Innenpolitik

Länger Arbeiten bringt bis zu 17,5 Prozent mehr Lebenseinkommen

Wer über das Regelpensionsantrittsalter von 65 Jahren länger arbeitet, kann mit einer spürbar höheren Pension und das Lebenseinkommen um bis zu 17,5 Prozent steigern. Foto: istock / Geber86

Bringt Arbeiten im Alter wirklich noch etwas? Wie wirkt sich längeres Arbeiten auf die Pension aus und wieviel verliert man, wenn man vorzeitig die Arbeitskleidung ablegt? Das WIFO legt nun eine Studie vor, mit interessanten Ergebnissen. Eines vorweg: länger Arbeiten kann sich wirklich lohnen.

 

Pension mit 65 oder doch länger?

In Österreich liegt das Regelpensionsalter für Männer bei 65 Jahren. Geht man mit diesem Alter in den Ruhestand, fällt die Pension in Höhe von 80 % des durchschnittlichen Erwerbseinkommens an. Gleichzeitig wurde aber die sogenannte Korridorpension geschaffen. Diese ermöglicht eine individuelle Wahl des Pensionsantrittszeitpunktes zwischen dem 62. und dem 68. Lebensjahr. Das heißt, man kann früher oder auch später als mit 65 Jahren in Pension gehen. Dafür gibt es aber Regeln, das Prinzip ist klar: Es gibt Anreize für den späteren Pensionsantritt in Form von Abschlägen für den früheren und Zuschlägen für den späteren Übertritt in den Ruhestand. Zusätzlich steigern die reduzierten Sozialversicherungsbeiträge in diesem Zeitfenster das Nettoeinkommen älterer Erwerbstätiger.

Das WIFO hat in einer Studie für den Verein Aktion Generationengerechtigkeit die Auswirkung unterschiedlicher Pensionsantrittszeitpunkte untersucht. In den Modellen erfolgt der Pensionsantritt innerhalb der Korridorpension, errechnet wurden die Höhe der individuellen Erstpension und das Lebenseinkommen. Rechenmodelle wurden für beide Geschlechter und sieben Berufsgruppen erstellt. Weiters werden die Auswirkungen des späteren Pensionsantrittes auf den öffentlichen Haushalt berechnet.

Länger arbeiten bedeutet mehr Pension: WIFO-Chef Gabriel Felbermayer. Foto: Danhel

Länger arbeiten bedeutet mehr Pension: WIFO-Chef Gabriel Felbermayer. Foto: Danhel

Länger Arbeiten bringt mehr Geld

Erwartungsgemäß führt ein späterer Pensionsantritt zu einer höheren Erstpension. Dieses Ergebnis folgt direkt aus dem Leistungsrecht, aber das Ausmaß hängt stark vom individuellen Einkommensverlauf ab. Die Höhe der Erstpension ist stark abhängig vom Erwerbseinkommen.

Für Berufsgruppen mit niedrigem Erwerbseinkommen und einem flachen Lebenseinkommensverlauf (Verkauf, personenbezogene Dienstleistungen, Handwerksberufe, Maschinen- und Anlagenbedienung und besonders Hilfskräfte) steigert ein zusätzliches Erwerbsjahr die Erstpension netto um rund 120 € pro Monat (14-mal jährlich zu Preisen und Löhnen des Jahres 2019).

In den Berufsgruppen mit einer mittleren Einkommenshöhe und einem mit dem Alter leicht zunehmen[1]den Einkommen (Büroangestellte) steigert ein zusätzliches Erwerbsjahr die Erstpension netto um rund 150 € pro Monat (14-mal jährlich).

Information zu Generationen-Gerechtigkeit: http://www.gerechte-pensionen.at/de/ausgangssituation

Information zu Generationen-Gerechtigkeit: http://www.gerechte-pensionen.at/de/ausgangssituation

Lebenseinkommen kann bis 17,5 % steigen

In den Berufsgruppen mit einem höheren Einkommen und mit einem parallel zum Alter zunehmenden Einkommen (technische Fachkräfte, akademische Berufe) steigert ein zusätzliches Erwerbsjahr die Erstpension netto um rund 180 € pro Monat (Frauen) bzw. 200 € pro Monat (Männer). Für Männer ist der Effekt auf die Höhe der Erstpension tendenziell höher, weil sie ein höheres Erwerbseinkommen beziehen. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden durch den Abzug von Lohnsteuern und Sozialversicherungsabgaben stark gemildert, wie in der Studie erklärt wird.

Netto beträgt die Steigerung des Lebenseinkommens durch den Pensionsantritt mit dem 63. Lebensjahr gegenüber einem Pensionsantritt mit dem 62. Lebensjahr zwischen 1,5% und 3,2%. Die volle Ausnutzung des Korridors bis zum 68. Lebensjahr ermöglicht eine Steigerung des Lebenseinkommens gegenüber dem Pensionsantritt mit 62 Jahren zwischen 7,5% und 17,5%. Frauen profitieren in beiden Modellkarrieren von der längeren Erwerbstätigkeit etwas stärker als Männer, weil sie eine höhere Lebenserwartung haben und daher die Pensionsbezugsdauer länger ist.

 

Zur gesamten Studie