Protokoll einer Entgleisung

Kai Jan Krainer: nur eine mediale Theorie
Kai Jan Krainer: nur eine mediale Theorie

Alles nur eine mediale Theorie?

Fassungslos erlebt Österreich derzeit einen Wettlauf an Entwürdigung auf Kommunikationskanälen aller Art. Dort kursieren unter anderem Chats und Zitate, die Gegenstand journalistischer Befragung und redaktioneller Berichte werden. Einige Zitate davon sollen eine Absprache von ÖVP und FPÖ erweisen, die sich Vorstandsposten in der Staatsholding ÖBAG und im Glückspielkonzern Casino geteilt hätten. Dies wird in Foren erörtert, allerdings gibt dafür keinen Beweise. Die zuständige WKStA sieht ausdrücklich keinen Anhaltspunkt für strafrechtlich relevante Anhaltspunkte bei den Bestellungen.

Dazu fragte Dr. Armin Wolf in der ZiB 2 am Montag, 29. März live den Abgeordneten der SPÖ, Kai Jan Krainer, Fraktionsführer im Ibiza-Untersuchungsausschuss:

Dr. Wolf (ORF): „Herr Krainer, jetzt will ja der U-Ausschuss seit Monaten nachweisen, dass es damals ein Tauschgeschäft gegeben hat zwischen der ÖVP und den Freiheitlichen. Die ÖBAG für Thomas Schmid und den Casinos-Vorstandsjob für FPÖ-Mann Sidlo und jetzt schreibt selbst die Staatsanwaltschaft in diesen 187 Seiten Bericht über die Chats, dass sich daraus kein konkreter Beleg für den Deal ergibt. Bricht damit nicht Ihre ganze Theorie zusammen?“

Das ist eine sachlich gerechtfertigte, also gute Frage. Die Antwort:

Abg. Krainer (SPÖ): „Nein, weil unsere Theorie war das nicht, das war die mediale Theorie. Die erste mediale Theorie war ja, dass es hier einen Tausch gab zwischen der Novomatic und der FPÖ, Sidlo gegen Gesetze.“ Sagt Krainer.

Das ist eine sachlich weit verfehlte, also schlechte Antwort. Denn:

Eine Theorie hält einer Überprüfung entweder Stand oder nicht. Eine Theorie lässt sich verifizieren (als wahr erweisen) oder falsifizieren (als unzutreffend herausstellen). Aber das hat nichts damit zu tun, von wem sie formuliert wurde.

Krainers Antwort ist doppelt entlarvend, sagte er doch zur Begründung, warum die Theorie nicht zusammenbreche, sie sei nicht von der SPÖ gekommen sondern eine mediale Theorie gewesen. (!)

Abg. Krainer und Leichtfried (SP): Mediale Theorie am Handy?

Abg. Krainer und Leichtfried (SP): Mediale Theorie am Handy?

Was ist denn nun eine mediale Theorie? Eine von einem Medium entwickelte Theorie? Oder ist es eine lediglich in Medien verbreitete Theorie?

Zudem hat die Staatsanwaltschaft festgestellt, es gebe keinen Beleg für den Deal. Doch diese mediale Theorie galt der Behauptung von einem Deal. Die Staatsanwaltschaft hat sie verworfen. Doch Krainer bleibt dabei, denn sie sei ja nicht von der SPÖ aufgestellt worden, sondern sei eine mediale Theorie.

Als mediale Theorie könnten diese Unterstellungen weiterleben, obwohl die Staatsanwaltschaft diese Theorie längst im Massengrab der Gerüchte, Vermutungen, Unterstellungen und anonymen Anzeigen entsorgt hat. Aber so ist das, im medialen Zeitalter.

 

Protokoll einer Entgleisung

Kai Jan Krainer: nur eine mediale Theorie
Kai Jan Krainer: nur eine mediale Theorie

Alles nur eine mediale Theorie?

Fassungslos erlebt Österreich derzeit einen Wettlauf an Entwürdigung auf Kommunikationskanälen aller Art. Dort kursieren unter anderem Chats und Zitate, die Gegenstand journalistischer Befragung und redaktioneller Berichte werden. Einige Zitate davon sollen eine Absprache von ÖVP und FPÖ erweisen, die sich Vorstandsposten in der Staatsholding ÖBAG und im Glückspielkonzern Casino geteilt hätten. Dies wird in Foren erörtert, allerdings gibt dafür keinen Beweise. Die zuständige WKStA sieht ausdrücklich keinen Anhaltspunkt für strafrechtlich relevante Anhaltspunkte bei den Bestellungen.

Dazu fragte Dr. Armin Wolf in der ZiB 2 am Montag, 29. März live den Abgeordneten der SPÖ, Kai Jan Krainer, Fraktionsführer im Ibiza-Untersuchungsausschuss:

Dr. Wolf (ORF): „Herr Krainer, jetzt will ja der U-Ausschuss seit Monaten nachweisen, dass es damals ein Tauschgeschäft gegeben hat zwischen der ÖVP und den Freiheitlichen. Die ÖBAG für Thomas Schmid und den Casinos-Vorstandsjob für FPÖ-Mann Sidlo und jetzt schreibt selbst die Staatsanwaltschaft in diesen 187 Seiten Bericht über die Chats, dass sich daraus kein konkreter Beleg für den Deal ergibt. Bricht damit nicht Ihre ganze Theorie zusammen?“

Das ist eine sachlich gerechtfertigte, also gute Frage. Die Antwort:

Abg. Krainer (SPÖ): „Nein, weil unsere Theorie war das nicht, das war die mediale Theorie. Die erste mediale Theorie war ja, dass es hier einen Tausch gab zwischen der Novomatic und der FPÖ, Sidlo gegen Gesetze.“ Sagt Krainer.

Das ist eine sachlich weit verfehlte, also schlechte Antwort. Denn:

Eine Theorie hält einer Überprüfung entweder Stand oder nicht. Eine Theorie lässt sich verifizieren (als wahr erweisen) oder falsifizieren (als unzutreffend herausstellen). Aber das hat nichts damit zu tun, von wem sie formuliert wurde.

Krainers Antwort ist doppelt entlarvend, sagte er doch zur Begründung, warum die Theorie nicht zusammenbreche, sie sei nicht von der SPÖ gekommen sondern eine mediale Theorie gewesen. (!)

Abg. Krainer und Leichtfried (SP): Mediale Theorie am Handy?

Abg. Krainer und Leichtfried (SP): Mediale Theorie am Handy?

Was ist denn nun eine mediale Theorie? Eine von einem Medium entwickelte Theorie? Oder ist es eine lediglich in Medien verbreitete Theorie?

Zudem hat die Staatsanwaltschaft festgestellt, es gebe keinen Beleg für den Deal. Doch diese mediale Theorie galt der Behauptung von einem Deal. Die Staatsanwaltschaft hat sie verworfen. Doch Krainer bleibt dabei, denn sie sei ja nicht von der SPÖ aufgestellt worden, sondern sei eine mediale Theorie.

Als mediale Theorie könnten diese Unterstellungen weiterleben, obwohl die Staatsanwaltschaft diese Theorie längst im Massengrab der Gerüchte, Vermutungen, Unterstellungen und anonymen Anzeigen entsorgt hat. Aber so ist das, im medialen Zeitalter.