Innenpolitik

2000 Befragte: So geht’s Bäuerinnen und Bauern wirklich

Bäuerinnen und Bauern sind stark belastet: Die Studie mit 2000 Befragten ist ein Weckruf, sagt Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer. Foto: LKÖ, Jung-Leithner

2000 Bäuerinnen und Bauern wurden befragt. Ergebnis: Bürokratie, Preisdruck und unsichere Rechtsvorgaben drücken die Gesundheit von Österreichs Bäuerinnen und Bauern. Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer, fordert daher bessere Rahmenbedingungen und faire Erzeugerpreise, aber auch Entlastung und Beratung für Bauernfamilien.

 

Bürokratie, Preisdruck und Unsicherheiten

Zu Bürokratie, Preisdruck und Unsicherheiten über Recht und Regeln kommen noch weitere Belastungen. Ständig höhere Auflage für die Produktion, die fehlenden Erholungszeiten und öffentliche Anfeindungen drücken stark auf Gemüt und Gesundheit der Bauernfamilien.

Der Präsident des Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, verweist auf die Ergebnisse der Studie „Soziale und psychische Belastungen der Land- und Forstwirt:innen in Österreich“. Dies wurde von der L&R Sozialforschung im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums erstellt und nun veröffentlicht.

 

Bessere Preise, mehr Entlastung

Josef Moosbrugger nimmt die Ergebnisse zum Anlass, um seine Forderung nach besseren Rahmenbedingungen und Erzeugerpreisen zu untermauern und die Wichtigkeit von Entlastungs- und Beratungsangeboten zu unterstreichen.

Bauern wünschen bessere Erzeugerpreise für ihre Produkte. Foto: pexels / R. Khalil

Bauern wünschen bessere Erzeugerpreise für ihre Produkte. Foto: pexels / R. Khalil

Nur 5 Prozent ohne Belastung

Weniger als 5 Prozent der über 2.000 befragten Bäuerinnen und Bauern geben an, gering oder nicht belastet zu sein. Knapp zwei Drittel sprechen von einem mittleren und ein Drittel (34 Prozent) sogar von einem hohen Belastungsniveau. In der Studie wird somit insgesamt von einem „beträchtlichen Belastungsausmaß“ berichtet.

 

Gesundheit unter Niveau der Bevölkerung

Im Hinblick auf konkrete physische und psychische Beschwerden und Erkrankungen bewerten Land- und Forstwirt:innen sowie deren mithelfende Angehörige ihren Gesundheitszustand schlechter als die Gesamtbevölkerung. 46 Prozent der Land- und Forstwirt:innen geben sogar an, im letzten Jahr von mindestens einer psychischen Erkrankung oder Beschwerde betroffen gewesen zu sein. Dieser Anteil ist fast doppelt so hoch wie in der österreichischen Gesamtbevölkerung.

Landwirtschaft versorgt Österreich mit frischen Lebensmitteln. Foto: Pixelio / picjumbo

Landwirtschaft versorgt Österreich mit frischen Lebensmitteln. Foto: Pixelio / picjumbo

Moosbrugger: Ergebnisse müssen wachrütteln

„Spätestens diese Ergebnisse müssen alle wachrütteln. Sie sind ein deutlicher, gemeinsamer Hilferuf einer gesamten Berufsgruppe“ erklärt Moosbrugger. „Wer meint, das wäre nur ein Problem für die Bauernfamilien, dem sei gesagt: Es geht hier um eine unverzichtbare Berufsgruppe für die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, mit erneuerbarer Energie und nachwachsenden Rohstoffen.“

Seine Schlussfolgerung ist klar & deutlich: „Der ständige, schädliche Preiskampf auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern muss gestoppt und die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden.“

Appell an EU-Kommission: Bürokratie durchforsten

„EU-Entwaldungsverordnung, Industrieemissionsrichtlinie, Bodenüberwachungsgesetz usw. usw. – Viele Bäuerinnen und Bauern vermeiden es schon, Medienberichte zu verfolgen“, so Moosbrugger im Hinblick auf die Bürokratie und weiter: „Dabei ist nicht nur die notwendige Arbeitszeit zu nennen, sondern vor allem auch die Sorge, durch unbeabsichtigte Fehler oder Fristversäumnisse finanzielle Sanktionen zu erhalten.“

Frostschäden gefährden Obstkulturen: Jugend leidet mehr unter Klimawandel. Foto: Pixelio / YouYou

Frostschäden gefährden Obstkulturen: Jugend leidet mehr unter Klimawandel. Foto: Pixelio / YouYou

Junge Bauern leiden stärker unter Bürokratie

Die Hälfte der befragten Bäuerinnen und Bauern (52 Prozent) empfindet die Bürokratie als sehr belastend, bei den Unter-30-Jährigen sind es sogar 60 Prozent: „Das ist der negative Spitzenwert. Dieses Ergebnis muss EU-Kommission und nationale Behörden gleichermaßen wachrütteln. Für jede neue Regelung sollten mindestens zwei andere, sinnlose wegfallen, denn gerade für unsere im internationalen Vergleich kleinen Familienbetriebe ist all das nicht mehr bewältigbar.“

 

Hohe Kosten und Auflagen

Hinter der Bürokratie als Belastungsfaktor folgen mit 43 Prozent die Preisentwicklungen für notwendige Rohstoffe wie Energie, Saatgut, Dünger: „Die Top-3 der sehr belastenden Faktoren“ werden durch die Unsicherheit bei Regularien und gesetzlichen Vorschriften mit 42 Prozent vervollständigt. Dahinter rangieren gesetzliche Auflagen (z.B. Hygiene, Tierwohl) mit 37 Prozent, fehlende bzw. zu kurze Urlaubs- und Erholungszeiten und öffentliche Diskussionen und Anfeindungen.

Ackerbau bedeutet Kosten unter anderem für Saatgut, Dünger und Schädlingsbekämpfung. Foto: poxabay

Ackerbau: Kosten unter anderem für Saatgut, Dünger und Schädlingsbekämpfung. Foto: poxabay

Entlastung für Ackerbau, Frostschutz für Obstbau

Beim Vergleich der Altersgruppen wird auch deutlich, dass die Stimmung und Motivation der jüngeren Land- und Forstwirt:innen durch klimabedingte Ernteschäden und -ausfälle deutlich stärker gedrückt wird als jene ihrer älteren Berufskolleg:innen.

„Der Klima-Faktor belastet besonders die Obst- und Gemüseproduzenten, die ja jedes Jahr vor Spätfrösten zittern müssen und dringend bessere Frostschutzmaßnahmen bräuchten. Auffällig ist auch, dass im Ackerbau zuallererst die Preisentwicklungen für notwendige Rohstoffe wie Energie, Dünger und Saatgut als sehr belastend empfunden werden. Auch für sie wären Kostenentlastungen und ein besserer Schutz auf den internationalen Märkten von größter Bedeutung“, fordert Moosbrugger.

Abg. Irene Neumann-Hartberger (ÖVP): Überdurchschnittliche lange Wochenarbeitszeit erhöht Belastung. Foto: Ulrike Wieser

Abg. Irene Neumann-Hartberger (ÖVP): Überdurchschnittliche lange Wochenarbeitszeit erhöht Belastung. Foto: Ulrike Wieser

Bildung und Beratung ausbauen, externe Belastung verringern

„Es ist wichtig und gut, dass der Nationalrat angesichts dieser Studie im Dezejmber einen ‚Handlungsbedarf zur Verbesserung der entsprechenden Rahmenbedingungen für die Bäuerinnen und Bauern‘ erkannt hat und dafür etwa ‚die Informationsarbeit zu bestehenden psychosozialen Unterstützungs- und Entlastungsangeboten forcieren will‘. Das ist wichtiger Rückenwind für unser Projekt des Ländlichen Fortbildungsinstituts (LFI) ‚Lebensqualität Bauernhof‘ mit Bildungs-, Beratungsangeboten und Bäuerlichem Sorgentelefon. Dass Bekanntheit und Zufriedenheit mit diesen und weiteren Angeboten hoch sind, werten wir positiv, sagt Moosbrugger in einer Medieninformation der Landwirtschaftskammern. „Mindestens ebenso wichtig ist es aber, den externen Ursachen der spürbaren Belastungen auf den Grund zu gehen und für Verbesserungen zu sorgen.“