Großer Teil des Menschenhandels in Österreich auf sexuelle Ausbeutung zurückzuführen

Foto: Foto: iStock.com/ mmg1design
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Zahlen und Daten zum Menschenhandel in Österreich wurden am Donnerstag von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) vorgestellt. Daraus geht hervor: Sexuelle Ausbeutung macht mehr als die Hälfte der Fälle aus, Tatverdächtigte stammen in knapp acht von neun Fällen aus dem Ausland, circa ein Sechstel der Betroffenen waren Minderjährige. Die Corona-Pandemie verdeutlichte das Problem illegaler Prostitution.

 

Das Bundesinnenministerium (BMI) sammelte Daten zu den tatverdächtigen Personen. Für Menschenhandel wurden insgesamt 61 Personen verdächtigt, bei grenzüberschreitenden Prostitutionshandel gab es 29 Tatverdächtige. Im Falle des Menschenhandels stammt der größte Teil der Verdächtigen aus Bulgarien (20). Neun Österreicher und sechs Rumänen standen im Verdacht. Beim grenzüberschreitenden Prostitutionshandel stammten die meisten Tatverdächtigen aus Rumänien (17). Aus Bulgarien und Ungarn waren vier beziehungsweise drei Verdächtige.

Die häufigste Form der Ausbeutung war sexuelle Ausbeutung mit 21 Fällen (51 %). Einen deutlichen Anstieg erkannten die Behörden bei der Arbeitsausbeutung mit 15 Fällen, was 37 % entspricht. Diese knappe Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr (8 Fälle in 2019) ist laut BMI auf die Auswirkungen der Corona Pandemie zurückzuführen.

 

Großteil der Opfer aus Drittstaaten

Insgesamt konnten 66 Opfer von Menschenhandel 2020 identifiziert werden. Trotz der erschwerten Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie. Mehr als die Hälfte (58 %) sind Drittstaatsangehörige aus Nigeria, Bosnien-Herzegowina Serbien und Marokko. 39 % der Opfer sind aus EU-Mitgliedsstaaten. Wie im Jahr zuvor, gab es 2020 kein österreichisches Opfer. 23 Frauen wurden Opfer grenzüberschreitender Prostitution.

 

Zehn minderjährige Opfer

Zehn Minderjährige Opfer waren 2020 von Menschenhandel und grenzüberschreitender Prostitution betroffen. Die sechs männlichen und vier weiblichen Opfer wurden für sexuelle Handlungen, durch Bettelei oder die Begehung von strafbaren Handlungen ausgebeutet. Dabei müssen Opfer strafbare Handlungen wie Drogenverkäufe begehen um Geld für die Täter heranzuschaffen.

 

Foto: BKA/ Dragan Tatic

Karl Nehammer stellt am Donnerstag die Statistik zum Menschenhandel vor. Foto: BKA/ Dragan Tatic

Pandemie verstärkt Probleme

Das BMI erkennt beim Menschenhandel und dem grenzüberschreitenden Prostitutionshandel Auswirkungen der Pandemie. Vermehrt kam es 2020 zu illegaler Prostitution in Hotels und Wohnungen. Das Landeskriminalamt Wien deckte eine rumänische Tätergruppe auf, die verdächtigt wird, rumänische und slowakische Frauen sexuell auszubeuten.

 

Zum Betteln ausgebeutet

Als Ermittlungserfolg verbuchte das BMI, dass 2020 eine kriminelle Vereinigung ausgeforscht wurde, die systematisch Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen zur Bettelei in Österreich ausgebeutet hat. Menschen mit Demenz, Seh- oder geistigen Behinderungen wurden in Bulgarien mit falschen Versprechungen angeworben. Der Haupttäter wurde bereits wegen Menschenhandels in Griechenland verurteilt.

 

Zur Arbeit als Au-Pairs ausgebeutet

In Tirol konnte das zuständige Landeskriminalamt zwei Tatverdächtige ausfindig machen, die im Verdacht standen Frauen ausgebeutet zu haben. Insgesamt acht Frauen aus Drittstaaten wurden mit der Versprechung, sie würden in Österreich als Au-Pair Kräfte arbeiten können, nach Österreich gelockt. Das Ziel dahinter war, diese als Arbeitskräfte in Haushalten und Reinigungsfirmen auszubeuten.