Integrationsbarometer: Sorge um politischen Islam steigt

Bundesministerin Susanne Raab Foto: Andy Wenzel/BKA
Bundesministerin Susanne Raab Foto: Andy Wenzel/BKA

Das „Integrationsbarometer fragt meist halbjährlich die österreichischen Staatsbürger zu ihrer Wahrnehmung des Zusammenlebens in Österreich. Dabei soll es als Radar für Integration dienen und Einstellungen, Stimmungsströmungen, Entwicklungen und Tendenzen im zeitlichen Vergleich abbilden. Eine Vergabe der Staatsbürgerschaft nach sechs Jahren Aufenthalt wird mehrheitlich abgelehnt. 

Integrationsministerin Raab fasst die Ergebnisse der Studie zusammen: „Wir sehen, dass nach der Corona-Krise die Integrations-Themen wieder stark an Bedeutung gewonnen haben. Auffallend ist, dass die Einstellung gegenüber Frauen als größtes Problem beim Zusammenleben mit Zuwanderern gesehen wird.“

 

Sorgenthemen: Integration wieder wichtiger

Die Studie zeigt, dass Integrationsthemen wieder wichtiger werden. Die Themen „Verbreitung des politischen Islam“ (30 Prozent „sehr oft“-Nennungen) und „Integration von Flüchtlingen und Zuwander/innen“ (29 Prozent „sehr oft“-Nennungen) liegen aktuell auf den Plätzen 2 und 3 – im Februar 2021 lagen diese Sorgenthemen noch auf den Plätzen 3 und 4.

Außerdem stieg bei den Befragten die Sorge vor einer neuen Flüchtlingskrise wie im Jahr 2015. Bei der aktuellen Befragung (August 2021) sorgten sich 50 % vor einer Flüchtlingswelle wie 2015, im Februar 2021 waren es noch 43 %. Platz 1 der Sorgenthemen wechselte von der Corona-Krise zu „Klimaerwärmung und Umweltfragen“.

 

Zusammenleben als eher schlecht angesehen

Das Zusammenleben mit Migrantengruppen (Zuwanderer, Muslime, Flüchtlinge) wird mehrheitlich als eher schlecht angesehen, was keine wesentliche Veränderung zu den letzten Befragungen darstellt.

Als besonders auffallend bei den Herausforderungen im Zusammenleben betont das Integrationsministerium jedoch die Einstellung gegenüber Frauen:

– Erstmals wird die Einstellung gegenüber Frauen als größtes Problem (55%) beim Zusammenleben wahrgenommen.

– Die Werte sind seit der Umfrage vor einem Jahr deutlich angestiegen (vgl. August 2020: 43%).

– Es folgen kulturelle und sprachliche Unterschiede (53%) sowie Gewaltbereitschaft und Kriminalität (52%)

 

Gute Integration zeigt sich durch Kenntnis der Gesetze

Ob die Integration gelungen ist, oder nicht, zeigt sich laut den Befragten anhand der Fähigkeit, deutsch zu sprechen (89 %), einer Arbeit nachzugehen und selbsterhaltungsfähig zu sein (88 %), österreichische Alltagsregeln und Werte zu kennen und zu akzeptieren (87 %) sowie in der  Kenntnis und Anerkennung der Gesetzte (89 %). Diese Werte sind seit der letzten Umfrage konstant.

 

Hohe Zustimmung, dass es Parallelgesellschaften gibt

Eine sehr hohe Zustimmung herrscht bei der Frage, ob es in Österreich Parallelgesellschaften gibt. 72 % der Befragten stimmen demnach dieser Aussage zu und erkennen in Österreich Parallelgesellschaften. Auch dieser Wert ist über die letzten Jahre konstant.

 

Mehr Kontrolle von islamischen Religionslehrern gewünscht

Auch aus Vorschlägen im Bereich Migration und Integration konnten die Befragten auswählen. Dabei erhielt die „Ausbildung und Kontrolle islamischer Religionslehrer durch den österreichischen Staat“ die höchste Zustimmung, vor „Integrationsfördernde Inhalte des islamischen Religionsunterrichts“ und dem „Ausbau berufsspezifischer Sprachkurse“.

 

Staatsbürgerschaft als Ergebnis gelungener Integration

Die Staatsbürgerschaft soll als Ergebnis gelungener Integration stehen. Dem stimmen die Befragten mehrheitlich zu (57 %). Außerdem steht eine Mehrheit von 61 Prozent der grundsätzlichen Zulassung von Doppelstaatsbürgerschaften ablehnend gegenüber.

Die Möglichkeit, an jemanden die Staatsbürgerschaft schon nach sechs Jahren rechtmäßigem Aufenthalts in Österreich zu vergeben, wird ebenfalls mit großer Mehrheit abgelehnt (64 %).

Integrationsministerin Raab resümiert aus den Studienergebnissen: „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir konsequent diese Problematik angehen, patriarchale Rollenbilder aufbrechen und Frauen im Integrationsbereich stärken – beides sind zentrale Punkte meiner Integrations- und Frauenpolitik.“

 

Für das Integrationsbarometer hat der Meinungsforscher Peter Hajek 1.000 österreichische Staatsbürger ab dem 16. Lebensjahr befragt. Die aktuelle Umfragewelle wurde telefonisch und online von 03.08. bis 31.08. durchgeführt. Im Detail sind die Ergebnisse auf der Website des Österreichischen Integrationsfonds verfügbar.