Mediziner Kornhäusl: „Unser einziger Ausweg aus dieser Pandemie ist die Impfung“

"Unser einziger Ausweg aus dieser Pandemie ist die Impfung", so Dr. Karlheinz Kornhäusl - Foto: VP-Parlamentsklub/iStock: Amornrat Phuchom
"Unser einziger Ausweg aus dieser Pandemie ist die Impfung", so Dr. Karlheinz Kornhäusl - Foto: VP-Parlamentsklub/iStock: Amornrat Phuchom

Dr. Karlheinz Kornhäusl ist Mediziner und Facharzt am Landeskrankenhaus (LKH) Graz 2. Zudem ist Dr. Kornhäusl seit 2019 Mitglied des österreichischen Bundesrates. Zur-Sache hat den Mediziner zum Interview gebeten und mit ihm über die aktuelle Corona-Lage in Österreich, die Situation in Österreichs Krankenhäusern und über den Umgang mit Corona-Fakenews gesprochen. 

 

Zur-Sache: Wie beurteilen Sie die aktuelle Corona-Lage in Österreich?

Dr. Karlheinz Kornhäusl: Ich würde die Situation als durchaus angespannt bezeichnen. Alleine am letzten Wochenende hatten wir den höchsten „Sonntagswert“ an Neu-Infizierten seit Anfang Mai. In den letzten beiden Wochen kam es zu einem steilen Anstieg der Neuinfektions-Kurve. Von da her ist es wichtig, die Situation permanent im Blick zu haben und entsprechend täglich neu zu beurteilen.

 

Wie ist die derzeitige Situation in Österreichs Krankenhäusern und Intensivstationen?

Neben dem generellen Anstieg an Neuinfektionen, nimmt auch die Zahl der Personen stetig zu, die in einem Spital behandelt werden müssen. Im Krankenhaus, in dem ich arbeite, haben wir auch wieder begonnen, den Covid-Bereich „auszubauen“ und mehr Ressourcen für Covid-Patienten vorzuhalten – sowohl auf der Normalstation, als auch auf der Intensivstation.

 

Die Impfung schützt gegen schwere Verläufe. Was raten Sie alle jenen, die noch nicht geimpft sind?

Das Risiko eines schweren Verlaufs kann man nur vermeiden, wenn man sich impfen lässt. Unsere Impfungen sind sicher und sie haben sich bewährt, das zeigen alle großen Studien. Wer sich nicht impfen lässt, wird sich früher oder später infizieren, und es dann vielleicht bereuen. Ich habe zu vielen Patientinnen und Patienten gesehen, die selbst nach relativ milden Verläufen noch Wochen und Monate in den sprichwörtlichen „Seilen hingen“.

 

"Im persönlichen Gespräch kann man häufig mit guten Argumenten überzeugen und oft Zweifel und Sorgen nehmen.Im persönlichen Gespräch kann man häufig mit guten Argumenten überzeugen und oft Zweifel und Sorgen nehmen", erklärt der Mediziner zum Umgang mit Fake-News.

„Im persönlichen Gespräch kann man häufig mit guten Argumenten überzeugen und oft Zweifel und Sorgen nehmen“, erklärt der Mediziner zum Umgang mit Fake-News. – Foto: ÖVP-Parlamentsklub

 

Zahlen aus Krankenhäusern und Intensivstationen zeigen, dass Geimpfte weniger oft erkranken, wie deckt sich das mit ihrer Erfahrung aus der Praxis?

Man muss es sagen, wie es ist: Diese Welle ist eine Welle der Ungeimpften. Vollimmunisierte Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen sind und bleiben eine absolute Ausnahme. Niemand vermag den Verlauf einer Erkrankung und mögliche Langzeitfolgen vorherzusehen. Was wir aber schon wissen ist, dass Geimpfte optimal gegen schwere Verläufe geschützt sind.

 

Immer wieder hört man in Verbindung mit Corona von Fake-News und Desinformation, begegnet Ihnen das im Klinikalltag und wie gehen Sie damit um?

Im persönlichen Gespräch kann man häufig mit guten Argumenten überzeugen und oft Zweifel und Sorgen nehmen. Ein größeres Problem stellen da schon diverse Internetforen und Plattformen in sozialen Medien dar, wo sich so mancher vehemente Impfgegner und Verschwörungstheoretiker tummelt. Ich kann mich nur immer wieder gerne wiederholen: Die Studienlage ist klar, weltweit wurden bereits über zwei Milliarden Menschen geimpft und der Nutzen einer Impfung übersteigt ein mögliches Risiko bei Weitem! Ich möchte mir nicht vorstellen, wo wir als Menschheit heute stehen würden, wenn wir nicht auf die großen Errungenschaften von Wissenschaft und Medizin vertraut hätten. Vor hundert Jahren verstarben Kinder zum Beispiel an einer Angina, weil es noch kein Antibiotikum gab. Oder denken wir an die Pocken, die durch konsequente Impfprogramme im Jahr 1980 von der WHO als ausgerottet erklärt worden sind.

 

Was muss jetzt passieren, damit wir trotz Corona einen normalen Herbst erleben werden?

Es mag jetzt vereinfacht klingen, aber es wird Sie auch nicht wundern: Unser einziger Ausweg aus dieser Pandemie ist die Impfung. Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser werden wir durch den Herbst und den Winter kommen.