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15 Prozent mehr Regen in kurzer Zeit: Studie mahnt zu besseren Hochwasserschutz
Kurze, lokale Regenfälle haben in Österreich deutlich an Intensität gewonnen. Das zeigen neue Zwischenergebnisse der Studie „Wasser im Klimawandel”. Bei solchen Ereignissen liegt die Niederschlagsmenge heute im Schnitt rund 15 Prozent höher als noch vor 30 Jahren – wodurch die Gefahr lokaler Überschwemmungen steigt. Diese Entwicklung erfordere einen angepassten Hochwasserschutz, der öffentliche Maßnahmen, vorausschauende Planung, Frühwarnung und Vorsorge am eigenen Gebäude verbinde.
„Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten viel in den Hochwasserschutz investiert”, betont Umweltminister Norbert Totschnig in einer Aussendung. Auf diesem Fundament entwickle man die Vorsorge „mit Blick auf neue Herausforderungen wie intensivere lokale Starkregenereignisse laufend weiter”. Es gehe „um die Sicherheit von Menschen, Gebäuden und Infrastruktur”; die Studie liefere dafür „eine wichtige wissenschaftliche Grundlage”.
Datenauswertung aus Jahrzehnten
Für die Studie wurden Niederschlagsdaten der vergangenen Jahrzehnte ausgewertet. Sie zeigen zwei Entwicklungen: Bei lokalen Starkregenereignissen fällt heute mehr Regen in kürzerer Zeit, zugleich haben Niederschlagsereignisse insgesamt eine kürzere Dauer. Bei kurzen lokalen Regenereignissen nahm die Niederschlagsmenge im Mittel um rund 15 Prozent zu – je kürzer der Zeitraum, desto stärker der Anstieg: Bei einstündigen Starkregenereignissen beträgt er rund 20 Prozent. Die Dauer von Niederschlagsereignissen sank im Schnitt um 10 bis 15 Prozent.
Bei länger andauernden, großräumigen Niederschlägen fällt der Anstieg mit rund sieben Prozent im österreichweiten Mittel geringer aus. Der Unterschied hänge mit den zugrundeliegenden Mechanismen zusammen: Lokale Starkregen würden meist durch Gewitter ausgelöst, großräumige Niederschläge durch Wetterfronten. Die Ergebnisse beruhen auf zwei unabhängigen Messsystemen mit mehr als 200 hochauflösenden Messstationen.
Wahrscheinlichkeit lokaler Überschwemmungen steigt
„Mit der zunehmenden Intensität lokaler Starkregenereignisse steigt auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasserereignisse und Überflutungen”, sagt Studienleiter Günter Blöschl, Hydrologe an der TU Wien. Die stärkste Zunahme sei „an kleinen und mittleren Gewässern zu beobachten, nicht bei den großen Flusshochwassern”. Zugleich würde durch Starkregen ausgelöste Überflutungen an Bedeutung gewinnen, die auch abseits von Bächen und Flüssen auftreten. Da sich Hochwasserereignisse heute schneller entwickeln, bleibe zudem weniger Zeit zum Warnen. Das Forschungsteam geht davon aus, dass sich der Trend bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzt.
Mehr Schutz und auch Eigenvorsorge
Angesichts der veränderten Gefährdungslage gelte es, auf den bestehenden Schutzmaßnahmen aufzubauen, so das Ministerium. Dämme und Rückhaltebecken bleiben zentral und würden durch naturbasierte Lösungen, vorausschauende Raumplanung sowie Frühwarnung und Katastrophenschutz ergänzt – nach dem Grundsatz „Rückhalt, wo möglich, Schutz, wo nötig”.
Aufgrund der Zunahme sogenannter pluvialer Hochwasser – Überflutungen durch oberflächlich abfließendes Wasser – werde auch die Eigenvorsorge wichtiger, da solche Ereignisse nicht überall durch Dämme verhindert werden könnten. Als sinnvolle Maßnahmen am eigenen Gebäude nennt das Ministerium wasserdichte Kellerfenster, Rückschlagklappen gegen Wasser aus der Kanalisation, die Sicherung von Öltanks sowie die hochwassersichere Lagerung von Heizpellets. Informiert wird zudem über die Kampagne „Hochwasser – ich schütze mich!”.
Totschnig warnt vor “katastrophalen Folgen”
„Ob ein Hochwasser räumlich begrenzt ist oder großräumig auftritt, macht für die betroffenen Menschen wenig Unterschied”, betont Totschnig. In beiden Fällen könnten die Folgen „katastrophal sein und Existenzen bedrohen”. Die Vorsorge müsse daher alle Formen von Hochwasser berücksichtigen – das gelinge „nur gemeinsam”: Die öffentliche Hand schaffe die Rahmenbedingungen und setze Schutzmaßnahmen um, während die Vorsorge am eigenen Gebäude „einen wichtigen Beitrag” leiste.
Die Endergebnisse des Forschungsprojekts werden im November 2026 vorgestellt. Der finale Bericht wird Projektionen bis 2100 enthalten. Die Studie entsteht im Auftrag des Umweltministeriums und der Bundesländer und wird von der TU Wien, der GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien durchgeführt.
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