Faktencheck: Was sagten Virologen im Sommer?

Grafik: Zur-Sache
Grafik: Zur-Sache

„Die nächste Welle wird eine Welle der Ungeimpften sein.“ – Von wem stammt dieser Satz, der oft als Kritik am Pandemiemanagement der Regierung gewählt wird? Nicht von einem Politiker, sondern von einem der renommiertesten Virologen Österreichs. Zur-Sache analysiert diese und weitere Aussagen von Experten zum Pandemieverlauf aus dem Sommer.

 

Im August: „Jetzt wird es nicht mehr so dramatisch“

Auf den Punkt brachte ein Virologe und Impfstoffexperte das Pandemiegeschehen im Interview mit der ZIB 2 Mitte August. Gefragt nach seiner Einschätzung für den Pandemieverlauf im Herbst, antwortete er, es sei „sehr schwierig vorherzusagen, was passieren wird“, aber er glaube, „dass das jetzt nicht mehr so dramatisch wird“.

Auch die Thematik der Boosterimpfungen wurde im Interview diskutiert. Dass der Stand der Wissenschaft im August noch ein gänzlich anderer war wie jetzt, brachte der Virologe damals auf den Punkt. Denn „grundsätzlich“ sei es „umstritten“, ob „gesunde Erwachsene“ wirklich „eine Boosterdosis brauchen“.

 

„Werden keine Lockdowns mehr brauchen“

Ein Epidemiologe trat Mitte August im Ö1 Morgenjournal auf. Dort bestätigte der Epidemiologie den Titel eines Artikels einer renommierten Tageszeitung aus dieser Zeit: „Die vierte Welle verliert ihren Schrecken“. Einen Lockdown im Herbst brauche es laut der Meinung des Epidemiologen nicht mehr.

Es werde zwar zu einem Anstieg der Spitalszahlen und Intensivbettenbelegung kommen, doch „wir werden keine Lockdowns in dem Sinn mehr brauchen“, meinte ein Experte noch im August.

Und auch den nun viel zitierten Satz sprach der Experte aus: „Die nächste Welle wird eine Welle der Ungeimpften sein.“

 

Ausgangssperren für Herbst im Sommer noch „unwahrscheinlich“

Auch ein Prognose-Forscher hielt Mitte August einen Lockdown im Herbst für unwahrscheinlich: „Dass es zu großflächigen Schließungen von Orten des öffentlichen Lebens kommen wird, wie eben Lokalen, Geschäften und so weiter, da müsste es schon sehr unglücklich ablaufen.“

Das fasste auch der Moderator des Morgenjournals zusammen: „Dass wieder Ausgangssperren nötig sein werden, glaubt kaum ein Wissenschaftler“.

 

Wie wurde die vierte Welle eingeschätzt?

Zahlreiche Experten und Prognose-Forscher haben sich immer wieder über das Eintreten der vierten Corona Welle und deren Konsequenzen geäußert. So wurde in der ZiB1 erklärt, dass „es ganz sicher zu einem Ansteigen der Infektionszahlen“ kommen wird. Weiters wurde mit einem „Anstieg der Spitalsaufnahmen und der Intensivaufnahmen“ gerechnet. „Ich glaube aber nicht mehr, dass uns die vierte Welle in dieser Heftigkeit erwischen wird“, so ein oft geladener österreichischer Virologe.

Nachsatz: „Aber ich denke, wir werden keine Lockdowns in dem Sinn mehr brauchen.“

 

Das Schlimmste überstanden?

Viele Überlegungen und Prognosen gab es dieses Jahr über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie. Wie schwer es auch Experten dabei hatten, zeigen deren Annahmen und Aussagen im Sommer.

„Ich glaube nicht mehr, dass uns die vierte Welle in dieser Heftigkeit erwischen wird, wie wir es letztes Jahr hatten“, erklärte etwa ein bekannter Forscher aus Österreich.

 

Was sagt uns das?

Zahlreiche Virologen, Prognose-Forscher und Analysten haben immer wieder Standpunkte vertreten und Corona-Infektionsszenarien prognostiziert. Diese Prognosen und Szenarien für den Herbst sind Großteils nicht eingetroffen. Das ist keine Kritik an den Virologen und Experten. Schließlich sind das Virus, deren Mutation und die Folgen nur schwer abschätzbar, worauf die Fachleute immer wieder hinweisen.

Die genannten Beispiele zeigen aber, dass auch die Experten mit ihren Prognosen rückblickend nicht immer richtig lagen und deren Einschätzung, auf die die Politik gebaut hat, für den jeweiligen Zeitpunkt aber nicht in der mittel- und längerfristigen Entwicklung des pandemischen Geschehens zutreffend war. Das liegt guten Teils in der Natur der Sache.