Die Bundesregierung stellt die neue Wasserstoffstrategie vor. Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher sieht darin große Chancen für österreichischen Technologiestandort und Arbeitsmarkt. Foto: Enzo Holey

Klimaneutraler Wasserstoff ist ein wichtiges Element für die österreichische Energiezukunft. Die Wasserstoffstrategie wurde in den vergangenen Monaten von den Experten des Klimaschutzministeriums gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und externen Fachleuten erarbeitet. Diese wurde nun von Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher und Klimaministerin Leonore Gewessler vorgestellt.

 

Die 5 Säulen der Wasserstoffstrategie

Die Wasserstoffstrategie beruht auf fünf Säulen, heißt es in dem Informationspapier der Ressorts für Klima und für Wirtschaft. Hier die wesentlichen Punkte:

 

  • In Österreich produzieren

Klimaneutraler Wasserstoff kann einen wichtigen Beitrag zur Energieunabhängigkeit Österreichs leisten. Mit dem in Österreich erzeugten Ökostrom kann Grüner Wasserstoff erzeugt werden und somit fossiles Erdgas ersetzen. Bis 2030 soll in Österreich eine Elektrolysekapazität von einem Gigawatt zur Wasserstoffproduktion zur Verfügung stehen. Das entspricht eine Produktion von 4 TWh grünem Wasserstoff im Jahr und damit auch der im Ausstiegsplan der Energieagentur vorgesehenen Menge.

 

  • Gezielt und mit Fokus einsetzen

Wasserstoff ist ein besonders hochwertiger Energieträger. Seine Produktion erfordert sehr viel Energie, die Verbrauchsprozesse haben oft niedrige Wirkungsgrade. Auf absehbare Zeit ist er ein knappes Gut und damit auch hochpreisig. Aber er liefert sehr hohe Temperaturen und ist als chemischer Grundstoff vielseitig.

Deswegen muss Österreich diesen Rohstoff so gezielt wie möglich dort einsetzen, wo es keine Alternativen gibt und diesen Sektoren Sicherheit geben. Gerade im Bereich der Industrie wird Wasserstoff helfen, auf klimafreundliche Produktionsweisen zu setzen. Von der chemischen Industrie bis zur Zementherstellung wird er benötigt. Bis 2030 will die österreichische Bundesregierung in diesen Bereichen 80 Prozent des heute aus fossilem Erdgas hergestellten Wasserstoff mit grünem Wasserstoff ersetzen.

 

  • Bestehende Infrastruktur nützen und erneuern

Für den Transport des Wasserstoffes von den Produktionsstätten zu den Verbrauchern werden passende Leitungen benötigt. Das bestehende Netz muss dafür umgebaut, redimensioniert und ertüchtigt werden. Wasserstoff wird ab nun deshalb im integrierten Netzinfrastrukturplan berücksichtigt. Leitungen, durch die heute noch Erdgas fließt, sollen künftig zu reinen Wasserstoffleitungen werden.

 

  • Internationale Partnerschaften aufbauen

Um die geforderte Menge Wasserstoff zu bekommen, damit ein Ausstieg aus der Erdgasabhängigkeit funktioniert, muss zukünftig auch dieser Rohstoff importiert werden. Dazu will die Bundesregierung auf Ebene des Staates und der Unternehmen Partnerschaften aufbauen. Das gerade erst von der EU-Kommission präsentierte RePowerEU-Paket ist hier ein wichtiger Schritt.

 

  • Technologie und Entwicklung stärken

Nicht nur die Produktion von grünem Wasserstoff ist für Österreich eine große Chance. Auch in der Technologieentwicklung liegen für den Wirtschaftsstandort große Chancen. Deshalb will die Bundesregierung die Entwicklung von Produkten und Technologien im Bereich Wasserstoff weiter fokussiert fördern. Über die IPCEI (Important Projects of Common European Interest) wird der Staat dafür insgesamt 125 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

 

Gesamtwertschöpfung von 368 Millionen Euro und 4.791 neue Vollzeitstellen

Für den Wirtschaftsstandort bietet der Ausbau von Wasserstoff verschiedenste Potentiale entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit dem Ausbau der Wasserstoffwirtschaft wird einerseits nachhaltiges Wachstum ermöglicht und andererseits eine neue Dynamik am Arbeitsmarkt geschaffen.

Eine Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2020 hat die ökonomischen Effekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette untersucht. Für den Aufbau von einem Gigawatt installierter Elektrolysekapazität bis 2030 berechnet die Studie dabei Investitionskosten in Höhe von 937 Millionen Euro, wovon 475,2 Millionen Euro in Österreich wirksam werden. Diese in Österreich wirksamen Investitionen führen zu einer Gesamtwertschöpfung von 368 Millionen Euro. Der errechnete Wertschöpfungsmultiplikator von 1,93 gibt an, dass ein Euro an Wertschöpfung, ausgelöst unmittelbar durch die Errichtung eines Elektrolyseurs, zu weiteren 0,93 Euro Wertschöpfung in anderen Sektoren in Österreich führt. Die dabei ausgelösten Beschäftigungseffekte bis 2030 belaufen sich auf 4.791 Vollzeitstellen

 

Große Chancen für den Arbeitsmarkt

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher sieht in dem Ausbau der Wasserstoffproduktion eine große Chance für den österreichischen Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt. Vor allem der Arbeitsmarkt wird durch die Dekarbonisierung und Ökologisierung beeinflusst. „Die Diversifizierung der Energieversorgung eröffnet neue Beschäftigungsfelder am Arbeitsmarkt und birgt ein hohes Beschäftigungspotential für sehr gute Jobs der Zukunft“, so Kocher. Die österreichische Wasserstoffstrategie gibt nun den Rahmen und die Richtung für den Umstieg auf grünen Wasserstoff in Österreich vor. An ihr können sich Förderungen und gesetzliche Maßnahmen ausrichten, damit möglichst schnell eine große Wirkung erzielt werden kann.

Die Bundesregierung stellt die neue Wasserstoffstrategie vor. Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher sieht darin große Chancen für österreichischen Technologiestandort und Arbeitsmarkt. Foto: Enzo Holey
Die Bundesregierung stellt die neue Wasserstoffstrategie vor. Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher sieht darin große Chancen für österreichischen Technologiestandort und Arbeitsmarkt. Foto: Enzo Holey

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