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Israel im Fokus antisemitischer Vorurteile

Antisemitische Einstellungen bleiben in Österreich ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem. Während sich der klassische religiöse und rassistisch geprägte Antisemitismus seit 2022 kaum verändert hat, zeigt die neue Antisemitismusstudie 2024 einen signifikanten Anstieg beim israelbezogenen Antisemitismus. Vor allem junge Menschen und Personen mit höherer Bildung zeigen häufiger antisemitische Tendenzen, wenn es um Israel geht.
Die vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag des Parlaments erstellte Erhebung basiert auf mehr als 2.000 Interviews, die im Oktober und November 2024 durchgeführt wurden. Zusätzlich wurden gezielt junge Menschen sowie Personen mit türkischer oder arabischer Migrationsgeschichte befragt. Seit 2018 ermöglicht das Studienformat einen kontinuierlichen Vergleich über die Jahre hinweg. Erst vergangene Woche wurde im Parlament der Bericht zur „Nationale Strategie gegen Antisemitismus“ debattiert.
Jüngere Befragte anfälliger
Im Bereich des klassischen Antisemitismus gab es kaum Veränderungen: 13 % der Befragten äußerten manifeste antisemitische Einstellungen (2022: 15 %), 33 % latente (2022: 32 %). Einflussfaktoren wie Verschwörungsdenken, Antiamerikanismus, geringes Wissen über das Judentum, das Alter sowie patriarchale Denkmuster beeinflussen antisemitische Haltungen nachweislich. Jüngere Befragte und Personen mit niedrigerer Bildung zeigten sich häufiger anfällig, so die Parlamentskorrespondenz in einer Aussendung.
Zunahme beim israelbezogenen Antisemitismus
Deutlich zugenommen hat hingegen der israelbezogene Antisemitismus. So stimmten 31 % der Aussage zu: „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“ Das entspricht einem Anstieg um acht Prozentpunkte gegenüber 2022. Auch die Gleichsetzung der Politik Jerusalems mit NS-Verbrechen („Die Israelis behandeln die Palästinenser im Grunde auch nicht anders als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg die Juden“) wurde von 35 % bejaht – ein Anstieg von fünf Punkten.
Auffällig ist auch die sinkende Sensibilität gegenüber antisemitischen Aussagen. Vier von zehn Personen erkannten etwa in der Aussage, dass „in den Berichten über Konzentrationslager und Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg vieles übertrieben dargestellt“ werde, keinen Antisemitismus. Besonders problematisch: Israelbezogene Formen des Antisemitismus werden noch seltener als solche erkannt.
Existenzrecht Israels in Frage gestellt
Die Ergebnisse zeigen auch einen besorgniserregenden Trend bei jungen Menschen: 28 % der unter 25-Jährigen stellten das Existenzrecht des noch jungen Staates in Frage – gegenüber 14 % in der Gesamtbevölkerung. Zudem zeigte sich, dass junge Männer häufiger antisemitische Aussagen bejahten als junge Frauen. Zwei von drei Befragten unter 25 Jahren kannten außerdem die Zahl der Holocaust-Opfer nicht.
In der Zusatzstichprobe zeigten sich antisemitische Einstellungen unter Personen mit türkischer oder arabischer Migrationsgeschichte besonders stark ausgeprägt. 27 % äußerten manifeste, 48 % latente antisemitische Haltungen. Einflussfaktoren wie starke Religiosität, patriarchale Weltbilder und geringe Kenntnisse über das Judentum spielten hier eine verstärkte Rolle.
