Der Nebel lichtet sich über der Einkommenssituation in der österreichischen Landwirtschaft. Aufgrund der Klimakrise und Preissteigerung ziehen sich aber bereits nächste Wolken auf. Foto: IMAGO / YAY Images

Die Lage in der Landwirtschaft scheint sich nach vielen Jahren langsam etwas zu verbessern. Nachdem bereits im Frühjahr bekannt wurde, dass der Rückgang der bäuerlichen Betriebe eingebremst und die Zahl der Beschäftigten insgesamt zugenommen hat (Zur-Sache berichtete), lässt nun der heute veröffentlichte „Grüne Bericht“ darauf schließen, dass sich auch die Einkommenssituation in der Landwirtschaft verbessert.

 

Das Landwirtschaftsministerium erarbeitet jedes Jahr den „Grünen Bericht“, der einen Überblick über die Situation der österreichischen Land- und Forstwirtschaft des Vorjahres gibt. Die Auswertung der Buchführungsdaten von 1.941 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben für das Jahr 2021 zeigt eine positive Entwicklung: „Zum ersten Mal seit vier Jahren ist bei der Einkommensentwicklung unserer Bäuerinnen und Bauern ein Plus zu verzeichnen, auch der Agrar-Außenhandel hat sich erhöht. Das ist aber kein Grund für Euphorie“, so Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig.

 

Totschnig warnt vor Euphorie

Weshalb Totschnig bremst ist die aktuelle Lage in Europa sowie der Klimawandel, die sich auch auf die bäuerlichen Bertriebe stark auswirken. Daher war es auch notwendig, nach den gestiegenen Energiepreisen und der generellen Teuerung ein Unterstützungspaket für die Landwirtschaft zu schnüren.

„2022 wird noch herausfordernder als das Vorjahr. Unsere Familienbetriebe stehen aufgrund der gestiegenen Betriebsmittelkosten und des Klimawandels zunehmend unter Druck. Um die Lebensmittelversorgung auch in Zukunft zu sichern, müssen wir unsere Bäuerinnen und Bauern stärken. Das gelingt durch zielgerichtete Entlastungsmaßnahmen, wie dem 28 Mrd. Anti-Teuerungspaket, dem 110 Mio. Euro Versorgungssicherungspaket, 9 Mio. Euro für den geschützten Anbau oder der Strompreis-Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe“, betont der Minister.

 

Einkommensanstieg von 15 Prozent

Durchschnittlich hat das Einkommen 2021 um 15 Prozent auf 32.150 Euro je bäuerlichen Betrieb zugenommen. „Diese positive Entwicklung ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens, unsere Covid-Unterstützungen haben gewirkt. Mit Umsatzersatz, Verlustersatz, Härtefallfonds, Ausfallsbonus und weitern Maßnahmen haben wir unsere Familienbetriebe bestmöglich durch die Pandemie gebracht. Der zweite Grund sind Preisanstiege bei agrarischen Produkten, etwa bei Holz, Getreide und Milch, nach Jahren der gedämpften Preissituation“, erklärt Totschnig.

 

Trotzdem stagniert Einkommen im 10-Jahres Vergleich

Im Zehnjahresvergleich zeige sich allerdings nach wie vor eine Stagnation. „Während andere Berufsgruppen eine kontinuierliche Steigerung verzeichnen, stehen wir noch nicht einmal bei den Einkommen, die unsere Bäuerinnen und Bauern 2012 hatten“, so Totschnig, und erinnert: „Das Einkommen ist die Voraussetzung dafür, dass unsere Betriebe betriebliche Umbauarbeiten für mehr Tierwohl, Klimaschutz und Biodiversität stemmen können.“

 

Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Produktion hat im Vorjahr rund 1,2 Prozent zur Bruttowertschöpfung beigetragen. Der Produktionswert der Land- und Forstwirtschaft lag bei rund 10,9 Mrd. Euro. Österreichs agrarischen Exporte haben sich 2021 um 8,5 Prozent auf 13,84 Mrd. Euro erhöht. „Hier zeigt sich einmal mehr der enorme Wirtschaftsfaktor, zu dem unsere Bäuerinnen und Bauern beitragen. Sie versorgen uns nicht nur mit regionalen Lebensmitteln, pflegen Almen und Wälder, sondern sorgen auch für Wohlstand in den Regionen“, betont der Minister.

Der Grüne Bericht steht hier zur Verfügung: https://gruenerbericht.at

Der Nebel lichtet sich über der Einkommenssituation in der österreichischen Landwirtschaft. Aufgrund der Klimakrise und Preissteigerung ziehen sich aber bereits nächste Wolken auf. Foto: IMAGO / YAY Images
Der Nebel lichtet sich über der Einkommenssituation in der österreichischen Landwirtschaft. Aufgrund der Klimakrise und Preissteigerung ziehen sich aber bereits nächste Wolken auf. Foto: IMAGO / YAY Images

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