Innenpolitik
Islamismus – neue Strategie, neue Gesichter

Die Analysen des Islamismus sind ein Warnsignal, sagt Ferdinand J. Haberl, Experte an der Dokumentationsstelle politischer Islam in Wien. Der jetzt präsentierte Jahresbericht zeigt die Gefahren des Islamismus für Staat und Gesellschaft ebenso wie für einzelne Jugendliche auf.
Islamismus mit internationaler Strategie
Wesentlich sind die neuen Strategien und die neuen Gesichter des Islamismus mit den Elementen:
- Instrumentalisierung geopolitischer Ereignisse,
- Propaganda für fundamentalistische Lebensweise als Lifestyle-Angebote,
- Ablehnung des Säkularismus, also der Trennung von Staat und Kirche,
- Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft.

Deutliche Warnung vor Islamismus: Ferdinand Haberl, Lisa Fellhofer, Mouhanad Khorchide
Westen als Feindbild
Die Akteure des politischen Islam sind über Grenzen von Staaten hinweg vernetzt, sie nutzen die internationale Ereignisse und Krisen für ihr Ziel, den Islam zu propagieren, insbesondere den Salafismus. Sie instrumentalisieren den Nahost-Konflikt, hetzen gegen Israel und gegen den Westen als gemeinsames Feindbild. Kritik an ihnen wird als Unterdrückung, als Zensur und als Mangel an Religionsfreiheit zurückgewiesen. Die Dokumentationsstelle beobachtet eine Zusammenarbeit zwischen religiös-extremistischen und antiimperialistischen Gruppierungen.

Die Präsentation des Jahresberichts zum Politischen Islam ist auf Youtoube (Link unten).
Social Media als Instrument und Plattform
Zugleich treten neue Gesichter im Internet auf, vor allem auf Social Media durch Influencer, die den Islam als Lifestyle präsentieren. In den Reels auf Tiktok und in Videos auf Youtube werden Jugendliche angesprochen und emotional mobilisiert. Islamistischer Terror wird darin teils legitimiert oder verherrlicht, Kritik an islamistischen Tendenzen wird mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ zurückgewiesen. Parallel werden in der Öffentlichkeit Plakate und Graffitis platziert, über das Internet Lifestyle-Produkte vermarktet.
Es sind drei Ursachen, weswegen Mouhanad Khorchide, Leiter des wissenschaftlichen Beirats, ausdrücklich eine intensivere Befassung mit dem Islamismus fordert, denn der Islamismus
- kombiniert digitale und analoge Strategien,
- nutzt jugendkulturelle Codes,
- erweitert transnationale Netzwerke.
In Europa würden sich an Universitäten rund 100 Lehrstühle mit Rechtsextremismus befassen, doch keiner mit Islamismus, so Khorchide. Dabei müsste, so Haberl, gerade das Internet beobachtet werden, denn: „Wer die Social Media beherrscht, hat die Deutungshoheit“.
Links:
Der Jahresbericht 2024 wurde diese Woche in der Concordia in Wien präsentiert. Hier der YouTube-Link zur Pressekonferenz zum Nachschauen: https://www.youtube.com/live/Hfx4KwZHkIM
Der neue DPI-Jahresbericht sowie alle weiteren DPI-Publikationen können auf der Website www.dokumentationsstelle.at abgerufen werden.
