WKStA-Akten um 27,20 €

Lesung aus WKStA-Akten - zur Unterhaltung. Foto: iStock.com/ Semen Salivanchuk
Lesung aus WKStA-Akten - zur Unterhaltung. Foto: iStock.com/ Semen Salivanchuk

Hallo Tulln, ist Euch fad? Diese Frage richtete jüngst Florian Klenk an die Gartenstadt an der Donau. Er, so Klenk, fahre nämlich nach Tulln, um aus Akten der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft vorzulesen. Mit dem Kabarettisten Florian Scheuba. Das machen die beiden seit 20. Februar auch in Wien. In der Stadthalle. Eintrittspreis 27,20 Euro pro Karte. Sie sagen, das ist lustig. Zur-Sache betrachtet das jetzt einmal satirisch.

 

Aktenlesung

Was sie dafür bieten? Florian und Florian lesen aus den „neuesten WKStA-Akten und den besten Chats“. Und sie wollen da alles einordnen. „Es wird sehr lustig“, verspricht Klenk.

 

Tja, lustig. Ist das genau wirklich das, wonach allen gerade ist? Nach zwei Jahren Corona-Krise, die Budgets ausreizt und Nerven erschöpft. Nach Lockdowns. Nach den vielen Teuerungen endlich wieder lachen. Nach Jahren des Separatismus in der Ukraine, wo sich gerade ein Krieg aufbaut, der nach Europa schwappt. Ja, lustig hätt’n wir es gerne, nach einem BVT-Skandal, der den Staatsschutz erschütterte. Endlich etwas zum Lachen, nachdem die Methoden geheimer Filmaufnahmen und sonstiger Bloßstellungen für die Opfer ernste Folgen haben.

 

Politainment

Nicht lustig fand der Redaktions-Kollege von Florian K. übrigens dann wieder die Feststellung des Presserates, sie hätten etwas differenzierter auf die Kritik an einer Collage für ihre Zeitung eingehen können. Ein am Computer gefertigtes Bild zeigte unter dem Titel „geilzeit“  Vater Sebastian Kurz mit der stillenden Mutter Susanne Thier, was zahlreiche Persönlichkeiten so empörte, dass sich der Presserat damit zu befassen hatte. Der Rat hielt dies zwar für gerade noch zulässige Satire, enthielt sich aber einer Wertung, weil dieses Organ der Selbstkontrolle der Printmedien nicht für Geschmacksfragen zuständig sei. Dessen Geschäftsführer rückte dann doch noch mit der Feststellung aus, diese Satire sei nicht gelungen.

 

Warum dies alles bemerkenswert ist? Weil die Vermischung von Politik, Journalismus und Unterhaltung das Politainment ergibt. Beim Politainment gerät alles durcheinander. Doch die WKStA-Akten betreffen die Politik, die Justiz und die Medien. Jeder dieser drei Bereiche funktioniert anders. Hat andere Regeln, andere Verantwortungen. Aber im Politainment wird alles vermischt und bis zur Unkenntlichkeit vermanscht. Weil’s unterhält.

 

Deswegen gibt´s Politainment jetzt um 27,20 Euro. Ein Spottpreis für eine Angelegenheit, die jeder Beschreibung spottet.