Innenpolitik

Der Mann mit dem Glaskinn, der über Inserate urteilt

kern inserate

Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern sprach 2017 ein Inseraten-Boykott für die Tageszeitung „Österreich“ aus. Der Grund dafür: Kern gefiel die kritische Berichterstattung der Zeitung über ihn nicht. So wurden etwa SPÖ-interne Dokumente veröffentlicht, in denen Kern unter anderem als „Glaskinn“ bezeichnet wurde. Nun, gut 4 Jahre später, urteilt der Ex-SPÖ-Kanzler in der ZiB2 bei Armin Wolf über die Inseratenpolitik im Land und erklärt, dass diese Politik „ein Krebsübel der Demokratie“ sei.

 

Kern reagiert auf mediale Kritik „nervös“

Im September 2017 veröffentlichte die Zeitung „Österreich“ ein internes Papier der SPÖ. Das Papier entstand durch einen früheren Pressesprecher aus der Ära des Ex-SPÖ-Kurzzeitkanzlers Alfred Gusenbauer, dass dieser für den zu diesem Zeitpunkt bereits entlassenen SPÖ-Berater Tal Silberstein erstellte.

Die Tageszeitung Österreich berichtete über das Dokument, in dem Kern unter anderem als „Glaskinn“ bezeichnet wurde. Konkret wird damit gemeint, dass Christian Kern in der SPÖ intern als „Prinzessin“ verschrien war und als „ungemein eitel“ galt. Zudem schrieb der Verfasser des Papiers über den Ex-SPÖ-Chef Kern: „Er hält (mediale Schelte) nicht aus und reagiert nervös, um nicht zu sagen panisch“.

 

SPÖ-Chef bestrafte „Österreich“ mit Inseraten-Boykott

Die Konsequenz für die kritische Berichterstattung der Zeitung „Österreich“ war ein Inseraten-Boykott durch Christian Kern und seine SPÖ, welcher unter anderem alle Wahlkampf-Aktivitäten für die Nationalratswahl 2017 beinhaltete. Kern bezeichnete die kritische Berichterstattung gegen ihn als „Kampagne und Angriff“ und verweigerte „Österreich“ und dem Sender „Oe24“ auch alle Interviews.

 

In der ZiB2 bei Armin Wolf erklärte Ex-Kanzler Christian Kern, dass sich Medien durch Inserate "missbrauchen lassen würden". - Screenshot: ORF

In der ZiB2 bei Armin Wolf erklärte Ex-Kanzler Christian Kern, dass sich Medien durch Inserate „missbrauchen lassen würden“. – Screenshot: ORF

 

 

Inserate als „Krebsübel der Demokratie“

Kern verlor 2017 die Nationalratswahl und die SPÖ damit die Kanzlerschaft. Rund vier Jahre später holte Christian Kern nun in der ZiB2 bei Anchorman Armin Wolf weit aus und urteilte über die Vergabe von Inseraten. So erklärte er, dass sich „Medien durch Inserate missbrauchen“ lassen würden und dadurch könnten sie ihre „demokratische Aufgabe nicht mehr erfüllen“.

Kern urteilt nun also über die Vergabe von Inseraten und somit ausgerechnet über jenes Instrument, dass er noch im Jahr 2017 nutzte, um kritische Berichterstattung zu sanktionieren.

 

Inseratenpolitik als „Erbsünde der SPÖ“

Als Urheber der Inseratenpolitik in Österreich, die Kern als „Krebsübel der Demokratie“ bezeichnete, benennt er die Sozialdemokratie. So sei die Politik mit den Inseraten die „Erbsünde der SPÖ“.

Zudem musste Kern auch zugeben, dass die SPÖ für 2 Mio. Einwohner in Wien ähnlich viel Geld für Werbung ausgibt, wie die gesamte Bundesregierung für 9 Mio. Einwohner und das in ganz Österreich.

Im Pro-Kopf-Vergleich gibt die SPÖ geführte Stadt Wien (12,6 Euro/Kopf) sogar doppelt (!) so viel für Werbung aus, als die gesamte Bundesregierung im ganzen Bundesgebiet (5,3 Euro/Kopf).

Zur-Sache hat die Werbeausgaben der SPÖ geführten Stadt Wien und die des Bundes bereits genau aufgeschlüsselt und verglichen.

 

 

Grafik: Zur-Sache.at

Werbeausgaben der Stadt Wien vs. der restlichen 8 Bundesländer 2020 – Grafik: Zur-Sache.at

 

 

Grafik: Zur-Sache.at

Werbeausgaben pro Kopf im Jahr 2020 in Wien vs. im Bund – Grafik: Zur-Sache.at

Verhalten der SPÖ „vollkommen scheinheilig“

Scharfe Kritik am Verhalten der SPÖ übt VP-Generalsekretär Axel Melchior. So ist das Verhalten der SPÖ Angesichts der immens hohen Ausgaben für Werbung und Inserate in der aktuellen Debatte „vollkommen scheinheilig“. Aus diesem Grund muss auch die „unerträgliche Doppelmoral“ der Sozialdemokraten ein Ende haben, betonte Melchior am Mittwoch via Aussendung.

Kerns Auftritt in der ZiB2 zeige auch, dass der Ex-SPÖ-Kanzler seine Wahlniederlage im Jahr 2017 „immer noch nicht verkraftet“ hat. „Der von den Österreichern abgewählte SPÖ-Kanzler lässt zurzeit keine Möglichkeit aus, um die Volkspartei und Sebastian Kurz schlechtzureden“, so der VP-General.

 

„Bitte nie vergessen“

Interessant: Auch der Chefredakteur des Wiener Regionalblattes „Falter“ Florian Klenk kritisierte die SPÖ via Twitter scharf. Klenk betont, dass man „bitte nie vergessen darf“, dass „die Wiener SPÖ den Boulevard mit Millionen versorgt, gemästet und aufgebaut hat“.

 

Screenshot Twitter

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