Die Gasinfrastruktur Österreichs soll zukünftig mit einem drei Säulen Modell verbessert werden. Das gab Wirtschaftsminister Martin Kocher am Freitag bekannt. Foto: RAG / Karin Lohberger Photography

Die Gasversorgung und die damit verbundene Gasinfrastruktur sind von großer Bedeutung für die Versorgung des Landes. Vor diesem Hintergrund luden Klimaschutz- und Energieministerin Leonore Gewessler und Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher am Freitag zu einem Gasinfrastruktur-Gipfel. Für den Winter ist schon vorgesorgt (Zur-Sache berichtete).

 

Gut ausgebaute Gasinfrastruktur in Österreich

Seit 2009 wurde die Gasstruktur in Österreich weiter ausgebaut. Insbesondere der Ausbau der Reverse-Flow-Kapazitäten stellt für Österreich ein wichtiges Sicherheitsnetz dar. Reverse-Flow bedeutet, dass Gas an den Pipeline-Übergabepunkten in beide Richtung fließen kann. „Wir haben in Österreich eine funktionierende Gasinfrastruktur. Das ist wichtig, für die Energieversorgung der Menschen und der Unternehmen, vor allem für die energieintensive Industrie“, so Kocher.

An vier wichtigen Übergabepunkten kann das Gas in Österreich fließen: Baumgarten, Überackern, Oberkappel und Arnoldstein. Die maximale technische Kapazität der Übergabepunkte, über die nicht-russisches Gas fließen kann, entspricht dabei der Importmenge, die Österreich benötigt.

 

Zukunft steht auf drei Säulen

Man muss trotz der guten Situation des Netzes in die Zukunft blicken. Das war auch Wirtschaftsminister Kocher ein Anliegen: „Es ist wichtig, dass wir die vorhandene Gasinfrastruktur permanent evaluieren und bereits jetzt einen Blick darauf haben, welche Infrastrukturprojekte verfolgt werden müssen, um Energieversorgungssicherheit und Resilienz mittel- und langfristig sicherstellen zu können.“

Die zukünftige Strategie Österreichs steht dabei auf drei Säulen:

  • Speicherbefüllung und -anbindung

Das Parlament hat vor dem Sommer eine Novelle des Gaswirtschaftsgesetzes beschlossen, die vorsieht, dass alle österreichischen Gasspeicher an das österreichische Gasnetz angeschlossen werden müssen. Dieser Anschluss muss unmittelbar umgesetzt werden. Zudem wurde mit der Use-it-or-lose-it-Regelung die Voraussetzung geschaffen, damit alle Speicher in Österreich befüllt werden. Das entsprechende Verfahren dazu läuft.

 

  • Punktuelle Verbesserungen des Gasnetzes

Es gibt mehrere Projekte die zurzeit sinnvoll sind. Zum Beispiel wurde die Anbindung des Tiroler Gasnetzes an das Marktgebiet Ost besprochen, was in einem absehbaren Zeithorizont erledigt werden kann. Weiter könnten auch die Reverse-Flow-Kapazitäten der Übergabepunkte Arnoldstein und Oberkappel erweitert werden.

 

  • Flexibilität bei der Kraftwerksinfrastruktur

Um im Ernstfall rasch reagieren zu können und auch Gas einzusparen müssen Großanlagen auch ohne Gas betrieben werden können. Dazu geht eine entsprechende Energielenkungsverordnung in Begutachtung.

 

Überblick über die Gasversorgungslage

  • Der aktuelle Speicherstand der österreichischen Speicher beträgt 48 Terawattstunden. Das entspricht mehr als der Hälfte des gesamten österreichischen Jahresverbrauchs.
  • Auch während der Wartung von Nord Stream 1 wurde in den vergangenen Tagen kontinuierlich Gas eingespeichert. Die tägliche Einspeichermenge während des Wartungszeitraums lag etwas über den Prognosen.
  • Die Gasflüsse nach Österreich sind nach dem Ende der Wartungsarbeiten bei Nord Stream 1 wieder gestiegen.
  • Aktuell liegen die Liefermengen über Nord Stream 1 auf dem Niveau vor der Wartung und damit deutlich unter dem technischen Maximum.
  • Die Expert:innen des Krisenstabs erwarten, dass die täglichen Einspeicherungen nun wieder merklich steigen.
  • Das Speicherziel der Bundesregierung ist laut E-Control weiterhin erreichbar. Deshalb besteht aktuell in Österreich kein Grund für die Ausrufung der Alarmstufe.