97 Prozent der Land- und Forstbetriebe in Österreich werden von Familien geführt. Der Rückgang an Betriebe verliert an Tempo, die Zahl der Beschäftigten nahm zu. Foto: istock / Fotomaxan Temb

Die Zahl an land- und forstwirtschaftlichen Betrieben in Österreich nimmt weiter ab, verliert aber an Tempo. Das geht aus der aktuellen Agrarstrukturerhebung der Statistik Austria hervor, die alle zehn Jahre durchgeführt wird und heute präsentiert wurde. Demnach hat sich der Rückgang zur letzten Erhebung im Jahr 2010 halbiert. Die Zahl der Beschäftigten nahm hingegen leicht zu.

 

Beschäftigte in Land- und Forstwirtschaft gestiegen

2020 gab es in Österreich 154.593 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Die Anzahl der Betriebe hat in den vergangenen zehn Jahren um 11% abgenommen. Das entspricht zwar einen weiteren Rückgang, dennoch hat er sich eingebremst und halbiert. „Der Strukturwandel in der Land- und Forstwirtschaft setzt sich weiter fort, aber deutlich langsamer als zuvor. Seit EU-Beitritt ist es gelungen, den Trend hin zu größeren Betrieben zu dämpfen. Das zeigt uns, dass wir mit agrarpolitischen Maßnahmen wie dem Agrarumwelt- und Bergbauernprogramm auf dem richtigen Weg sind“, so Bauernbund-Präsident und ÖVP-NR Abg. Georg Strasser in einer Medienmitteilung des Bauernbundes. Erfreulich sei, dass die Anzahl der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft im letzten Jahrzehnt leicht gestiegen ist.

 

Strasser fordert  Vermarktungsoffensive für regionale Produkte

Dass der Beschäftigtenstand in den vergangenen Jahren gehalten werden konnte und sogar leicht angestiegen sei, ist für Strasser alles andere als selbstverständlich, denn auch die Bäuerinnen und Bauern würden derzeit schwierige Zeiten erleben: Mit dem Krieg in der Ukraine sind die Betriebsmittelkosten regelrecht explodiert. „Damit unsere Familienbetriebe in der Produktion bleiben und weiterhin Lebensmittel aus Österreich bereitstellen, brauchen sie ein entsprechendes Einkommen. Preisanpassungen auf den Märkten sind dringend notwendig. Der Handel ist gefordert, eine Vermarktungsoffensive zu starten, um den Absatz regionaler Lebensmittel weiter zu steigern“, appelliert Strasser an die Supermarktketten.

 

Hilfen für bäuerliche Betriebe

Um dem Strukturwandel entgegen zu wirken, hat die Bundesregierung bereits wirksame Maßnahmen auf den Weg gebracht, so Strasser: „Kurzfristig werden die Familienbetriebe im Kampf gegen die Teuerung etwa mit dem kürzlich von Landwirtschaftsminister Totschnig präsentierten 110 Mio. Euro schweren Versorgungssicherungspaket, unterstützt. Zur-Sache berichtete bereits. Langfristig gibt es kontinuierliche Verbesserungen im steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Bereich. Auch die beschlossenen Gelder im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023 bringen Planungssicherheit. Um mehr Einkommen entlang der Wertschöpfungskette zu erzielen, forciert der Bauernbund eine Stärkung der bäuerlichen Verbände und Genossenschaften. Dieser Mix ist das Erfolgsrezept, um den Strukturwandel abzuschwächen.“

 

Österreichs Landwirtschaft von Familienbetrieben geprägt

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist Österreich mit einem Anteil von 93% klar geprägt von Familienbetrieben, davon ein hoher Anteil frauengeführt. Um auf dem internationalen Markt mithalten zu können, müssen wir unseren Weg der Qualitätsproduktion weitergehen. Dazu braucht es ein rot-weiß-rotes Bekenntnis aller Marktteilnehmer zur heimischen Landwirtschaft“, erklärt der Bauernbund Präsident.