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114 Maßnahmen – Hattmannsdorfer präsentiert Industriestrategie 2035

Die Industriestrategie mit 114 Maßnahmen soll Österreich zu einem der wettbewerbsfähigsten Land der Welt machen. Foto: istock/Filip_Krstic

Am Freitag stellte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer gemeinsam mit dem Infrastrukturminister die Industriestrategie 2035 der Bundesregierung vor. Mit 114 Maßnahmen ist die Industriestrategie ein Leuchtturm der aktuellen Regierung, das den wirtschaftlichen Aufschwung in Österreich beschleunigen soll. Nach dem kürzlich eingeführten Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde ist dies die zweite bedeutende Regierungsmaßnahme zur Stärkung der heimischen Industrie und Wirtschaft innerhalb weniger Tage.

 

6 übergeordnete Zielsetzung

Die Strategie verfolgt das Ziel, Österreich bis 2035 zu einer der zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt zu machen, heißt es in der Strategie. Dafür sollen sechs übergeordnete Ziele erreicht werden, aus denen 114 Maßnahmen abgeleitet wurden:

  1. Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
  2. Weiterentwicklung wirtschaftlicher Souveränität in und mit Europa
  3. Erhöhung der Leistungs‑ und Innovationskraft
  4. Ausbau wirtschaftlicher Resilienz
  5. Förderung nachhaltiger und zirkulärer Produktion
  6. Entwicklung des Fachkräftepotenzials

Zentrales Element ist die Steigerung des Industrieproduktionsindexes sowie die Erhöhung des Wertschöpfungsanteils der Industrie von 16,9 % (2024) auf 20 %.

 

2,6 Milliarden für neun Schlüsseltechnologien

Erstmals definiert die Regierung neun Schlüsseltechnologien – von Künstlicher Intelligenz über Quantentechnologie bis hin zu Energie‑ und Umwelttechnologien. Für gezielte Investitionen in diese Felder steht im Rahmen des FTI‑Pakts bis 2029 ein Förderbudget von rund 2,6 Milliarden Euro bereit.

 

114 Maßnahmen

Insgesamt wurden 114 konkrete Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern erarbeitet. Zu den wichtigsten zählen:

  • Innovation fördern – u.  Neuausrichtung von FFG‑ und aws‑Programmen, Aufbau von Unternehmensökosystemen an Universitäten, neue FFG‑Flagship‑Programme und Regulatory Sandboxes für Schlüsseltechnologien.
  • Resilienz schaffen – Einführung eines „Made‑in‑Europe & Partner Countries“‑Leitprinzips im Vergaberecht, Förderung heimischer Produkte und ein „Made‑in‑Europe‑Bonus“ beim EAG‑Investitionszuschuss.
  • Digitale Souveränität – Kennzeichnung von Rechenzentren, Aufbau einer österreichischen Cloud‑Infrastruktur und die Verpflichtung zur Nutzung europäischer Cloud‑Lösungen durch Bundesbeteiligungen.
  • Sicherheits‑ und Verteidigungssektor – Reform der Exportkontrolle und Schaffung eines Security Innovation Ecosystem.
  • Strategische Rohstoffe – Nutzung heimischer Primärressourcen, digitale Plattformen für Sekundärrohstoffe und Entwicklung nachhaltiger Materialinnovationen.
  • Wettbewerbsfähigkeit stärken – Einführung eines Industriestrompreises ab 2027, Aufhebung des CO₂‑Speicher‑Verbots (CCS) und Nutzung von CO₂ als Rohstoff (CCU), Modernisierung der Netzinfrastruktur (ÖNIP) sowie Ausbau von Wasserstoff‑ und Pumpspeicher‑Kapazitäten.
  • Fachkräfte und Fachkräftepotenzial – Volldigitalisierung des Antrags‑ und Bearbeitungsprozesses für die Rot‑Weiß‑Rot‑Karte, Pilotprojekte für Lehrlinge, vereinfachter Zugang für Selbständige, Start‑ups und internationale Studierende.

 

Quick Wins 2026

Für das Jahr 2026 sind sofortige Maßnahmen aus den 114 Vorschlägen vorgesehen. Darunter:

  • Erster Teil des Schlüsseltechnologie‑Beschleunigungsgesetzes
  • Novellen des Patentrechts, des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes, des Versorgungssicherungsgesetzes und des Außenwirtschaftsgesetzes
  • Aktionsplan strategische öffentliche Beschaffung
  • Aufhebung des gesetzlichen CO₂‑Speicher‑Verbots (CCS)
  • Einführung des Industriestrompreises und eines Bürokratieabbaupakets
  • Weiterentwicklung der Forschungsprämie und Start eines Dachfonds (1. Januar 2027)

 

Umsetzung und Monitoring

Die Umsetzung wird von einer Task‑Force Industrie (BMWET, BMIMI, BMEIA, Sozialpartner, Industriellenvereinigung, Experten) begleitet. Der Produktivitätsrat erweitert seinen Jahresbericht um ein Wettbewerbsfähigkeits‑Radar, das die Fortschritte misst und Empfehlungen ausspricht. Alle drei Jahre erfolgt eine externe wissenschaftliche Evaluation der Strategie.

 

Partizipativer Entwicklungsprozess

Die Industriestrategie entstand in einem breit angelegten, partizipativen Stakeholder‑Prozess unter Leitung der Plattform Industrie 4.0. Eingebunden waren Sozialpartner, die Industriellenvereinigung, zahlreiche Agenturen (ABA, AIT, aws, CDG, FFG), Standortagenturen der Bundesländer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie über 400 eingereichte Maßnahmen von mehr als 200 Organisationen.

Mit der Industriestrategie 2035 legt die Bundesregierung ein umfassendes, langfristig ausgerichtetes Programm mit 114 konkreten Maßnahmen vor, das neben technologischer Führungsposition und ökologischer Nachhaltigkeit auch die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Fachkräfteentwicklung Österreichs stärken soll – ein weiterer Baustein, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes zu beschleunigen.