Nach Gas-Drosselung: Regierung setzt weitere Schritte

Nach Rückgang der Gas-Lieferungen aus Russland wird das Kraftwerk im steirischen Mellach umgerüstet. Foto: Verbund
Nach Rückgang der Gas-Lieferungen aus Russland wird das Kraftwerk im steirischen Mellach umgerüstet. Foto: Verbund

Bereits vor Wochen traf die Bundesregierung Vorkehrungen zur Sicherung der Gasversorgung und Aufstockung der Gasreserven in Österreich. Nachdem in den vergangenen Tagen die Lieferungen mit russischem Gas zurückgegangen sind, reagiert die Bundesregierung ein weiteres Mal. Bundekanzler Karl Nehammer berief am Sonntag das „Kleine Krisenkabinett“ ein. Ergebnis: Ein bereits stillgelegtes Kraftwerk wird umgerüstet und weitere gesetzliche Maßnahmen werden geprüft.

 

An der Sitzung im Kanzleramt nahmen am Sonntagabend neben Bundeskanzler Nehammer auch Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Wirtschaftsminister Martin Kocher sowie Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Ministerien teil.

Österreich traf bereits früh Vorkehrungen zur Erhöhung der Füllstände österreichischer Gasspeicher. (Zur-Sache berichtete)

  • Für den Ankauf einer strategischen Gasreserve in der Größenordnung von 20 Terawattstunden (mindestens 7,4 Terawattstunden davon nicht aus Russland) stehen bis zu 6,6 Milliarden Euro zur Verfügung.
  • Das Gasdiversifizierungsgesetz fördert den Ankauf von nicht-russischem Gas mit bis zu 100 Millionen Euro.
  • Für die heimische Industrie wurde die Möglichkeit geschaffen, selbst Gas zu bevorraten.
  • Darüber hinaus gibt es finanzielle Unterstützung für Industrieunternehmen, die Gas durch andere Energieträger ersetzen.
  • Um die gesamte Speicherinfrastruktur nutzbar zu machen wurde eine Use-it-or-lose-it-Regelung auf den Weg gebracht. Speicherbetreiber werden dazu verpflichtet, ihre Speicher zu befüllen oder andernfalls an andere Betreiber abzugeben.

 

Österreichische Speicherstände im europäischen Spitzenfeld

Österreich hat mit Stand 15. Juni rund 39 Prozent seines Jahresverbrauchs in Gasspeichern eingespeichert. Damit liegt Österreich in der Bevorratung in der europäischen Union an zweiter Stelle. Mit einer Speicherkapazität von rund 95 Terawattstunden (entspricht ca. einem Ganzjahresbedarf) verfügt Österreich über eine der höchsten Speicherkapazitäten in der EU. In Sommermonaten liegt der Gasbedarf in Österreich bei rund 4-6 Terawattstunden, in Wintermonaten bei 10 bis 12 Terawattstunden.

 

Im internationalen Vergleich sind Österreichs Gasreserven gut gefüllt. Bis zum 1. November möchte man die Reserven noch verdoppeln und einen Füllstand von 80 Prozent erreichen. Grafik: BKA/AGSI

Im internationalen Vergleich sind Österreichs Gasreserven gut gefüllt. Bis zum 1. November möchte man die Reserven noch verdoppeln und einen Füllstand von 80 Prozent erreichen. Grafik: BKA/AGSI

 

Nehammer: Einspeicherung läuft nach Plan

Bundekanzler Karl Nehammer sieht Österreich auf eine länger anhaltende Lieferdrosselung aus Russland gut vorbereitet. Die Energiesicherung bleibt weiterhin das oberste Ziel. „Österreich hat im internationalen Vergleich eine extrem hohe Speicherkapazität. Wir können einen Ganzjahresverbrauch in unseren Speichern einlagern. Bisher läuft die Einspeicherung nach Plan, jetzt geht es darum, die Reduktion vom russischen Gas durch andere Quellen bzw. Lieferanten zu ersetzen, um weiterhin einen Vorrat anlegen zu können. Dafür werden wir alle Vorbereitungen treffen und die notwendigen Maßnahmen setzen. Die Versorgung des Landes zu sichern ist unser oberstes Ziel.“

 

Verbund wird Kraftwerk Mellach zur erneuten Kohlenutzung umrüsten

Die Bundesregierung und der Energiekonzern VERBUND haben vereinbart, das derzeit stillgelegte Fernheizkraftwerk Mellach (Steiermark) erneut so umzurüsten, dass im Notfall wieder Strom aus Kohle (nicht aus Gas) produziert werden kann.

Zudem werden weitere gesetzliche Maßnahmen zur Diversifizierung der Gaslieferungen geprüft, mit dem Ziel die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu reduzieren.