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So greift der Politische Islam nach Europa
Die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) zeigt im neuen Jahresbericht auf, wie islamistische Kräfte nach Europa greifen. Dazu zählen auch die Hamas und die Muslimbruderschaft. Österreich und Europa müssen sich dieser Herausforderung stellen, sagt DPI-Direktorin Lisa Fellhofer.
Politischer Islam als Geschäft und Identität
Islamistische Strukturen nutzen die digitale Kommunikation und Sprache populärer Jugendkulturen, schreibt die Dokumentationsstelle. Die Videos sind von demokratiefeindlichen und antisemitischen Sichtweisen geprägt. Das Feindbild des Westens wird mit einem islamistischen Lifestyle in Verbindung gebracht. Die liberale Demokratie ist von Grund auf abzulehnen. Sport, Ernährung, Karriere und Beziehung werden von Influencerinnen und Influencern ideologisch aufgeladen und durch Bücher, Coachings, Retreats, Vernetzungstreffen und weitere Veranstaltungen vermarktet. Durch festen Glauben, Selbstoptimierung und strenge Disziplin soll eine „maskuline Exzellenz“ erreicht werden – ähnlich einer islamistischen Manosphere.
Die Türkei ist auf neo-islamischem Kurs. (Sultan Ahmed-Moschee, Instanbul) Foto: pixelio / Brüggemann
Beeinflussung digitaler Quellen
Info-Angebote im Internet greifen in erheblichem Umfang auf frei verfügbare Online-Inhalte zurück. Entsprechend wird versucht, Wissensplattformen gezielt zu beeinflussen und dort extremistische Narrative zu verankern. Ein anschauliches Beispiel ist der deutschsprachige Wikipedia-Artikel über die Muslimbruderschaft. Das Bearbeitungsprotokoll der Seite zeigt, dass einzelne User wiederholt kritische Quellen zu der in einigen Ländern als Terrororganisation gelisteten Gruppierung entfernten und andere hinzufügten, die die Bruderschaft in ein positiveres Licht rücken.
Dies stellt eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre dar: Nicht nur Massenmedien, sondern auch Trainingsdaten verschiedener Algorithmen und Suchmaschinen werden gezielt beeinflusst.

Die Hamas verübte am 7. Oktober 2023 einen Anschlag auf Israel, der auch in Österreich scharf verurteilt wurde (Gedenken im Parlament). Foto: Johannes Zinner
Europa als Aktionsraum für staatliche und nichtstaatliche Akteure
Die Türkei folgt seit der Machtübernahme der AKP einem antiwestlichen sowie neo-osmanischen Weltbild. Die „islamische Zivilisation“ ist durch Geschichte und Schicksal verbunden und steht in einem Gegensatz zur westlichen Gesellschaft stünde. Diese als „Zivilisationismus“ bezeichnete Entwicklung hat Auswirkungen auf die türkeistämmigen Minderheiten wie in Österreich. Dieses Weltbild unterstützt eine Identität, die in einem fundamentalen Gegensatz zur westlichen Mehrheitsgesellschaft steht.
Ein weiterer Akteur dessen Einfluss nach Europa reicht ist die Hamas, die 1987 als palästinensischer Ableger der Muslimbruderschaft gegründet wurde. Sie ist eine in Europa gelistete Terrororganisation und bewaffnete Kraft sowie eine politische Partei und ein Wohlfahrtsakteur. Die islamistische Gruppierung nutzt ihre Doppelstruktur – religiöse wie karitative Tätigkeiten – um in europäischen Staaten Fuß zu fassen und ihr militärisches Vorgehen zu verschleiern.
Herausforderung für die liberalen Demokratien
„Der DPI-Jahresbericht dokumentiert die Professionalisierung und Diversifizierung von Akteuren des Politischen Islams. Die liberalen Demokratien in Europa müssen sich dieser Herausforderung stellen“, so DPI-Direktorin Lisa Fellhofer.
Link: Der neue DPI-Jahresbericht und sämtliche weiteren Publikationen des Österreichischen Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischen Extremismus können auf der Website www.dokumentationsstelle.at abgerufen werden.