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Totschnig gegen EU-Förderung kleiner Atomreaktoren
Umweltminister Norbert Totschnig hat die Pläne der Europäischen Kommission, kleine modulare Kernreaktoren – sogenannte SMRs – mit EU-Mitteln zu fördern, erneut klar abgelehnt.
Anlass ist eine vom Ministerium beim Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie zu den Rahmenbedingungen für SMRs in den Euratom-Mitgliedstaaten, die die österreichische Skepsis gegenüber der Technologie in wesentlichen Punkten bestätigt.
Studie mit klarem Befund
Die EU-Kommission hatte im März eine SMR-Strategie vorgestellt und angekündigt, die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren zu beschleunigen sowie eine europäische Nuklearindustrie aufzubauen. Unter anderem ist eine befristete Aufstockung von Mitteln im Rahmen des „InvestEU“ Programms um 200 Millionen Euro bis 2028 geplant. Österreich lehnt insbesondere den Einsatz von EU-Gemeinschaftsmitteln für SMRs ab.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein breiter kommerzieller Einsatz von SMRs in Europa frühestens in den 2040er-Jahren realistisch sei. Derzeit befinde sich kein einziger Reaktor dieser Art in Europa im Betrieb oder Bau, viele Konzepte seien noch in frühen Entwicklungsphasen. Eine europäische Fertigungsindustrie existiere nicht und müsste erst aufgebaut werden, während gleichzeitig erhebliche Abhängigkeiten bei Lieferketten und nuklearen Brennstoffen bestehen würden. Erfahrungen aus Projekten außerhalb Europas zeigen zudem deutliche Kostensteigerungen und Verzögerungen. Im Gegensatz zu erneuerbaren Energien seien SMRs deutlich teurer und wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig.
Für Totschnig EU-Haltung „nicht nachvollziehbar“
Umweltminister Totschnig formulierte die österreichische Position klar: „Small Modular Reactors sind weder eine rasch verfügbare noch eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die aktuellen klima- und energiepolitischen Herausforderungen Europas. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission auf eine Technologie setzt, die erst entwickelt werden muss, während sichere, kostengünstigere und sofort verfügbare erneuerbare Alternativen bereits heute zur Verfügung stehen.“
Umweltbundesamt-Geschäftsführerin Verena Ehold unterstrich, dass SMRs auf „absehbare Zeit weder wirtschaftlich noch in ausreichendem Umfang verfügbar“ sein würden und daher kurzfristig keinen substanziellen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten könnten. Nötig seien stattdessen Investitionen in „bewährte und verfügbare Technologien wie erneuerbare Energien“.
Österreich fordert darüber hinaus, dass für SMRs dieselben hohen Sicherheitsanforderungen gelten müssen wie für große Kernkraftwerke. Gleichzeitig setzt Österreich weiter auf den Ausbau erneuerbarer Energien. „Hier sind wir seit vielen Jahren Vorreiter und wir werden diesen rot-weiß-roten Erfolgsweg konsequent weitergehen“, betont Totschnig.
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