Mit dem Lehrberufspaket erhält die klassische Tischlerlehre zwei neue Berufsbilder. Foto: istock / filadendron

In der heutigen Ministerratssitzung wurde das neue Lehrberufspaket beschlossen. Es erweitert und ergänzt die Lehrberufsliste um Ausbildungsmöglichkeiten in Technik und Handwerk. Mit dem Paket werden fünf Lehrberufe modernisiert und an aktuelle Anforderungen in der Arbeitswelt angepasst. Drei Berufsbilder werden erneuert und zwei Lehrberufe um weitere Ausbildungsmodule erweitert.  Die Regierung sieht darin eine wichtige Maßnahme als Antwort auf die hohe Nachfrage nach Fachkräften

 

Zunahme der Lehre im 1. Lehrjahr

Derzeit absolvieren rund 93.527 Personen eine Lehrausbildung in einem Unternehmen. Das entspricht dem Niveau vom Mai des Vorjahres. Gleichzeitig ist bei den Lehrlingen im 1. Lehrjahr, also bei den Personen, die erst vor Kurzem eine Lehre gestartet haben, ein Zuwachs von 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.

 

Zum neuen Lehrberufspaket

Viele Lehrberufe entsprechen nicht mehr den aktuellen wirtschaftlichen oder auch technischen Gegebenheiten in der betrieblichen Praxis. Dazu kommt, dass sich mit der Digitalisierung und dem Wandel in der Arbeitswelt neue Berufsfelder auftun, die im derzeit verfügbaren Angebot an Lehrausbildungen nicht abgebildet werden, wie Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher und Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm im Pressefoyer nach dem Ministerrat bekanntgaben.

 

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher sowie Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm im Pressefoyer nach der Ministerratssitzung. Foto: BKA / Christopher Dunker

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher sowie Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm im Pressefoyer nach der Ministerratssitzung. Foto: BKA / Christopher Dunker

Hohe Nachfrage nach Fachkräften

„Mit dem neuen Lehrberufspaket modernisieren wir fünf Lehrberufe in den Bereichen Handwerk und Technik – angefangen bei der Tischlerlehre bis hin zur Lehre als Metalltechniker. Gerade hier besteht eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Mit attraktiven Lehrberufen wollen wir mehr junge Menschen dazu motivieren, eine Lehrausbildung zu beginnen“, erklärte Kocher. Für Plakolm ist es wichtig, dass bei den Lehrberufen auch mit der Zeit gegangen werden muss. „Damit die Lehre nicht der Plan B ist, wenn es mit der Schule nicht klappt, sondern der Plan A für eine praktische Ausbildung, braucht es viele Schritte. Wir müssen dafür nicht nur am Image der Lehre arbeiten, sondern natürlich auch mit der Zeit gehen, die Berufsbilder und die Rahmenbedingungen laufend aktualisieren.“

 

Konkret werden drei Berufsbilder erneuert

  1. Lehrberuf „Tischlerei“: Die zwei Lehrberufe Tischlerei und Drechslerei werden mit der Möglichkeit eines jeweiligen Schwerpunktes zusammengeführt. Ein neuer Fokus der Ausbildung wird hier die Nachhaltigkeit sein (z.B. Materialeinsatz). Betroffen sind rund 2.150 Lehrlinge.
  2. Lehrberuf „Tischlereitechnik“: Dieser Lehrberuf wird insbesondere von größeren Unternehmen mit IT-gestützter Planung und Produktion genutzt. Hier werden die Lehrberufe Tischlereitechnik und Modellbauer/Modellbauerin zusammengeführt. Künftig gibt drei Schwerpunkte: Produktion, Planung und Modell- und Formenbau. Betroffen sind rund 900 Lehrlinge.
  3. Lehrberuf „Kunststoffformgebung“: Rund 300 Lehrlinge erhalten ein neues Berufsbild mit Fokus auf Ressourcen in den Verfahren.

 

Zwei Berufsbilder werden ergänzt:

  1. Beim Lehrberuf Metalltechnik – der zahlenmäßig größte technische Lehrberuf – gibt es einen neuen Schwerpunkt der Sicherheitstechnik. Lehrlinge lernen damit bei ihrer Ausbildung künftig mehr über alle technischen Vorrichtungen, die der Sicherheit dienen.
  2. Beim Lehrberuf „Mechatronik“ wird es ein neues Spezialmodul „Digitale Fertigungstechnik“ geben, bei dem Arbeiten mit Robotern erlernt werden kann.

 

3.500 Lehrverhältnisse betroffen

Das neue Lehrberufspaket soll am 1. August 2022 in Kraft treten, damit die neuen Berufsbilder zu Beginn des kommenden Ausbildungsjahres 2022/2023 zur Verfügung stehen. Die Modernisierung der Lehrberufe wurde in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern sowie mit Expertinnen und Experten der betroffenen Branchen inhaltlich erarbeitet und betrifft insgesamt 3.500 Lehrverhältnisse.  „Die Ausbildungsinhalte vieler Lehrberufe entsprechen nicht mehr den aktuellen wirtschaftlichen oder technischen Gegebenheiten in der betrieblichen Praxis. Durch das neue Lehrberufspaket erhalten rund 3.500 Lehrlinge eine Ausbildung am Puls der Zeit, die den Wandel der Arbeitswelt vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit berücksichtigt“, betont der Arbeitsminister.

 

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Führungskräfte von morgen

Plakolm sieht in der Lehre den Grundstein für die Führungskräfte und Unternehmer von morgen und fordert die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Lehre. Ich halte es für enorm wichtig, dass wir heute gemeinsam einen weiteren Baustein für eine tragfähige Ausbildung für die Zukunft setzen. Denn: Unsere Lehrlinge sind kluge Köpfe mit Anpackerqualitäten, Welt- und Europameister in ihrem Fach und sie sind die Führungskräfte und Arbeitgeber von morgen. Und um das auch in Zukunft zu sein, brauchen sie unsere volle Unterstützung und Aufmerksamkeit.“