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Regierung will erfolgreichen Tourismus weiter stärken
Der erste Ministerrat im neuen Jahr widmete sich am Mittwoch dem Tourismus. Starke Zahlen zum abgelaufenen Jahr und die laufende Wintersaison unterstreichen die Dominanz und Bedeutung des Tourismus in Österreich. Diese Säule will nun die Regierung weiter stärken, denn die Branche steht auch vor enormen Herausforderungen.
Erfolgreiches Tourismusjahr 2025
Im Vergleichszeitraum Jänner bis November 2025 wurden in Österreich 143,34 Millionen Nächtigungen gemeldet – das sind 1,2 % mehr als im gleichen Zeitraum 2024. Der November 2025 markierte mit 5,73 Millionen Nächtigungen den besten Wert seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen im Jahr 1974 und ein Plus von 3,4 % gegenüber dem Vorjahr (Zur-Sache berichtete). Die Zahlen zeigen, dass die Nachfrage nach „Urlaub in Österreich“ größer denn je ist und auch die Nebensaison, insbesondere die Adventzeit, zunehmend an Bedeutung gewinnt. Genauso lässt die Buchungslage rund um den Jahreswechsel optimistisch ins Jahr 2026 blicken.
Wirtschaftliche Bedeutung
Der Tourismus trägt jährlich mehr als 6 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Zusammen mit der Freizeitwirtschaft erwirtschaftet die Branche rund 14 % des BIP – etwa 66 Milliarden Euro – und sichert über 567.000 Vollzeitäquivalente, also rund 14 % der Gesamtbeschäftigung. Diesen Wohlstandsfaktor will die Regierung weiter erhalten und ausbauen.
Hohe Personal- und Energiekosten belasten Erträge
„Allerdings darf die erfreuliche Buchungslage nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche aktuell durchaus vor wirtschaftlichen Herausforderungen steht“, heißt es wörtlich im Ministerratsvortrag, der am Mittwoch von Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner eingebracht wurde. Höhere Personal‑ und Energiekosten belasten die Ertragslage vieler Betriebe.
Die Bundesregierung hat deshalb ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, das den Tourismusstandort Österreich gezielt stärkt und langfristig wettbewerbsfähiger macht.
Vision T
Die Vision T bildet den strategischen Kern der neuen Ausrichtung. Seit Juni 2025 arbeitet Bund und Branche gemeinsam an einer langfristigen Strategie, die den Mehrwert des Tourismus für Bevölkerung, Regionen und Wirtschaft nachhaltig erhöhen soll. Nach einer 360‑Grad‑Analyse folgten fünf Expertengipfel zu den Themen Mehrwert im Tourismus, ökologische Nachhaltigkeit, Innovation & Digitalisierung, wirtschaftliche Resilienz sowie Arbeitsmarkt & Fachkräfte. Die gewonnenen Erkenntnisse werden ab März zusammen mit Stakeholdern in allen Bundesländern und in einem Jugendgipfel weiter vertieft, sodass bis Sommer 2026 ein zukunftsorientiertes Zielbild für den österreichischen Tourismus entsteht.
Sonderbudget Olympische Winterspiele
Die Österreich Werbung stellt rund 1 Million Euro für die Olympischen Winterspiele 2026 in Cortina und Mailand bereit, um die herausragende Wintersportkompetenz Österreichs im internationalen Kontext zu präsentieren. Durch ein ressortübergreifendes Übereinkommen soll die Nutzung sportlicher und kultureller Großveranstaltungen für touristisches Marketing im In‑ und Ausland noch gezielter erfolgen.
Modernisierung der Beherbergungsstatistik
Um die Datenbasis zu verbessern, wird die Beherbergungsstatistik modernisiert und digitalisiert. Analysen auf Eurostat‑Basis haben gezeigt, dass in der Statistik 2024 etwa 4 % der Nächtigungen fehlen könnten. Die neue Erhebung soll Schwachstellen beseitigen, Synergien mit dem Meldewesen und den Tourismusabgaben schaffen und ein digitales Gästeblatt als rechtliche und technische Grundlage etablieren.
Image Kampagne „Team-Tourismus“
Zur Stärkung des Arbeitsmarktes wird eine Image‑Kampagne „Team Tourismus“ gestartet. Sie soll den Tourismus als attraktiven, sinnstiftenden und zukunftssicheren Berufszweig positionieren und damit mehr Menschen für eine Karriere in der Branche gewinnen.
Beschäftigtenfonds
Ein Tourismusbeschäftigtenfonds wird mit jährlich 6,5 Million Euro ausgestattet, um die Bindung von Mitarbeitenden zu fördern, Aus‑ und Weiterbildungen zu unterstützen und die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse zu erhöhen.
Fachkräftestrategie
Parallel dazu wird eine Fachkräftestrategie für die Tourismusbranche entwickelt. Sie soll, in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, hochwertige Ganzjahresarbeitsplätze schaffen, die Saison verlängern und durch bessere Arbeitsbedingungen sowie gezielte Qualifizierungsmaßnahmen die langfristige Fachkräftebindung sichern.
Gewichtung in Inflationsberechnung
Die Bundesregierung prüft zudem die Gewichtung des Tourismus in der Inflationsberechnung. Da ein großer Teil der touristischen Wertschöpfung aus Auslandsgästen stammt und als Dienstleistungsexport gilt, soll gemeinsam mit Statistik Austria untersucht werden, ob die aktuelle Abgrenzung und Gewichtung im harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) zeitgemäß ist.
Bessere Betriebsübergaben
Im Hinblick auf die bevorstehende Betriebsnachfolge wird das Weiterbildungsprogramm „NextGen4Austria“ gestartet. Bis 2034 stehen in Österreich rund 52.500 Betriebe zur Übergabe an, was etwa 700.000 Arbeitsplätze betrifft. Bis 2029 werden allein im Tourismus 8.000 Übergaben erwartet. Das Programm soll potenzielle Nachfolger gezielt qualifizieren und ihnen Kompetenzen in den Bereichen Unternehmensnachfolge, Bewertung, Finanzierung, strategische Weiterentwicklung, Innovation und neue Geschäftsmodelle vermitteln.
Reform des Preisauszeichnungsgesetzes
Zur Entlastung der Beherbergungsbetriebe wird das Preisauszeichnungsgesetz reformiert. Die Preisangaben für Abgaben, insbesondere die Ortstaxe, sollen künftig klarer geregelt und die Verpflichtung, Zimmerpreise im Eingangsbereich sichtbar zu machen, in eine zeitgemäße Form gebracht werden.





