Innenpolitik
Iran-Krieg: WIFO mit 3 Konjunkturszenarien für Österreich
Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat am Freitag seine aktuelle Konjunkturprognose für 2026 und 2027 auf Basis dreier Szenarien vorgelegt. Demnach hängt alles davon ab, wie lange der Iran-Krieg andauert und wie stark die Energiepreise steigen. Die Unsicherheit über den weiteren Kriegsverlauf macht daher eine klassische Einfachprognose nach Einschätzung des WIFO derzeit nicht möglich.
Nach zwei Jahren der Rezession war Österreichs Wirtschaft 2025 mit einem BIP-Wachstum von 0,6 Prozent wieder leicht gewachsen, zum Jahresende stagnierte die Wirtschaftsleistung jedoch. Infolge des Iran-Konflikts haben sich Rohöl und Erdgas stark verteuert, was die Inflationsentwicklung bremst und das Investitionsklima in der EU eintrübt. Besonders betroffen ist die österreichische Industrie, die bereits seit Jahren unter schwacher Investitionsgüternachfrage leidet, so das WIFO am Freitag in einer Aussendung.
WIFO-Experte: „Kostendruck entscheidend“
„Die Entwicklung der Rohöl- und Erdgaspreise ist sowohl für die Inflationsprognose als auch für den von den Unternehmen erwarteten Kostendruck entscheidend. Da der Iran-Krieg nicht prognostizierbare Preissprünge auslöst, hat sich das WIFO entschlossen, von unterschiedlichen Preisszenarien auszugehen“, erklärte WIFO-Ökonom Marcus Scheiblecker.
Die drei Szenarien
Das optimistischen Szenario
Bei einem kurzen Konflikt ohne nachhaltige Beschädigung der Energieinfrastruktur in den den Golfstaaten ist für 2026 ein BIP-Wachstum von 1,1 Prozent zu erwarten, 2027 würde es sich auf 1,3 Prozent beschleunigen. Die Inflationsrate läge 2026 bei 2,5 Prozent.
Das Hauptszenario
Bei ebenfalls kurzer Kriegsdauer, jedoch stärkerem Energiepreisanstieg, wächst die Wirtschaft 2026 um 0,9 Prozent und 2027 um 1,5 Prozent, bei einer Inflation von 2,7 Prozent im laufenden Jahr.
Das pessimistischen Szenario
Dauern die Kampfhandlungen bis Ende des Sommers an und zerstören wichtige Infrastruktur und der Rohölpreis würde auf 120 Dollar je Barrel steigen und bis September 2026 auf diesem Niveau verharren, würde das BIP 2026 nur um 0,2 Prozent zulegen und 2027 um 0,4 Prozent. Die Inflation stiege auf 4,1 Prozent, das gesamtstaatliche Defizit auf 4,4 Prozent des BIP im Jahr 2026 und 4,9 Prozent 2027.
Arbeitslosenquote sinkt 2027
In allen Szenarien bleibt der private Konsum verhalten, da höhere Energiepreise die real verfügbaren Einkommen belasten. Die Arbeitslosenquote verharrt 2026 auf dem Vorjahresniveau von 7,4 Prozent und sinkt erst 2027 – je nach Szenario auf Werte zwischen 7,0 und 7,6 Prozent. Am deutlichsten schlägt die geopolitische Unsicherheit bei den Investitionen durch: Im pessimistischen Szenario schrumpfen die Bruttoanlageinvestitionen im laufenden Jahr um ein Prozent.
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