Europa- & Aussenpolitik
Außenwirtschaft unter Druck: Hattmannsdorfer fordert Kurswechsel in Europa
Das aktuelle Jahresgutachten des Forschungsschwerpunkts Internationale Wirtschaft (FIW) zur Lage der österreichischen Außenwirtschaft zeichnet ein herausforderndes Bild, aber auch Lichtblicke. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht Österreichs Weg bestätigt, fordert aber eine europäische Kursänderung.
Das Kompetenzzentrum FIW ist ein Kooperationsprojekt der Wirtschaftsuniversität Wien mit der Universität Wien, der Johannes-Kepler-Universität Linz, der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und des Instituts für Höhere Studien (IHS). Am Dienstag wird von der Forschergruppe bereits das siebte Jahresgutachten zur „Lage der österreichischen Außenwirtschaft“ gemeinsam mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer präsentiert.
Die Warenexporte gingen 2025 nominell um 0,5 Prozent zurück, während die Importe nominell um 4,1 Prozent stiegen. Die Handelsbilanz verschlechterte sich binnen eines Jahres um 8,8 Milliarden Euro. Geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise und zunehmender Protektionismus belasten internationale Lieferketten und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas. Neue Märkte stimmen aber auch optimistisch.
Hattmannsdorfer fordert Umdenken
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, der das Gutachten am Dienstag präsentiert, zieht daraus klare wirtschaftspolitische Schlüsse: „Die Weltwirtschaft wird geopolitischer, härter und strategischer. Während andere Wirtschaftsräume ihre Industrie absichern, Energiepreise senken und gezielt Zukunftstechnologien aufbauen, verliert Europa zu oft Zeit mit Regulierung und Bürokratie. Genau deshalb braucht es jetzt einen europäischen Wettbewerbsfähigkeitskurs: weniger Klein-Klein, mehr industrielle Stärke, schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise und moderne Handelsabkommen mit Wachstumsmärkten wie Indien, Mercosur oder Südostasien. Europa muss wieder strategisch handeln – sonst verlieren wir Wohlstand, Industrie und technologische Souveränität.“
Österreichs bisherigen Weg sieht Hattmannsdorfer bestätigt. „Österreich muss resilienter und unabhängiger werden. Deshalb setzen wir mit der Industriestrategie 2035 auf Schlüsseltechnologien, industrielle Skalierung, neue internationale Partnerschaften und eine stärkere europäische Souveränität bei Energie, Technologie und Produktion. Klar ist auch: Energiepreise bleiben ein entscheidender Faktor für unseren Standort. Deshalb treiben wir den Ausbau heimischer Energieproduktion, schnellere Genehmigungen und wettbewerbsfähige Industriestrompreise konsequent voran.
Neue Absatzmärkte für Importwachstum
Das Gutachten verweist auf die strategische Bedeutung neuer Absatzmärkte: Indien allein wird bis 2029 ein zusätzliches Importwachstum von rund 308 Milliarden US-Dollar verzeichnen. Maschinenbau, Industrieanlagen, Umwelttechnologien und technische Infrastruktur gelten dabei als zentrale Zukunftssektoren für österreichische Unternehmen.
Außenwirtschaft wird sich schrittweise erholen
Für 2026 und 2027 prognostiziert das FIW eine nur schrittweise Erholung: Im Hauptszenario wird ein Wachstum der realen Exporte von 1,5 Prozent im Jahr 2026 und 2,2 Prozent im Jahr 2027 erwartet. In einem pessimistischen Szenario – etwa bei länger anhaltend hohen Energiepreisen infolge des Nahostkonflikts – könnte das Exportwachstum 2026 auf lediglich 0,3 Prozent sinken. WIFO-Ökonomin Elisabeth Christen warnt vor allem vor den Risiken eines länger anhaltenden Nahost-Konflikts mit weiterer Blockade der Straße von Hormus, der die wirtschaftliche Erholung „deutlich dämpfen“ würde.
Experte: Unsicherheiten auf Höchststand
IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß verwies auf die Bedeutung stabiler Handelsbeziehungen: „Mit der Ankündigung umfassender US-Importzölle ist die handelspolitische Unsicherheit im vergangenen Jahr auf historische Höchststände gestiegen. Handelsabkommen reduzieren diese Unsicherheit und geben den Unternehmen einen stabilen Anker.“ wiiw-Direktor Robert Stehrer mahnt eine breit angelegte Industriestrategie ein, die kritische Abhängigkeiten bei Rohstoffen, Energie und digitalen Technologien abbaut.
Hattmannsdorfer verwies auf die Industriestrategie Österreich 2035, mit der das Land wieder in die Top-10 der wettbewerbsfähigsten Industrienationen gebracht werden soll. Beim Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) appelliert er an die Opposition: „Mit dem EABG liegt jetzt die Chance auf dem Tisch, die Energiewende endlich in die Umsetzung zu bringen – dafür braucht es jetzt Partner, die Verantwortung übernehmen“, so Hattmansdorfer.





