Regierung setzt auf Regionalisierung, Impfen & Testen statt Gesamt-Lockdown

Foto: BKA/ Dragan Tatic
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Der Lockdown in den drei östlichen Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland wird bis 18. April verlängert. Dies ist das Ergebnis des wöchentlichen Gipfelgespräches zur Corona-Pandemie mit Expertinnen und Experten und den Landeshauptleuten im Bundeskanzleramt. Das Präsidium des Parlaments beschloss eine Maskenpflicht, die in die Hausordnung aufgenommen werden soll.

Kennzahlen

Den Beratungen im Bundeskanzleramt lagen mehrere Zahlenwerke vor, darunter jene zur Sieben-Tages-Inzidenz zu den Infektionen, die für die Entwicklung der Infektionen wesentliche Reproduktionszahl und die Zahlen zur Belegung der Intensivstationen. Diese letzte Zahl – jene der Personen in Behandlung auf Intensivstationen – sei die „härteste Währung“ erklärte Bundeskanzler Sebastian, denn alle Menschen, die dessen bedürfen, „müssen ordentlich behandelt werden können, unabhängig von der Ursache“.

Daher seien auch die Zahlen zu Infektionen und Erkrankungen der Personen über 50 Jahre und der Personen über 65 Jahre vorgelegt und diskutiert worden, denn daraus könnte die Entwicklung hinsichtlich des Bedarfs an Intensivbetten abgeleitet werden. Höhere Ansteckungszahlen seien daher „nur dann auszuhalten“, wenn die Kapazitäten an Intensivbetten bereitstehen.

Strategie der Regionalisierung

Die Strategie der Regionalisierung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hätten sich, so die Experten und die Landeshauptleute, bewährt. Die Experten hätten stets diese Regionalisierung vertreten, erklärte der Vize-Rektor der Medizinischen Universität Wien, Oswald Wagner. In Salzburg seien etwa durch Ausreisekontrollen und Tests die Infektionszahlen eingedämmt worden. Ein genereller Lockdown könnte daher, ein Jahr nach Beginn der Pandemie, nur das jeweils äußerste Mittel sein. Zuvor seien alle Mittel auszuschöpfen, also Testen für Ausreisen, Maskenpflicht, Homeoffice und weitere. Damit, so Wagner, könne Österreich bis zum Sommer vorankommen, zu dem sich einerseits das Wetter zuungunsten des Virus verändere und zum anderen schon eine Impfungsrate erreicht sei.

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Am 6. April 2021 fand ein Roundtable zur aktuellen Coronasituation statt. Foto: BKA/ Dragan Tatic

Zulassung von Sputnik

Bezüglich der Verwendung des russischen Impfstoffes Sputnik wollte Kanzler Kurz einen nationalen Weg Österreichs zumindest offenlassen. Die beste Vorgangsweise bestehe, so Kurz, in einer schnellen Zulassung durch die europäische Agentur EMA für jene Impfstoffe, die am Markt seien, die sicher und wirksam sein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe allerdings schon kritisiert, dass die EMA-Verfahren zu langsam ablaufen. Sollte es also zu Verzögerungen bei der Zulassung des Impfstoffes Sputnik kommen, sei zuerst nach den Gründen dafür zu fragen, denn manche Akteure würden in diesem Bereich unter geopolitischen Aspekten agieren.

Bei einer Verzögerung der Zulassung von Sputnik könnte es daher „durchaus sinnvoll sein“, ein nationales Vorgehen zu erwägen, sagte Kurz. Täglich versterben Menschen an Corona, Hunderte Menschen lägen auf Intensivstationen und wöchentlich entstünden volkswirtschaftliche Verluste. Hinsichtlich des Impfens gehe es also um den Erwerb von Impfstoffen, wofür die Regierung vorgesorgt habe. Das andere sei dann die Zulassung.