Innenpolitik
Auch 2025 viele Fälle von unfairen Handelspraktiken
Das Landwirtschaftsministerium hat den aktuellen Fairness-Bericht veröffentlicht. Im Jahr 2025 wurden rund 500 Fälle bearbeitet. Die weisungsfreie Einrichtung hat sich seitdem EU-weit als Vorzeigemodell etabliert.
Österreichs Lebensmittelmarkt wird zu 95 Prozent von nur vier großen Lebensmittelketten dominiert. Oft sind kleine Lieferanten, besonders landwirtschaftliche Betriebe, der Übermacht und den Preisvorgaben dieser Konzerne ausgesetzt. Damit es nicht zur Benachteiligung der kleinen Betriebe führt, wurde 2022 das Fairness-Büro im Landwirtschaftsministerium geschaffen. Lieferanten können im Fairness-Büro ihre Anliegen ohne Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen ansprechen. Als vertrauliche Erstanlaufstelle prüft es Hinweise, vermittelt zwischen den Vertragsparteien und gibt – wenn notwendig – Fälle an die Bundeswettbewerbsbehörde weiter.
Die Bilanz 2025
Im Jahr 2025 wurden 255 Beschwerden sowie 220 weitere Anfragen bearbeitet. Insgesamt waren 2025 mehr als 750 Marktteilnehmer unmittelbar oder mittelbar betroffen. In 65 Fällen wurde durch Mediationsgespräche aktiv vermittelt und eine positive Lösung herbeigeführt.
Totschnig sieht Vertrauen gestärkt
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig sieht im Fairness-Büro vor allem einen Brückenbauer zwischen zwischen Produzenten und Handel. „Es hilft, Konflikte frühzeitig zu lösen und Strafen zu vermeiden. Das stärkt Vertrauen und gibt unseren landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelproduzenten die nötige Planungssicherheit. Wir nützen diese Erfahrungen, um die Überarbeitung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken auf EU-Ebene voranzutreiben“, so der Minister zur Bilanz 2025 in einer Aussendung am Montag.
Prävention statt Strafzahlungen
Neben der Bearbeitung konkreter Beschwerden setzt das Fairness-Büro verstärkt auf Prävention. Betriebe können ihre Lieferverträge vor der Unterzeichnung prüfen lassen. Dafür stehen online unter fairness.gv.at. Musterverträge zum Download bereit. Alle Leistungen des Fairness-Büros werden kostenlos zur Verfügung gestellt.
Doris Hold vom Fairness-Büro sieht die Stelle als verlässlichen Partner für faire Spielregeln in der Lebensmittelkette. Wir greifen Probleme frühzeitig auf, bringen Vertragsparteien wieder ins Gespräch und schaffen dort Augenhöhe, wo wirtschaftliches Ungleichgewicht herrscht. Mit dem Grundsatz ‚Prävention statt Strafe‘ stärken wir auch den österreichischen Wirtschaftsstandort, denn am Ende des Tages zahlen Bußgelder Lieferanten und Konsumenten. Bei beharrlicher Druckausübung marktmächtiger Käufer auf kleine Produzenten scheut das Fairnessbüro keinen Konflikt und kooperiert eng mit der BWB. Als europäischer Vorreiter zeigen wir, wie Fairness zwischen ungleichen Vertragsparteien rasch und effizient durchgesetzt werden kann.“
Auch Thema auf EU-Ebene
Auch auf europäischer Ebene wird derzeit an der Weiterentwicklung der Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) gearbeitet. Österreich bringt konkrete Forderungen ein: So soll der sogenannte Angstfaktor bei Beschwerden weiter reduziert werden, etwa durch ein finanzielles Anreizsystem. Zudem setzt sich Österreich für mehr Fairness bei No-Name-Produkten und mehr Transparenz bei Rabattaktionen ein.
Das Fairness-Büro
- Gegründet am 1. März 2022 als unabhängige und weisungsfreie Stelle im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft.
- Anonyme und kostenlose Beratung für alle, die beim Verkauf von Agrar- oder Lebensmittelerzeugnissen von größeren Käufern unter Druck gesetzt werden und denen verbotene oder unlautere Handelspraktiken widerfahren.
- Analyse von Beschwerdefällen, rechtliche Einschätzung und Unterstützung zur Einvernehmlichen Lösung mit dem Käufer.
Bericht des Fairness-Büros: https://www.fairness-buero.gv.at/service/taetigkeitsberichte/vierter-bericht-2025.html
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