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Arbeitsmarkt der Widersprüche: 170.000 offene Stellen bei 365.000 Arbeitslosen
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt widersprüchlich: Die Wirtschaft verzeichnet 170.000 offene Stellen, andererseits sind 365.000 Personen ohne Job oder in Schulung. Tausende sind vorzeitig in Pension, zugleich fehlen Fachkräfte. Aus Wirtschaft und Politik kommen Rezepte, wie dieses krasse Missverhältnis zu beheben ist.
Rezept für Wachstum und Beschäftigung
Auf den aktuellen Stellenmonitor des Wirtschaftsbundes hat Generalsekretärin Tanja Graf bereits hingewiesen. Was tun bei 170.000 offenen Stellen? Graf: „Bürokratieabbau ist kein Nebenthema, sondern eine konkrete Wachstums- und Beschäftigungsmaßnahme. Arbeit muss dauerhaft leistbarer, Bürokratie spürbar reduziert und unternehmerischer Freiraum vergrößert werden.“

Der Wirtschaft fehlen Fachkräfte, insbesondere in technischen Berufen. Foto: Pixabay/FizaPoint
Aktivpension gegen Mangel an Fachkräften
Das gleiche Bild ergibt der Fachkräfte-Radar der Wirtschaftskammer (WKO), demzufolge rund 155.000 Fachkräfte fehlen. Für Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, ist es daher „absurd“, wenn Fachkräfte mit dem Pensionsantritt die Jahrzehnte an Berufserfahrung an den Nagel hängen. Besser wäre es, diesen Expertenpool zu nutzen. Die für 2027 vorgesehene Aktivpension ist deshalb ein wichtiger Teil der Lösung, denn in der Regelpension weiterhin erwerbstätig zu sein wird steuerlich entlastet.
Der demografische Wandel erfordert, das Potenzial bei Frauen zu nutzen: „Damit Frauen mehr Vollzeit und länger arbeiten können, brauchen sie bessere Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege.
Reformen auf Europas Arbeitsmarkt
„Positive Reformen, die den Arbeitsmarkt stärken“, forderte die Industrie. Die aktuellen Daten zeigen die anhaltend angespannte Lage am Arbeitsmarkt.
Die Industriellenvereinigung verweist auf „mehrere europäische Initiativen zur Verbesserung des Binnenmarkts“, die bereits auf dem Tisch lägen. Für hunderte Betriebe und rund fünf Millionen Arbeitnehmer würde sich die tägliche Zusammenarbeit erheblich vereinfachen, gäbe es grenzüberschreitendes Arbeiten mittels
- E-Declaration,
- EU-Pass der Sozialversicherung,
- koordinierte Sozialversicherungen.
Andererseits soll mittels EU Talent Pool die qualifizierte Zuwanderung von Fachkräften in Mangelberufe verbessert und der prognostizierte Rückgang der Erwerbsbevölkerung um bis zu 35 Millionen Personen bis 2050 in der EU teilweise kompensiert werden.
Regierung arbeitet an Strategie
Die widersprüchliche Lage greift auch Sozialministerin Korinna Schumann auf: „Der Arbeitsmarkt steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits steigt die Arbeitslosigkeit, andererseits fehlen in wichtigen Bereichen weiterhin qualifizierte Fachkräfte.“
Das Fachkräftebarometer des Sozialministeriums und des AMS zeigt aktuell 51 Engpassberufe. Betroffen sind vor allem technische Berufe und Gesundheitsberufe. „Die Bundesregierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, unter Führung des Sozialministeriums noch in diesem Jahr eine zukunftsorientierte Fachkräftestrategie zu erarbeiten“, kündigt Schumann an.





