News
Erstmals seit zwei Jahrzehnten: Mehr Abschiebungen als Asylanträge
Österreich verzeichnet erstmals seit mehr als 20 Jahren eine Minuszuwanderung: Im ersten Halbjahr 2026 lag die Zahl der Abschiebungen höher als jene der neuen Asylanträge. Die Asyl-Halbjahresbilanz weist den niedrigsten Wert seit 23 Jahren aus, die Innenminister Gerhard Karner am Dienstag präsentierte.
Die wichtigsten Kennzahlen der aktuellen Asylstatistik: Rund 2.000 Asylerstanträgen stehen mehr als 2.200 Abschiebungen nach einem Asylantrag gegenüber. Bei der Gesamtzahl sind es 4.900 Anträge bei mehr als 7.000 Abschiebungen.
Karner spricht von „Minuszuwanderung“
Innenminister Gerhard Karner ordnete am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Innenministerium die Zahlen ein. „Unterschiedliche Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Zahl der Abschiebungen im gesamten ersten Halbjahr erstmals höher ist als die Zahl neuer Asylanträge“. Diesen Weg und die Minuszuwanderung gelte es nun abzusichern. Der europäische Asylpakt sei „eine wichtige Voraussetzung, dass wir wieder in ganz Europa wieder Herr im eigenen Haus sind“.
Rückgang um 44 Prozent
Die Zahl der Asylanträge befindet sich laut Ministerium auf dem niedrigsten Niveau seit rund 23 Jahren. Von Jänner bis Juni 2024 wurden noch rund 13.600 Anträge gestellt, im Vergleichszeitraum 2025 mehr als 8.800 und heuer rund 4.900 – ein Rückgang um rund 44 Prozent. Bei der Pro-Kopf-Belastung liegt Österreich in der EU damit an zwölfter Stelle; lediglich 1,6 Prozent aller in der Union gestellten Anträge entfielen auf Österreich. Neben Polen verzeichnet Österreich den größten Rückgang. Deutlich ausgewirkt hat sich auch das Aussetzen des Familiennachzugs: Kamen von Jänner bis Juni 2024 noch mehr als 6.000 Personen auf diesem Weg nach Österreich, waren es im Vergleichszeitraum 2026 nur mehr 48 Personen.
Weniger Quartiere, geringere Kosten
Die Zahl der Asylwerber in der Grundversorgung liegt mit rund 5.500 Personen auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die Zahl der Bundesquartiere wurde von 30 auf acht reduziert, weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung. Insgesamt kann das Budget für Asyl und Fremdenwesen in den nächsten beiden Jahren um rund 20 Prozent gesenkt werden. Die Belegung der Bundesbetreuungseinrichtung Traiskirchen ist mit 239 Menschen auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Grundversorgungsvereinbarung 2004.
Andreas Achrainer, Geschäftsführer der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen, verwies darauf, dass man die Trendumkehr bereits 2023 gesehen und viele Maßnahmen gesetzt habe, „die zu einer Einsparung von 125 Millionen Euro in der Grundversorgung von Asylwerbern geführt haben“.
Beim Grenzraumschutz zeigt der Vergleich die Entwicklung: In der Kalenderwoche 41 des Jahres 2022 wurden im Burgenland rund 3.700 Menschen nach illegaler Einreise aufgegriffen. In der vergangenen Woche waren es acht.
EU-Asylpakt in Anwendung
Der EU-Asylpakt, laut Ministerium die größte fremdenrechtliche Novelle seit 20 Jahren, ist Mitte Juni 2026 in Kraft getreten. Gearbeitet wird nun an Asylgrenzverfahren direkt an den EU-Außengrenzen, verschärften Haft- und Bewegungseinschränkungen sowie an Asylverfahren außerhalb der EU samt der zugehörigen Rückkehrverordnung, die Rückkehrzentren in Drittstaaten ermöglicht. Gruppenleiterin Elisabeth Wenger-Donig zog ein „äußerst positives“ Resümee: Die Umsetzung sei im behördlichen Alltag des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vollumfänglich angelaufen. „Seit fast 40 Tagen ist der Asyl- und Migrationspakt in Anwendung und das Resümee ist äußerst positiv. Wir leisten damit einen Beitrag auf europäischer Ebene zum Gelingen des Paktes – einem wesentlichen Schritt zu einem effizienteren und fairen Asylsystem in Europa.“
In der „Gruppe der Umsetzer“ arbeitet das Innenministerium gemeinsam mit Deutschland, Dänemark, Griechenland und den Niederlanden auf EU-Ebene an der konkreten Umsetzung von Rückkehrzentren in Drittstaaten. Die Verhandlungen sollen bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Die Regelungen zur Quote im Familiennachzug befinden sich in Finalisierung – die erste Quote wird laut Ministerium sehr gering ausfallen.
Gödl reagiert auf Asylstatistik: „Entschlossener Kurs“
ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl, zugleich Bereichssprecher für Sicherheit, Integration und Migration, sieht die Zahlen als Bestätigung des Regierungskurses: „Die aktuellen Asylzahlen belegen, dass die Asylpolitik der Volkspartei wirkt: Klar gegen illegale Migration, konsequent in der Umsetzung und gerecht gegenüber jenen, die tatsächlich Schutz benötigen.“ Das Ergebnis sei Resultat des „entschlossenen Kurses“ der Regierung und von Innenminister Karner, der den Grenzschutz gestärkt und Österreich in Europa „zu einem Vorreiter wirksamer Migrationspolitik gemacht“ habe.
Die Zahlen zeigten, dass konsequente Politik „mehr bewirkt als ideologische Kampfbegriffe“, so Gödl. Die Volkspartei setze ihren Weg mit wirksamen Rückführungen, restriktiver Asylpolitik und effektivem Grenzraumschutz fort: „Das ist Asylpolitik der Marke ÖVP: Klar, konsequent und gerecht.“
Lesetipp: Asylwende – 40 Abschiebungen täglich




