Viele Experten sind ratlos und können sich das Vorgehen der Stadt Wien und der Wien Energie nicht erklären. Einhelliger Tenor: Solche Notlagen passieren nicht über Nacht. In Konzernen dieser Dimension sind vom Risiko-Management bis zum Aufsichtsrat genügend Netze, denen rechtzeitig solch dramatische Entwicklungen bekannt sein müssten. Foto-Montage: Kronen Zeitung, Standard, Salzburger Nachrichten, Kurier

Nach Bekanntwerden der wirtschaftlichen Notlage der Wien Energie und der Dramatik der vergangenen drei Tage, kommen immer mehr Details ans Tageslicht. So musste Wiens Bürgermeister Michael Ludwig zugeben, dass er bereits zwei Kredite in Höhe von jeweils 700 Millionen Euro an die Wien Energie direkt vergab, ohne Kontrollgremien der Stadt Wien darüber zu informieren. Das Medienecho fällt angesichts des schlechten Krisenmanagements entsprechend vernichtend aus.

 

Viele Experten sind ratlos und können sich das Vorgehen der Stadt Wien und der Wien Energie nicht erklären. Einhelliger Tenor: Solche Notlagen passieren nicht über Nacht. In Konzernen dieser Dimension sind vom Risiko-Management bis zum Aufsichtsrat genügend Netze, denen rechtzeitig solch dramatische Entwicklungen bekannt sein müssten. Die zwei von Ludwig vergebenen Finanzspritzen von 1,4 Milliarden deuten darauf hin, dass Ludwig und das Wien Energie Management von der drohenden wirtschaftlichen Schieflage früher gewusst haben müssen. Das wirft neue Fragen auf und hegt den Verdacht der Vertuschung. Zur-Sache berichtete bereits.

Ebenfalls kein Verständnis zeigen neben den Experten auch viele Medien. Nach dem missglückten ZIB2 Auftritt von Finanzstadtrat Peter Hanke am Montagabend, der in Dunkelheit vor dem Finanzministerium zugeschaltet war, konnte auch am Dienstag SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig in einer Pressekonferenz wenig zur Aufklärung beitragen. Was man aber weiß: Ludwig vergab direkt zwei Kredite von jeweils 700 Millionen an die Wien Energie. Einen bereits im Juli, und einen zuletzt vor ein paar Tagen. Ludwig behauptet, dass NEOS-Vizebürgermeister voll eingebunden und informiert war. Wiederkehr stellt das allerdings in Abrede.

 

Kronenzeitung: „Milliarden-Fiasko“ und „SPÖ-Krise“

Österreichs auflagenstärkste Tageszeitung, die „Krone“, hob das Wiener Desaster auf die Titelseite ihrer heutigen Ausgabe und titelt „Milliarden-Fiasko stürzt SPÖ in Krise“. Im Blattinneren heißt es, dass SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig „Zweifel am Geschäftsmodell der Wien Energie nicht ausräumen konnte“. Weiters übt die Krone Kritik am tagelangen Schweigen von Ludwig. „Kein Telefonat mit dem Finanzminister. Kein Telefonat mit dem Kanzler. Erst am Dienstag gibt er eine erste Erklärung ab. Tenor. Das sei alles nicht unüblich“.

Die Kritik erreicht aber auch SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, die zur Caus Wien Energie im ORF-Sommergespräch auf mögliche Fehler angesprochen meinte „Wo genau? Welche Fehler sollen das genau sein?“. Für die Krone waren es Sätze, die „sprachlos machten“. Politologe Peter Filzmaier kommt in der Krone zum Schluss, dass für die SPÖ die wichtigste Erzählung zur Teuerung „kaputt“ sei. Er schreibt vom „Ende des roten Glücks“.

 

Oberösterreichische Nachrichten: „Der entzauberte Bürgermeister“

Die Oberösterreichischen Nachrichten sieht in ihrer heutigen Ausgabe den Wiener SPÖ-Bürgermeister „entzaubert“. Politberater Thomas Hofer meint: „Für Ludwig ist es ein massiver Dämpfer. Er hat geglaubt, er kann sich wegducken, die Causa Wien Energie wurde völlig intransparent gehandhabt.“ Die Zeitung schreibt weiter: „Vielfach wurde überdeckt, dass sich auch im roten Wien über die Jahrzehnte Mechanismen des Machterhalts herausgebildet hatten – ob bei Postenbesetzungen, Klüngeleien mit dem Boulevard oder, wie nun bekannt wurde, bei der freihändigen Vergabe von Milliardenbeträgen.“

 

Die Presse: „Ein rotes Desaster in Ludwigs Wien“

Bereits gestern heißt es im Leitartikel der Tageszeitung „Die Presse“: „Während Michael Ludwig und die Seinen sonst jedes neu gepflanzte Efeupflänzchen, jedes neu Sesselchen eines Kindergartenkreises wort- und bildreich bejubeln oder von den kaum zu zählenden Mitarbeitern in den Pressebüros bejubeln lassen, hat er sich in dieser so wichtigen Causa nach außen nicht wirklich betroffen gezeigt. Das lange, viel zu lange öffentliche Schweigen zu dem Hilferuf der Wien Energie spricht Bände.“ Die Presse kommt zum Befund: „Ein rotes Desaster in Ludwigs Wien“

Viele Experten sind ratlos und können sich das Vorgehen der Stadt Wien und der Wien Energie nicht erklären. Einhelliger Tenor: Solche Notlagen passieren nicht über Nacht. In Konzernen dieser Dimension sind vom Risiko-Management bis zum Aufsichtsrat genügend Netze, denen rechtzeitig solch dramatische Entwicklungen bekannt sein müssten. Foto-Montage: Kronen Zeitung, Standard, Salzburger Nachrichten, Kurier
Viele Experten sind ratlos und können sich das Vorgehen der Stadt Wien und der Wien Energie nicht erklären. Einhelliger Tenor: Solche Notlagen passieren nicht über Nacht. In Konzernen dieser Dimension sind vom Risiko-Management bis zum Aufsichtsrat genügend Netze, denen rechtzeitig solch dramatische Entwicklungen bekannt sein müssten. Foto-Montage: Kronen Zeitung, Standard, Salzburger Nachrichten, Kurier

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