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ORF-Wirbel kennt wenige Stimmen der Vernunft
Der Generaldirektor des ORF, Roland Weißmann, tritt wegen ihm nicht bekannter und nicht geprüfter Vorwürfe einer vor vier Jahren erfolgten sexuellen Belästigung zurück. Im eingetretenen Wirbel um den ORF ist die Stimme von ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti eine der wenigen der Vernunft.
Stiftungsrat informiert Montag früh
Montag morgens berichteten einzelne Nachrichtenmedien, Roland Weißmann trete von seinem Posten zurück. Sie beriefen sich auf eine Information durch den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Heinz Lederer. Dieser hatte in einer um 8.56 versandten Meldung mitgeteilt, Weißmann habe ihn, Lederer, und seinen Stellvertreter, Gregor Schütze, über seinen Rücktritt informiert, denn: „In den vergangenen Tagen hat eine ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Roland Weißmann bestreitet diese Vorwürfe.“

Ingrid Thurnher (l.) übernimmt vorläufige Führung des ORF. Foto: ORF / Hans Leitner
Gleich danach reagiert der Rechtsanwalt
Wenige Minuten später, um 9.19 Uhr, erfolgte eine öffentlich zugängliche Mitteilung durch den Anwalt von Weißmann. Dieser erklärt:
„„Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte.
Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher am Sonntag 08. März 2026 um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück.
Die mediale Verbreitung der in keinster Weise aufgeklärten Vorwürfe stellt eine völlig unangemessene und überschießende Reaktion dar. Diese Vorgehensweise, wie auch eine allfällige Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, verletzen die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten massiv und werden zu entsprechenden rechtlichen Schritten führen.“
Marchetti als Stimme der Vernunft
Angemessen reagierte ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti, der „volle Aufklärung und Transparenz aller Umstände“ als „das Gebot der Stunde“ bezeichnete. Die Entscheidung von Generaldirektor Roland Weißmann, seine Funktion zurückzulegen, nehmen wir zur Kenntnis. Weitere Schritte zu definieren, ist nun die Aufgabe des Stiftungsrats. Marchetti: „Wichtig sind nun Stabilität und ein geordneter Übergang im ORF. In Fällen wie diesen ist es zentral, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wahren und alle fraglichen Umstände aufzuklären.“
Grüne und SPÖ begrüßen Rücktritt
Die Stellungnahmen anderer in der Medienpolitik tätigen Personen vermitteln den Eindruck, als wären die Vorwürfe erwiesen.
So meinte die Klubobfrau der Grünen, Sigi Maurer, der Rücktritt sei „ein wichtiger und richtiger Schritt“, um weiteren Schaden vom ORF abzuwenden.
Für die SPÖ erklärten deren Vorsitzender, Vizekanzler Andreas Babler, nun sei die Zeit reif für eine Frau an der Spitze des ORF. Babler ist der für Medien zuständige Bundesminister.
Namens der Freiheitlichen sagte deren Generalsekretär und Mediensprecher, Christian Hafenecker, der ORF habe nun die Chance, seine Tätigkeit als „Regierungslautsprecher“ zu beenden.
ORF-Stiftungsrat tagt
Wie es weiter geht? Lederer und Schütze beauftragten Radiodirektorin Ingrid Thurnher mit der Führung der Geschäfte. Dann wird am Donnerstag der Stiftungsrat informiert.
Die Funktionsperiode von Weißmann hätte heuer geendet, Ausschreibung und Neuwahl sind für Mai und September bereits angesetzt. Eine neuerliche Bewerbung von Weißmann wurde erwartet, ist aber nach dem Rücktritt unwahrscheinlich.





