Stabiler Lehrstellenmarkt erhöht Beschäftigung für Jugend

Arbeitsminister Martin Kocher: Duale Ausbildung fortsetzen; BKA/ C. Dunker
Arbeitsminister Martin Kocher: Duale Ausbildung fortsetzen; BKA/ C. Dunker

Der Lehrstellenmarkt ist stabil, die Jugendarbeitslosigkeit sinkt, die Beschäftigung für Jugendliche steigt. Diese positive Bilanz hat ihre Ursache auch im Lehrlingsbonus und in Initiativen der Ausbildung, die von der Bundesregierung veranlasst und dotiert werden. Dieser Kurs wird fortgesetzt, erklären Bundeskanzler Sebastian Kurz, Arbeitsminister Martin Kocher und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck im einem gemeinsamen Statement anlässlich der der Europameisterschaft der Beruf in Graz, die am Sonntag nachmittag in das Finale geht.

Weniger Jugendliche arbeitslos als vor der Krise

Österreichs Wirtschaft wächst und der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist höher denn je. Österreich ist laut OECD das Land mit der stärksten Fokussierung auf Berufsbildung und gilt als „Berufsausbildungs-Weltmeister“. Obwohl 2020 noch ein massiver Einbruch am Lehrstellenmarkt vorausgesagt wurde, konnte die Bundesregierung dafür sorgen, dass der Lehrstellenmarkt besser als erwartet durch die Krise kommt. Auch die Jugendarbeitslosigkeit sank im vorigen Jahr um 12.617 Personen (31,7 Prozent) und liegt damit unter dem Vorkrisenniveau. Österreichs duales Ausbildungssystem ist ein absolutes Erfolgsmodell und Garant für einen starken Wirtschaftsstandort, heißt es in einer Mitteilung des Bundeskanzleramtes.

OECD-Zahlen bestätigen: Österreich ist „Berufsausbildungs-Weltmeister“

Laut der OECD -Studie „Education at a glance“ ist Österreich das Land mit der stärksten Fokussierung auf Berufsbildung: 76 Prozent aller Absolventinnen und Absolventen einer Sekundarstufe II erwerben einen berufsbildenden Abschluss (vor allem Lehre, berufsbildende mittlere oder höhere Schule). Der OECD-Schnitt liegt bei 38 Prozent, der EU-Schnitt bei 43,5 Prozent. Auch im Bereich der Arbeitsmarkteinmündung der 18-24-Jährigen ist Österreich besser als die meisten anderen Länder. 20,4 Prozent der 18-24-Jährigen waren 2020 bereits erwerbstätig. Der OECD-Schnitt beträgt nur 17 Prozent. Dementsprechend ist die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren in Österreich geringer als im OECD-Schnitt.

Lehrlingsbonus stabilisierte Lehre

Eine Prognose sagte 2020 schwerwiegende Folgen der Covid-Krise auf dem Lehrstellenmarkt vorher, heißt es in der öffentlichen Mitteilung weiter: Besonders betroffen sollten dabei die Sparten Handel (ca. 3.500 mögliche Lehrstellen), Gewerbe und Handwerk (ca. 3.000), Tourismus und Freizeitwirtschaft (knapp 2.000) sowie Industrie (knapp 1.000) sein. In der Krise 2008/2009 gab es einen Einbruch von 20 Prozent der Lehranfänger. Ein deutlicherer Rückgang war nicht auszuschließen und bewegte sich nach Schätzungen von Expertinnen und Experten zwischen 20 oder sogar 30 Prozent. Bis zu 10.000 Lehrstellen waren laut Zukunft.Lehre.Österreich. gefährdet.

Die Bundesregierung reagierte und hob unter anderem den Lehrlingsbonus aus der Taufe. Der Bonus für neu aufgenommene Lehrlinge zwischen 16.03.2020 und 31.10.2020 wurde insgesamt 24.993 Mal beansprucht. Insgesamt wurden fast 50 Millionen Euro ausbezahlt. Damit konnte der Lehrstellenmarkt auch im internationalen Vergleich besser stabilisiert werden. Der Vergleich mit Deutschland macht sicher: Der dortige Lehrstellenrückgang von 11,8 Prozent (bei BIP-Rückgang von 5 Prozent), ist deutlich höher gelegen als der Rückgang in Österreich von ca. 8-9 Prozent (bei BIP-Rückgang von 6,6 Prozent).

Bedarf an Lehrlingen auf 10-Jahres Höchststand

Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen und eine Lehre bietet beste Voraussetzungen für eine sichere Erwerbskarriere. Mit derzeit österreichweit rund 9.300 offenen Lehrstellen befindet sich der Lehrstellenmarkt auf dem Höchststand der letzten 10 Jahre. Fazit: In Österreich ist der Bedarf an Fachkräften hoch und das Interesse Lehrlinge auszubilden definitiv vorhanden.

Jugendarbeitslosigkeit unter Vorkrisenniveau

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt mittlerweile um 2.145 Personen unter dem Vorkrisenniveau von 2019 (derzeit rund 27.000 arbeitslose Jugendliche). Damit ist sie im Vergleich zu vor der Krise (August 2019) um 7,3 Prozent gesunken. Gegenüber 2020 ist die Jugendarbeitslosigkeit sogar um 31,7 Prozent geringer. Das bedeutet, dass fast ein Drittel weniger Jugendliche arbeitslos sind als noch vor einem Jahr. Besonders erfreulich ist aus Sicht der Bundesregierung, dass die Jugendarbeitslosigkeit noch vor den anderen Altersgruppen das Vorkrisenniveau erreicht hat.

Schwerpunkt des Arbeitsministeriums auf Jugendausbildung

Das Arbeitsministerium wird weiter auf Jugendausbildung setzen. Alleine 2021 wurden bisher 76.000 Jugendliche durch Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt. Mit dem Programm „AusBildung bis 18“ werden junge Menschen mit einem Jugendcoaching beim Übergang von der Schule in den Beruf begleitet. „AusbildungsFit“ setzt auf die Entwicklung fachlicher, sozialer und kultureller Fähigkeiten, die für eine Lehrausbildung oder für einen Schulbesuch wichtig und notwendig sind. Die „Ausbildungsgarantie-Überbetriebliche Lehrausbildung“ sichert zudem allen Jugendlichen, die keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, einen überbetrieblichen Ausbildungsplatz.

Regierung setzt auf weiter auf duales Ausbildungssystem

„Die Lehre ist ein Erfolgsmodell, um das uns viele Länder beneiden“, sagte Bundeskanzler Kurz. und weiter: „Das Berufsbild der Fachkraft hat sich massiv geändert. Fachkräfte sind Expertinnen und Experten leisten damit auch in Zukunftsbereichen, in der Nachhaltigkeit, der Ökologisierung und der Digitalisierung einen unverzichtbaren Beitrag. Wie hoch die Qualität unserer Fachkräfte im internationalen Vergleich ist, zeigen auch die Erfolge bei Berufswettbewerben wie den EuroSkills, die derzeit in Graz stattfinden.“

Gemeinsam mit dem AMS wird die Regierung laut Arbeitsminister Kocher weiterhin auf die Ausbildung Jugendlicher einen Schwerpunkt legen, der von der „AusBildung bis 18“ bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Joboffensive reicht. Die Folgen sind positiv,so Kocher: „Es ist uns damit heuer gelungen, über 76.000 Jugendliche durch unsere Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen. Die duale Ausbildung im Rahmen der betrieblichen Lehre ist und bleibt dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor am österreichischen Arbeitsmarkt.“

Durch die Einführung des Lehrlingsbonus sei es gelungen, befürchtete Lehrstellenrückgänge von 20 bis 30 Prozent zu verhindern, erklärt Digitalisierungsministerin  Schramböck, die wörtlich meinte: „Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche, daher ist notwendig, dass wir auch unsere Lehrberufe danach ausrichten. Bis heute haben wir bereits 85 unserer 200 Lehrberufe überarbeitet und mit digitalen Inhalten gefüllt. Seit etwa drei Jahren gibt es den Lehrberuf e-Commerce-Kaufmann/Kauffrau, der heute schon zu den beliebtesten zählt.“