Schweigt nach wie vor zum milliardenschweren Desaster des Landesenergieversorgers Wien Energie: SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig. Fotos: wien.gv.at/ C.Jobst/PID; iStock.at/ Alexpoison

Das Finanzierungserfordernis des in Schieflage geratenen Wiener Landesenergieversorgers Wien Energie nimmt immer größere Dimensionen an. Nachdem gestern Abend bekannt wurde, dass Wien Energie noch diese Woche vom Bund Garantien von bis zu 1,8 Milliarden Euro benötigt (Zur-Sache berichtete), beziffert nun erstmals die Stadt Wien als Eigentümerin der Wien Energie in einem Schreiben an das Finanzministerium den echten Finanzierungsbedarf. Dieser fällt nun weit höher aus als bisher angenommen. Weiter in Stillschweigen hüllt sich Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig.

 

Finanzierungsbedarf weit höher

Es sind enorme Summen, die seit gestern für Aufregung in den Medien, aber vor allem bei den rund 2 Millionen Kundinnen und Kunden der Wien Energie sorgen. Nun steht fest: dem Unternehmen fehlen mehrere Milliarden Euro. Nach einem Gipfeltreffen mit der Bundesregierung, an dem kein Mitglied des Eigentümers – der Stadt Wien – teilgenommen hat, forderte Finanzminister Magnus Brunner noch gestern Abend alle notwendigen Details von der Stadt Wien und der Wien Energie.

Bereits am Vormittag gab es erste Medienberichte, wonach es nicht bei einer Garantie von rund 1,8 Milliarden Euro bleiben werde. In einem Schreiben von SPÖ-Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke – der nach wie vor für die Öffentlichkeit abgetaucht ist – an das Finanzministerium liegt nun der tatsächliche Finanzierungsbedarf für die Wien Energie vor. Hanke beziffert in diesem Schreiben den Bedarf an Hilfe durch den Bund in Höhe von sechs Milliarden Euro.

 

Rettungsschirm wird erarbeitet

Laut mehreren Medienberichten erklärte der SPÖ-Stadtrat in seinem Schreiben an das Finanzministerium, dass die finanziellen Spielräume erschöpft seien. Die Besicherung der noch laufenden Lieferverträge in Höhe von 1,7 Milliarden Euro sei noch mit Unterstützung der Stadt Wien gewährleistet.

Das Finanzministerium teilte mit, dass derzeit mit der Stadt Wien, Wien Energie und der Finanzprokuratur Details für einen Rettungsschirm erarbeitet werden. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Schirm größer ausfallen wird als die genannten 6 Milliarden Euro, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Finanzressorts.

 

Ludwig schweigt weiter

Während das Finanzministerium an einer Rettung des Unternehmens arbeitet und Experten die Vorgehensweise von Wien Energie kritisieren, hüllt sich der Letztverantwortliche, nämlich Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig, weiter in Schweigen. Aus dem Rathaus war auch am Montagnachmittag immer noch keine Reaktion zu hören.