Innenpolitik
80 Jahre für Demokratie, Freiheit und Wohlstand Österreichs
Anlässlich des 80-jährigen Jubiläums der Zweiten Republik und der ÖVP ist die zweibändige Edition „Mit ganzer Kraft für Österreich“ erschienen, die Geschichte zugänglich macht: die Protokolle des ÖVP-Nationalratsklubs der Jahre 1945 bis 1955. Die Präsentation im Parlament in Wien stand im Zeichen der Kraft der Mitte, die den Weg Österreich zu Demokratie, Freiheit und Wohlstand pflasterte.
Beginn der wissenschaftlichen Aufbereitung
Als 15. Klubobmann der ÖVP der Zweiten Republik charakterisierte August Wöginger das zweibändige Werk: Als erste Fraktion beginne die ÖVP nun Klubprotokolle wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu publizieren. Damit stehen der Wissenschaft – parallel zu den von der Akademie der Wissenschaften editierten Protokollen der Ministerräte der Zweiten Republik – nun parlamentarische, bisher unerschlossene Quellen zur Verfügung.

Klubobmann August Wöginger: Protokolle wissenschaftlich editiert erstmals zugänglich
Vor 80 Jahren konstituierte sich der Klub
Wöginger in einem historischen Rückblick: „Vor 80 Jahren haben am 25. November 1945 in Österreich die ersten freien Wahlen stattgefunden. Am 19. Dezember 1945 ist dann der frei gewählte Nationalrat erstmalig zusammengetreten. Und am Nachmittag davor – am 18. Dezember 1945 hat sich der „Parlamentsklub der ÖVP“ – damals unter dem einschränkenden Namen ‚Nationalratsklub‘ erstmals konstituiert.“
Die ÖVP war 1945 Wahlsieger – und die ÖVP war, wie Wöginger erläuterte, „die einzige Partei, die mit allen sprechen konnte“.

Wilhelm Molterer: Demokratie, Freiheit und Wohlstand sind nicht selbstverständlich
Vielbeachtete Festrede von Wilhelm Molterer
Das – nämlich Verständigung und Zusammenhalt – waren die Grundlagen, die am Anfang des nunmehr 80 Jahre andauernden Erfolgsweges der Zweiten Republik standen. Das Parlament wurde, wie der frühere Finanzminister und Vizekanzler Wilhelm Molterer in einer viel beachteten Festrede erläuterte, zum Ort der Auseinandersetzung, nicht mehr die Straße: „Im Parlament ist es dann gelungen, die Kompromisse zu finden“, sagte Molterer, unter anderem ÖVP-Klubobmann der Jahre 2003 bis 2006.
Dringend appellierte Molterer, die gegenwärtigen demografischen und ökonomischen Herausforderungen aufzugreifen, weiters dem Willen und der Fähigkeit zur Verteidigung Österreichs die Priorität einzuräumen. Denn, so Molterer: „Demokratie, Freiheit und Wohlstand sind nicht selbstverständlich“.

Wilhelm Molterer: „Wie kommen wir heute wieder von einem Ich zu einem Wir?“
„Es lohnt sich, für Österreich zu arbeiten“, sagte Molterer, mit Blick auf die Gründungstage und den Erfolg der Zweiten Republik. Er erinnerte an den legendären Leitsatz des damaligen Bundeskanzlers Leopold Figl (ÖVP): „Glaubt an dieses Österreich“. Es war nach 1918 der zweite – und dann gelungene – Versuch Österreichs, Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu erlangen. Die vor 80 Jahren erfüllten Bedingungen hätten auch heute ihre Gültigkeit: „Die Voraussetzung für Freiheit ist Mut. Es ist das Notwendige zu tun. Eine feste Wertordnung gehört dazu. Das Gemeinwohl war das bestimmende Element. Die Menschen wussten, es gibt Rechte und Pflichten. Und wir haben die Marktwirtschaft eingeführt.“
Daher stelle sich heute, da viele Auseinandersetzungen in jeweils abgeschotteten Blasen geführt werden, eine wesentliche Frage: „Wir kommen wir vom Ich zum Wir?“

Christian Stocker: „Ich bin überzeugt von der Kraft der Mitte.“
Stocker: „Überzeugt von der Kraft der Mitte“
„Ich bin überzeugt von der Kraft der politischen Mitte“, sagte Bundeskanzler und ÖVP-Bundesparteiobmann Christian Stocker. „Wir stehen für Freiheit und Selbstbestimmung“, die von ihm geführte Koalitionsregierung „wird eine Politik der Mitte gestalten“. Wesentlich sei dabei, die Menschen in ihrer jeweiligen Lebenswirklichkeit zu verstehen. Damit und mit entsprechenden, bereits eingeleiteten Schritten etwa bei Energie, Gesundheit und Sicherheit werde es gelingen, Vertrauen zurückzugewinnen.

Franz Schausberger, Präsident des Karl von Vogelsang-Instituts: ÖVP veröffentlicht als Erster vertrauliche Protokolle
Initiative von Klub und Vogelsang-Institut
Das 80 Jahre zurückliegende Ringen um Lösungen und gemeinsame Wege in den Anfängen der Zweiten Republik spiegelt sich in den politischen Debatten, auch in jenen innerhalb des Parlamentsklub des ÖVP. In einer gemeinsamen Initiative des ÖVP-Parlamentsklubs und des Karl von Vogelsang-Instituts erschienen nun die Protokolle der – vertraulichen – Klubberatungen und die wissenschafliche Aufarbeitung der historischen Themen. Gemeinsam bieten die beiden Bände einen umfassenden Blick auf die Phase der politischen Formierung des modernen Österreich – analytisch, dokumentarisch und aus erster Hand

Johannes Schönner, Geschäftsführer Karl von Vogelsang-Institut: Es gibt noch heiße Eisen
Die Themen der Zeit: Aufbau, Integration, Rolle der Kirche
In Band 1 (Beiträge) beleuchten renommierte Historiker:innen, Jurist:innen und Politikwissenschaftler:innen, die zentrale Themen der frühen Zweiten Republik neu: die Gründungsgeschichte der ÖVP, ideologische Konfliktlinien, das Verhältnis zu SPÖ und KPÖ, die Regierungsarbeit zwischen Wiederaufbau und Westintegration, sowie die Rolle von Kirche, Frauen und Kultur. Die Beiträge eröffnen ein breites, interdisziplinäres Spektrum und bieten ausgewogene, wissenschaftlich fundierte Einordnungen ohne parteipolitische Einseitigkeit.

Band 1 behandelt die Themen der Zeit, wissenschaftlich aufbereitet
Der Band 2 (Quellenedition) macht erstmals sämtliche überlieferten Klubprotokolle vollständig und wissenschaftlich kommentiert zugänglich. Auf der Basis von 1.574 maschinschriftlichen Seiten aus dem Archiv des Karl von Vogelsang-Instituts werden interne Debatten, strategische Überlegungen und Entscheidungswege einer der prägenden Regierungsparteien der Nachkriegszeit sichtbar – unmittelbar, vielstimmig und in ihrer historischen Sprache bewahrt. Ergänzt durch Beilagen, Register und eine klare editorische Methodik entsteht ein Quellenkorpus, der bisher unzugängliche Einblicke in die „Politik von innen“ und damit in die 80 Jahre zurückliegenden Gründungstage der Zweiten Republik erlaubt.

Band 2 präsentiert die Protokolle der Klubberatungen, wissenschaftlich editiert
Die zweibändige Edition richtet sich an Historiker:innen, Studierende, Journalist:innen, Politikwissenschaftler:innen, Jurist:innen und an alle, die das Werden der Zweiten Republik nicht nur nachvollziehen, sondern im O-Ton der Zeit verstehen möchten.

Band 2 präsentiert die Protokolle der Klubberatungen, wissenschaftlich editiert
Bibliografische Angaben:
Franz Schausberger, Johannes Schönner, Anita Ziegerhofer, Stefan Wedrac, Karl von Vogelsang-Institut (Hrsg.): „Mit ganzer Kraft für Österreich“ – Die ÖVP im Parlament 1945 bis 1955 – die Protokolle des Nationalratsklubs; Zweibändige Edition: (2 x Softcover 17 x 24 cm mit Lackveredelung) in Schuber (Karton mit Heißfolienprägung) ISBN 978-3-7011-0546-5; Preis: EUR 150,- [A,D] Erscheinungsdatum: 26.11.2025; Umfang: Band 1 – Beiträge: 420 Seiten; Band 2 – Quellenedition: 940 Seiten. Im Schuber; Leykam Universitätsverlag – ein Imprint innerhalb der Leykam Buchverlagsges.m.b.H. & Co. KG; Kontakt: wissenschaft@leykamverlag.at





