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Das ignorierte Leid: Christenverfolgung

Karfreitag in Lagos, mit 14 Mio. Einwohnern größte Stadt Nigerias. Christen werden verfolgt, jährlich werden 4.000 getötet, berichtet ÖVP-Abg. Gudrun Kugler nach einer Reise. Foto: Imago Adekunle Ajayi

Nach einer Nigeria-Reise zieht Gudrun Kugler eine bittere Bilanz der Christenverfolgung: “Diese Realität wird in Europa oft verkannt“.

 

Nigeria: Mehr Geburten als USA und EU zusammen

Gudrun Kugler, Sprecherin für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) der ÖVP im Parlament, besuchte mit einer internationalen Gruppe Nigeria, um sich umfassendes Bild der Sicherheits- und Menschenrechtslage zu machen.

Zum Anlass der Reise sagt ÖVP-Abgeordnete Kugler: “Nigeria wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen: Jährlich werden dort mehr Kinder geboren als in Europa und den USA zusammen. Wir dürfen dieses Land nicht sich selbst überlassen. Unser Ziel ist es, dass alle, auch die Christinnen und Christen, frei und sicher leben können und Perspektiven vor Ort haben. Dadurch wird Migration eingedämmt und die wirtschaftliche Zusammenarbeit möglich”, erklärte Kugler.

Gudrun Kugler: Europa darf Christenverfolgung nicht ignorieren. Foto: Parlament / Zinner

Gudrun Kugler: Europa darf Christenverfolgung nicht ignorieren. Foto: Parlament / Zinner

Anhaltende Gewalt gegen Christen

Besondere Sorge bereitet die anhaltende Gewalt gegen Christinnen und Christen. Schätzungen zufolge werden jährlich rund 4.000 Christinnen und Christen in Nigeria getötet. “Die Konflikte mögen vielschichtig sein, aber es sind die Christinnen und Christen, die in schockierender Weise und Zahl Opfer religiös motivierter Gewalt werden”, so Kugler. “Europa muss hinschauen und endlich handeln.”

Religiöse Führungspersönlichkeiten hoben die Bedeutung des Besuchs hervor: “In den letzten Jahren haben wir weniger miteinander gesprochen – ihr habt diesen wichtigen Dialog wieder angestoßen.”

Die Delegation stellte fest, dass Christinnen und Christen zwar nicht die einzigen Opfer von Gewalt sind, jedoch überproportional betroffen sind. “Diese Realität wird in Europa oft verkannt. Es ist ein Irrtum, die Gewalt in erster Linie als Verteilungskonflikt zu sehen”, erklärte Kugler zur Christenverfolgung.

Auf Basis der Gespräche formulierte die Delegation konkrete Handlungsempfehlungen:

  • Dezentralisierung der Polizeistrukturen sowie Einrichtung von Sicherheitszonen für besonders gefährdete Regionen.
  • Stärkung eines funktionierenden Justizsystems zur Bekämpfung von Straflosigkeit.
  • Massive Investitionen in Bildung als Grundlage für langfristigen Frieden.
  • Ausbau praktischer Ausbildungsprogramme, insbesondere für junge Fulani-Hirten, um alternative Lebensperspektiven zu schaffen.
  • Einrichtung von Wahrheits- und Versöhnungskommissionen zur Aufarbeitung von Gewalt und zur Förderung gesellschaftlicher Heilung.

“Stabilität, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Frieden sind nur möglich, wenn Sicherheit, Gerechtigkeit und Versöhnung gewährleistet sind“, sagt Kugler in ihrer Bilanz.

Zur Delegation gehörten der Leiter des First Step Forum, Abg. Marc Jost (Schweiz), sowie der ehemalige Premierminister der Slowakei, Eduard Heger. Die Reise wurde vollständig privat finanziert, es entstanden keinerlei Kosten für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.