Bildungsminister Polaschek zog Bilanz und stellte seine Pläne für die Integration ukrainischer Kinder in das österreichische Schulsystem. Foto: BKA / Christopher Dunker

Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine setzte sich seit Februar auch eine Flüchtlingswelle Richtung Westeuropa in Bewegung. Rasch wurden in Österreich alle Vorkehrungen zur Integration vertriebener ukrainischer Frauen, Männer und Kinder getroffen. Besonders bei den Kindern ging es darum, sie schnell in den Bildungsalltag zu integrieren. Bildungsminister Martin Polaschek zog eine erste Bilanz und rechnet in den kommenden Monaten mit einer weiteren Zunahme der zu integrierenden ukrainischen Kinder im österreichischen Bildungssystem.

 

Bis zu 50.000 Schulkinder aus der Ukraine

Im vergangenen Schuljahr konnten bereits über 11.000 ukrainische Kinder im österreichischen Schulsystem integriert werden. Mittlerweile geht das Bildungsministerium davon aus, dass sich rund 16.000 ukrainische Kinder und Jugendliche in Österreich aufhalten. Mit Blick auf das kommende Schuljahr ist man aufgrund der unsicheren Lage und Entwicklung der Flüchtlingszahlen auf bis zu 50.000 ukrainische Kinder und Jugendliche vorbereitet. Zur Bewältigung dieser integrationsfördernden Maßnahme greift das Ministerium auf die Erfahrungen und Instrumente zurück, mit denen bereits im letzten Schuljahr gearbeitet wurde.

 

Polaschek: „Maßnahmen wirken“

Bildungsminister Martin Polaschek zeigt sich zufrieden mit dem bisherigen Integrationsfortschritt an den Schulen (Zur-Sache berichtete). „Die Integration der ukrainischen Kinder und Jugendlichen funktioniert und es ist beeindruckend mit welcher Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft diese Kinder und Jugendlichen in Österreich aufgenommen wurden. Wir haben eine Vielzahl an Maßnahmen gesetzt, um die ukrainischen Kinder und Jugendliche in der Schule zu unterstützen. Einige dieser Maßnahmen haben wir einmal für das letzte Schul- bzw. Studienjahr eingeführt, um zu erproben wie sie angenommen werden. Und wir sehen: diese Maßnahmen wirken! Daher werden wir sie verlängern.“

 

Die Integrations-Maßnahmen im Schuljahr 2022/23 im Überblick:

  • Im kommenden Schuljahr werden die Bestimmungen der österreichischen Schulpflicht uneingeschränkt zur Anwendung kommen.
  • Auf freiwilliger Basis werden gleichzeitig Möglichkeiten eingeräumt, dass Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, in unterrichtsfreien Zeiten an den Schulen die schulische Infrastruktur nutzen können, um dem Online-Unterricht aus der Ukraine zu folgen.
  • Bis jetzt wurden in ganz Österreich 211 Deutschförderklassen eingerichtet. Steigt der Bedarf, werden weitere Klassen geschaffen werden in Österreich.
  • Muttersprachliche Unterstützung – sei es durch Freigegenstände oder die Anstellung von ukrainischen Pädagoginnen und Pädagogen – bleibt gewährleistet.
  • Das Bildungsministerium prüft derzeit, inwieweit den Schülerinnen und Schülern ihre ukrainischen Zeugnisse in Österreich anerkennt werden können. Dazu ist ein Konzept gerade in Arbeit.
  • Das Projekt weiterlernen.at wird verlängert. Dabei werden zusätzlich 5 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (REACT) bereitgestellt.
  • Bildungsdirektionen können weiterhin Menschen aus der Ukraine mit Sonderverträgen als Assistenzkräfte anstellen. Diese Regelung wird für ukrainische Pädagoginnen und Pädagogen, Psychologinnen und Psychologen sowie Tagesbetreuerinnen und Tagesbetreuer gelten.
  • Der Personalpool zur Betreuung der ukrainischen Kinder und Jugendlichen soll weiter ausgebaut werden
    • Die Anzahl der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wurden bereits von 120 auf 240 erhöht.
    • In Zukunft sollen vor allem vermehrt Studentinnen und Studenten, Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sowie Pensionistinnen und Pensionisten zum Unterrichten ins System geholt werden.
  • Ukrainische Studierende werden auch im Wintersemester von den Studienbeiträgen befreit.

 

Bestmögliche Unterstützung – Ziel Selbsterhaltungsfähigkeit

ÖVP-Integrationssprecher Ernst Gödl verweist auf eine Studie, dass rund 30 Prozent der Vertriebenen aus der Ukraine konkrete Pläne für ihre Rückkehr haben. „Da wir aber nicht absehen können, wie lange dieser Krieg noch dauert und ob dann überhaupt eine Rückkehr möglich ist, stellen wir uns auf alle Eventualitäten ein, um die Menschen, die hierbleiben wollen, bestmöglich bei ihrem Einstieg in Österreich zu unterstützen“, sagte Gödl mit einem Blick in die Zukunft. Ziel sei es, jene, die zumindest für längere Zeit in Österreich bleiben, zur Selbsterhaltungsfähigkeit zu führen und nachhaltig in das Bildungssystem zu integrieren.

„Die Mehrheit der erwachsenen Vertriebenen – rund 80 Prozent – sind Frauen. Aus Studien wissen wir, dass die Mehrzahl der Ukrainerinnen gut ausgebildet ist und die Menschen einen großen Willen haben, zu arbeiten. 87 Prozent der ukrainischen Frauen, die noch keine Arbeit haben, suchen Arbeit. Daher werden wir einen ganz starken Fokus auf die Integration in den Arbeitsmarkt legen. Das bedingt aber auch gute Kinderbetreuung und die Integration der Kinder in den Schulbetrieb. Hier sind wir bereits auf einem guten Weg“, schloss Gödl.