Asylanträge auf Tiefststand, Abschiebungen auf Rekordwert
Die jüngsten Asylzahlen des Innenministeriums zeigen eine nahezu zum Erliegen gekommene illegale Migration: Im September 2026 gab es nur noch 308 Asyl-Erstanträge, ein Minus von mehr als 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich sorgen Rekord-Abschiebezahlen für eine abgesicherte Minuszuwanderung. Auch europaweit wird ein Rückgang bei den Asylanträgen verzeichnet.
Im September 2026 wurden in Österreich 308 Asyl-Erstanträge verzeichnet. Im September des Vorjahres waren es noch 739, ein Rückgang um mehr als 58 Prozent. Zählt man Erst- und Folgeanträge zusammen, kommt man auf 885 Anträge im September 2026 gegenüber 1.449 im September 2025, was einem weiteren Minus von rund 39 Prozent entspricht. Von Jänner bis September 2026 wurden insgesamt 7.397 Asylanträge gestellt, nach 13.347 im Vergleichszeitraum 2025 auch ein Rückgang um knapp 45 Prozent. Die meisten Anträge stammten im September von Syrern (216), wobei der Großteil davon in Österreich geborene Kinder betrifft. Dies Zahlen veröffentlichte das Innenministerium am Freitagmorgen.
Aussetzung des Familiennachzugs wirkt
Deutliche Wirkung zeigt laut Ministerium der vorübergehende Stopp des Familiennachzugs, der das Bildungs-, Integrations- und Sozialsystem entlaste. Erfolgten von Jänner bis September 2025 noch 1.030 Einreisen auf diesem Weg, waren es im selben Zeitraum 2026 lediglich 60. Dies waren absolute soziale Härtefälle. Das entspricht einer Reduktion von mehr als 94 Prozent. Der Familiennachzug wurde per Verordnung mit Anfang Jänner 2026 für weitere sechs Monate ausgesetzt und soll in weiterer Folge einer Quote unterliegen. Die erste Quote werde laut Ministeriumsangaben sehr gering sein.
Kaum noch Aufgriffe
Die stark rückläufige Zahl der Aufgriffe würde zudem zeigen, dass die Schlepperrouten auch im Osten Österreichs zerschlagen werden konnten und sich auf die Balkan-Küstenroute verlagert hätten. Polizeiliche Einheiten wie die „Operation Fox”, die gemeinsam mit ungarischen Behörden auf ungarischem Staatsgebiet kontrolliert, sowie die Weiterentwicklung des Grenzschutzkonzepts hätten sich spürbar auf den Migrationsdruck ausgewirkt. In Zahlen: Wurden im Oktober 2022 noch 14.892 illegale Fremde im Burgenland angehalten, sind es im bisherigen Oktober 2026 nur 16, das ein Minus von 99 Prozent entspricht. Von den heuer aufgegriffenen Personen stellten lediglich 60 einen Asylantrag. Alle übrigen mussten Österreich unmittelbar wieder verlassen.
Das Grenzschutzkonzept werde laufend evaluiert und angepasst. Der Kontrollbereich sei gezielt ausgeweitet worden, nämlich weg von den unmittelbaren Grenzübergängen, hin zu verstärkten Kontrollen im Grenzraum und im Hinterland. Das erschwere illegale Grenzübertritte vor allem für die organisierte Schlepperkriminalität und verkürze zugleich die Wartezeiten an den Übergängen. Die Grenzraumkontrollen zu Ungarn, Slowenien, Tschechien und der Slowakei wurden mit Ablauf des 15. September 2026 um weitere sechs Monate verlängert.
Mehr Abschiebungen als Asylerstanträge
Bis Ende September mussten 11.975 Personen Österreich verlassen, die Hälfte davon zwangsweise. Der eigenständigen Ausreise komme weiterhin große Bedeutung zu, da sie für die Republik wesentlich kostengünstiger sei. Rund 48 Prozent der Abgeschobenen waren in Österreich strafrechtlich verurteilt. Hinzu kamen 582 Dublin-Überstellungen, bei denen 79 Afghanen, 58 Marokkaner und 57 Personen der Russischen Föderation das Land verlassen mussten. Bei Dublin-Abschiebungen werden Personen in jenes europäische Land zurückgeführt, in dem sie erstmals einen Asylantrag gestellt haben.
Bis Ende September wurden 21.421 Asylverfahren negativ entschieden oder eingestellt, in 8.517 Fällen wurde Asyl oder subsidiärer Schutz gewährt. 722 Personen verzichteten während des Verfahrens freiwillig auf Schutz und verließen das Land. Keine Chance auf Asyl hatten im September Antragsteller aus Indien und Tunesien. Für Länder mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit setzt das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl weiter auf Schnell- und Eilverfahren. Bis Ende September wurden 611 negative Entscheidungen innerhalb von 28 Tagen bzw. in erster Instanz sogar binnen 72 Stunden getroffen.
Europaweiter Rückgang
Auch europaweit sind die Anträge rückläufig: In Europa (inklusive Schweiz und Norwegen) gab es von Jänner bis Ende September 2026 mit 452.969 Asylanträgen um 24 Prozent bzw. 144.626 weniger als im Vergleichszeitraum 2025 (597.595). Gestiegen sind die Anträge etwa in Slowenien (+206 Prozent), Zypern (+24 Prozent) und den Niederlanden (+6 Prozent), gesunken hingegen in den meisten anderen Staaten, darunter Polen (-61 Prozent), Spanien (-40 Prozent), Deutschland (-37 Prozent), Griechenland (-17 Prozent) und Frankreich (-15 Prozent). Österreich liegt mit einem Minus von 45 Prozent ebenfalls deutlich darunter. Hochgerechnet auf die Bevölkerung rangiert Österreich europaweit auf Platz 13, bei den absoluten Zahlen hinter Irland und Slowenien, vor Schweden, an elfter Stelle im EU27+-Vergleich.
Grundversorgung auf Tiefstand
Aktuell befinden sich 40.514 Menschen in der Grundversorgung, davon rund 5.200 Asylwerber. Das ist der niedrigste Wert seit knapp 30 Jahren. Den Großteil stellen mit 24.700 Personen Kriegsvertriebene aus der Ukraine, die meisten davon Kinder und Frauen. Zu Jahresbeginn 2023 waren es noch knapp 93.000 Menschen. Die Rückgänge ermöglichten Einsparungen: Die Zahl der Bundesquartiere konnte in den vergangenen beiden Jahren von mehr als 30 auf fünf reduziert werden.
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