hohe Wasserentnahme wird registriert