So verdient die ASFINAG am Transit durch Tirol

Der europäische Transitverkehr füllt die Täler Tirols. Doch die Mauteinnahmen auf der Brennerautobahn füllen die Kassen der ASFINAG in Wien. Jetzt erhält die Öffentlichkeit erstmals Einblick in die Mauteinnahmen der ASFINAG an der Brenner- und der Arlbergstrecke. Die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von ÖVP-Abgeordneten Hermann Gahr offenbart, dass sprudelnde Mauteinnahmen zwar in Tirol erzielt, aber kaum dort eingesetzt werden. Nun werden Forderungen Tirols laut, mit den Mauteinnahmen in die Entlastung der transitgeplagten Bevölkerung zu investieren.

 

Der Brenner – der am stärksten genutzte Alpenpass

Brenner: Ein historischer Ort. Er ist auf 1200 Meter der niedrigste und folglich bedeutsamste Alpenpass, Übergang am Weg nach Italien. Seit Jahrhunderten Durchzugsort und Nadelöhr für die am stärksten genutzte Nord-Süd-Verbindung Europas im Alpenraum: 14 Millionen Fahrzeuge pro Jahr nutzen die Straße, 220 Züge pro Tag rollen über die Schiene.

Über 30 Kilometer lang, streckenweise auf hohen Betonstützen, zieht sich die A13 Brennerautobann von Innsbruck durch das Wipptal zum Brennerpass hinauf. Kurz nach Innsbruck geht’s über die Europabrücke und es heißt kurz danach: „stop (pay) and go“. Jeder einzelne LKW und jeder einzelne PKW muss Maut bezahlen: 10,50 Euro kostet eine Einzelfahrt für Autos, Motorradfahrer zahlen gleich viel, für LKW gilt eine auf Antrieb und Achsenanzahl abgestellte Berechnungsformel.

 

Zunahme des Transits – ASFINAG verdient an jedem Fahrzeug

Von Coronakrise ist an der Mautstelle Schönberg ist nichts mehr zu spüren. Denn die Zahl der Fahrzeuge und des Fernverkehrs hat bereits das Vorkrisenniveau von 2019 überschritten.

Mit 246.000 Fahrten lag der LKW-Verkehr im März 2021 bereits um 16 Prozent über dem historischen Wert vom März 2019.

Bei den PKW ging im März die Mautschranke 753.000 Mal hoch. Ein Zuwachs von 113 Prozent.

Das lässt die Kassen für den Autobahnbetreiber ASFINAG ordentlich klingeln. Während der Straßenverkehr im Inntal und im Wipptal für die Bevölkerung eine Belastung darstellt, erweist er sich für die ASFINAG als wahre Cash-Cow.

Wieviel genau die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) am Brenner und an der Arlbergschnellstraße verdient, war bisher kaum vollständig bekannt. Trotz mehrfacher Aufforderung waren der Autobahnbetreiber und das Verkehrsministerium bisher nicht willens, die Tiroler Mautzahlen offenzulegen.

 

Transit übern Brenner als Cash-Cow für ASFINAG

Licht ins Dunkel brachte aber nun eine Parlamentarische Anfrage von Tirols ÖVP-Abgeordneten Hermann Gahr. Er wollte von der zuständigen Verkehrsministerin Leonore Gewessler die genauen Zahlen wissen.

Gewessler musste dem Wunsch Gahrs nachkommen und legte die Mautzahlen für Tirol offen. Knapp 1,3 Milliarden Euro verdiente die ASFINAG durch Mauteinnahmen am Brenner und Arlberg in den Jahren 2018-2021. Alleine vergangenes Jahr waren es 327 Millionen Euro. Auch wenn die ASFINAG dem Land Tirol eine kleine Abgabe von lediglich 6,5 Millionen Euro abliefert und sich auch an den Kosten am Brennerbasistunnel beteiligt, fließen unterm Strich Jahr für Jahr hohe Mauteinnahmen vom Brenner und Arlberg nach Wien.

 

 

Platter & ÖVP fordern Umdenken von Gewessler und ASFINAG

Das ruft Tirols Landeshauptmann Günther Platter, Hermann Gahr und Florian Riedl, Verkehrssprecher der Tiroler ÖVP und Bürgermeister im Wipptal, auf den Plan.

Sie fordern vehement, dass die aus der Maut in Tirol lukrierten Einnahmen wieder nach Tirol zurückfließen und in Schutzmaßnahmen wie Lärmschutz entlang der Transitstrecke investiert werden. Wörtlich meinen sie, dass die ASFINAG und das zuständige Verkehrsministerium gefordert sind „nicht nur die Hand bei den Mautmillionen aufzuhalten“.

Landeshauptmann Platter erklärt, dass die ASFINAG „Nutznießer dieser angespannten Transitsituation in Tirol“ sei und forderte von Ministerin Gewessler, dass „das Betteln um Geld für Entlastungsmaßnahmen ein Ende haben muss.“

 

 

Sanierungsfall Brennerautobahn

Nachdem die Brennerautobahn in die Jahre gekommen ist – sie wurde in den 60er-Jahren gebaut –  stehen umfangreiche und sehr aufwändige Sanierungsmaßnahmen an. Es liegen mehrere Konzepte am Tisch. Die Wipptaler Gemeinden, welche am meisten vom Transit geplagt sind, sowie Landeshauptmann Platter und ÖVP-Nationalrat Gahr wünschen sich eine Gesamtkonzept zum Schutz der Bevölkerung samt Verlegung der Brennertrasse in einen neuen Tunnel.

Erst Pläne dazu liegen bereits vor. Das würde die Menschen an der Brennerstrecke am meisten entlasten. Der Bau des Tunnels würde sich, so die Initiative aus Tirol, dank der Mauteinnahmen von selbst, wäre da nicht der Abfluss der Mauteinnahmen nach Wien.

Tirols Landespolitik scheint fest entschlossen zu sein, nicht nachzugeben. Die ÖVP Tirol erhält von allen anderen Landtagsparteien geschlossen Unterstützung, berichtet die Tiroler Tageszeitung. Die Debatten mit dem Verkehrsministerium beginnen erst.