Studie belegt: Migration für Österreicher „größte Gefahr für kulturelle Identität“

95 % der Österreicher sehen die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen als strittiges Konfliktthema - Bild: iStock/tampatra
95 % der Österreicher sehen die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen als strittiges Konfliktthema - Bild: iStock/tampatra

Die Ergebnisse des am Dienstag präsentierten Forschungsberichts des Österreichischen Integrationsfonds zeigen eindeutig, dass für die Österreicher Flüchtlinge und Zuwanderung die größten Konfliktthemen im Land sind. Als Anlässe für Konflikte im Land erkennen die Österreicher vor allem „radikale Gruppen“ aus Österreich und Menschen aus dem Ausland. Als größte Sorge um die kulturelle Identität des Landes wird die Migration wahrgenommen. Zur-Sache hat die wichtigsten Punkte der Studie zusammengefasst.

 

Sprachliche Besonderheiten Österreichs „einend“

Am Dienstag präsentierten Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) und Prof. Dr. Rudolf Bretschneider die Studie „Zusammenhalt und Spaltung“, welche im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erstellt wurde.

Eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt in Österreich ist neben dem Verständnis von gesellschaftlichem Zusammenhalt (für 35 % der Befragten) auch die sprachlichen Besonderheiten Österreichs. Diese erkennen rund 90 % als „einend“, 55 % sogar als „sehr verbindend“.

 

Zusammenhalt in Corona-Pandemie gewachsen

Auch wenn rund 55 % der Befragten angaben, dass sich während der Dauer ihres Lebens der Zusammenhalt in Österreich verschlechtert hat, sind auch 41 % der Österreicher der Meinung, dass sich in der Covid-19-Pandemie der Zusammenhalt verbessert hat.

Diese Frage bezog sich vor allem auf die Periode zwischen März und September 2020.

 

Aufnahme von Flüchtlingen & Zuwanderung als Top-Konfliktthemen

Die Zahlen der Studie zeigen eine eindeutige Stimmungslage: 95 % der Österreicher sehen die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen als strittiges Konfliktthema in Österreich. Mit 83 % folgt die Zuwanderung nach Österreich als besonders heikles Thema. Danach folgen Themen wie die Pflichten und Vorschriften während der Corona-Pandemie (80 %) oder auch die Sozialhilfe und der Umgang mit Arbeitslosen (77 %).

 

Anlässe für Konflikte im Überblick

Als Anlässe für Konflikte im Land sehen die Österreicher vor allem das Agieren „radikaler Gruppen“ sowohl aus Österreich, als auch aus dem Ausland (70 % Häufigkeit für Konflikte).

Weitere Gründe für Konflikte im Land sind das Verhalten verschiedener Zuwanderergruppen (69 %), sowie religiöse (59 %) und politische Ansichten (57 %). Demonstrationen werden von 46 % als Quelle von Konflikten bezeichnet.

Wert der Heimat für Mehrheit „sehr wichtig“

Das gesellschaftliche Wertesystem Österreichs wird stark von Freiheit, Gerechtigkeit, der Möglichkeit der freien Meinungsäußerung, Lebensqualität und Gewaltfreiheit dominiert.

Der Begriff Heimat mit ausgeprägter Sympathie und mit zahlreichen positiven Attributen in Verbindung gebracht. So ist für 60 % der Österreicher der Begriff Heimat ein „sehr wichtiger Wert“, weitere 26 % empfinden ihn als „eher wichtig“.

Was macht einen Österreicher aus?

Ein interessanter Aspekt der Studie des ÖIF ist auch, dass das formale Kriterium einer Staatsbürgerschaft nur von ca. 6 von 10 Befragten einen Österreicher ausmache.

Für den Großteil der Befragten ist es viel wichtiger, die deutsche Sprache zu sprechen (74 %), Österreich als Heimat zu empfinden (69 %) und die österreichische Lebensweise, Werte und Gebräuche zu schätzen (61 %).

 

Großteil der Österreicher um „kulturelle Identität des Landes“ besorgt

Ganze 96 % der Befragten sind der Meinung, dass sich Zuwanderer in Österreich an die Werte und Gebräuche anzupassen haben. („sehr“ oder „eher“ Zustimmung)

Dennoch haben rund mehr als die Hälfte (57 %) die Sorge um die kulturelle Identität des Landes. Dabei wird Migration als „größte Gefahr für kulturelle Identität“ wahrgenommen. Besonders der Islam wird auch als äußere Gefahr für Österreichs kulturelle Identität angesehen.

 

Bundesministerin Susanne Raab im Gespräch mit Zur-Sache. - Foto: Andy Wenzel/BKA

Bundesministerin Susanne Raab kündigt eine Integrationstour durch Österreich an – Foto: Andy Wenzel/BKA

Raab kündigt Integrationstour durch Österreich an

Integrationsministerin Raab betonte bei der Präsentation am Dienstag, dass man versuche, aus der Studie konkrete  politische Schlussfolgerungen zu ziehen. Dabei will man vor allem bei der Integration ansetzen, die aufgrund der fehlenden Kontakte während Corona nicht so gelebt werden konnte, wie gewünscht.

Man müsse nun „dort hinzusehen, wo eine Gefahr für unser Wertesystem“ besteht, so Raab. Man sehe, dass es „Werte gibt, die uns zusammenhalten, teilweise aber nicht von jedem Zuwanderer geteilt werden“.

Um sich anzusehen, wo Integration bereits gelingt und welche Herausforderungen es in den Bundesländern und Gemeinden gibt, wird Raab bereits im Oktober eine Integrationstour durch Österreich starten.

Dabei wird Raab auch mit Bürgermeistern und Integrationsgemeinderäten sprechen, um herauszufinden, wo man bei der Integration nach Corona wieder aufholen kann. Zudem will man aber auch ehrenamtliche Projekte, die positiv zur Integration beitragen, im Rahmen der Tour vor den Vorhang holen.