Soldaten des Bundesheeres an der Grenze Österreich; Polizisten sind auch in Ungarn und in Serbien im Einsatz. Foto: Bundesheer

Das miese Geschäft mit falschen Hoffnungen hat Konjunktur: Schlepper erzählen wanderungswilligen Personen in außereuropäischen Ländern, Europas Grenzen seien offen und dessen Länder zugänglich. In Österreich steigt die Anzahl der festgenommenen Schlepper und der gestellten Asylanträge. Innenminister Gerhard Karner kündigte weitere Maßnahmen gegen Schlepper an. Und er reist mit Außenminister Alexander Schallenberg in die Türkei und nach Ägypten, wo sich Tausende Personen aufhalten, die weiterreisen wollen.

 

Kampf gegen organisierte Schlepperkriminalität

„Der Kampf gegen organisierte Schlepperkriminalität und illegale Migration ist einer meiner Schwerpunkte als Innenminister“ erklärte Gerhard Karner am Freitag. „Diese Form von Menschenhandel ist einer der lukrativsten und am meisten menschenverachtenden Zweige der organisierten Kriminalität“, sagte Innenminister Gerhard Karner bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, und dem Leiter der Sektion Fremdenwesen im Innenministerium, Peter Webinger. Den Kriminellen seien Menschenleben völlig egal, wie das jüngste – nicht rechtskräftige – Urteil gegen einen Schlepper wegen zwei toter Migranten im Burgenland zeige.

 

Internationale Kooperation

Das präsentierte Maßnahmenpaket umfasst drei Bereiche:

  • Schutz der EU-Außengrenze,
  • verstärkte Kooperation mit Ungarn und den Westbalkan-Staaten
  • Intensivierung der Kontrollen der österreichischen Grenze.

„Nur wenn diese unterschiedlichen Maßnahmen zusammenwirken, können wir im Kampf gegen Schlepperei und illegale Migration bestehen“, sagte Karner.

Vor allem in den vergangenen Wochen habe die Polizei bei ihren Kontrollen im grenznahen Raum einen Anstieg von Migrantinnen und Migranten registriert, die wenig Aussicht auf Asyl hätten. „Bis Mai gab es über 21.000 Asylanträge, vor allem von Menschen aus Tunesien, Pakistan und der Türkei. Das ist ein Plus von 150 Prozent im Vergleich zum Vergleichszeitraum im Vorjahr“, betonte Karner laut einer Aussendung seines Ressort

Daher habe man die bereits erfolgreiche Informationskampagne auf diese Staaten ausgeweitet, sagte Peter Webinger. Diese Info-Kampagne solle die potenzielle Migrantinnen und Migranten bereits in ihren Heimatländern vor den kriminellen Machenschaften der Schlepper warnen soll.

Karner kündigte zudem an, am Samstag gemeinsam mit Außenminister Alexander Schallenberg nach Ägypten und in die Türkei reisen, um mit den dortigen Amtskollegen Gespräche führen, kündigte Karner an. „Wir wollen Ägypten unsere Unterstützung beim Grenzschutz und bei der Schleppereibekämpfung anbieten.“

 

Starke Partnerschaft mit Ungarn

Auch die Kooperation mit Ungarn und den Westbalkan-Staaten soll weiter intensiviert werden. „Wir werden Ungarn mit weiteren rund 50 Polizistinnen und Polizisten bei der Kriminalitätsbekämpfung an der serbischen Grenze unterstützen“, betonte der Innenminister.

Weitere konkrete Maßnahmen: Das Innenressort werde weitere Geräte wie Wärmebildkameras und Drohnen zur Verfügung stellen. Außerdem werde ein Herzschlagdetektor beschafft, mit dem Lastwagen rascher kontrolliert werden können. Weiterhin sind 100 Polizistinnen und Polizisten im Auslandseinsatz, die größtenteils in Ungarn und auf dem Balkan kriminellen Schleppern das Handwerk legen.

Im Juli werden im die Einheiten im Burgenland zusätzlich mit 55 Polizistinnen und Polizisten verstärkt, kündigte Karner an. Gleichzeitig werde man die täglichen gemischten Streifen, die es mit ungarischen Grenzpolizisten seit vergangenen Dezember gibt, von 14 auf 19 erhöhen. Bisher konnten im Rahmen dieser Kooperation mehr als 120 Schlepper festgenommen und 1.400 illegale Migrantinnen und Migranten in Ungarn gestoppt werden.

Präsentation des "Schlepperbericht 2021": Innenminister Gerhard Karner und Referatsleiter und Migrationsexperte Gerald Tatzgern. Foto: BMI/Jürgen Makowecz

Präsentation des „Schlepperbericht 2021“ im Juni: Innenminister Gerhard Karner und Referatsleiter und Migrationsexperte Gerald Tatzgern. Foto: BMI/Jürgen Makowecz

Europäische Solidarität gefordert

„Wir werden den Kampf gegen Schlepperei und illegaler Migration weiter verstärken und konsequent fortführen“, hielt Karner fest und verwies auf die seit Anfang Mai erfolgreich gestartete „Aktion scharf“: Im ersten Halbjahr 2022 konnten bereits 267 Schlepper festgenommen werden – eine Steigerung um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Gleichzeitig appellierte der Innenminister an die europäische Solidarität: „Beim EU-Außengrenzschutz und der strategischen Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern der Migranten benötigen wir die Unterstützung der Europäischen Kommission.“ Er werde daher dieses Thema auch beim informellen Rat der EU-Innenminister in Prag ansprechen und „nach einem ersten Schritt der französischen Ratspräsidentschaft“ auf weitere Maßnahmen pochen. „Die Kommission hat mit Visumpflicht und Wirtschaftshilfen zwei starke Habel zu Hand“, meinte Karner.