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Steigende Jugendkriminalität – Karner fordert „klare Konsequenzen“

Schwerpunkaktion und Lokalaugenschein am Mittwochabend in Wien Meidling. Innenminister Gerhard Karner fordert angesichts steigender Jugendkriminalität härterer Konsequenzen. Foto: BMI/Jürgen Makowecz

Die Jugendkriminalität steigt weiter an. Die Zahl der unter 18-jährigen Tatverdächtigen ist binnen vier Jahren um 32 Prozent gestiegen – der Innenminister kündigt „Auszeit-WGs“, Waffenverbotszonen und Fallkonferenzen für ganz Österreich an.

Die steigende Jugendkriminalität und die Radikalisierung junger Menschen stellen Polizei und Verfassungsschutz vor wachsende Herausforderungen. Kriminalität und extremistische Phänomene verlagerten sich zunehmend in den digitalen Raum und erreichten dabei immer jüngere Menschen. Steigen würden sowohl die Zahl der Intensivtäter – also jener Minderjähriger, die für teils hunderte Straftaten verantwortlich sind – als auch die Zahl krimineller Minderjähriger insgesamt, besonders bei den Zehn- bis 14-Jährigen. „Wenn Jugendliche oder Kinder Straftaten begehen, andere terrorisieren, schlagen oder mobben, dann muss es klare Konsequenzen geben“, betont Innenminister Gerhard Karner bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. „Es muss gezeigt werden, dass wir das nicht dulden.“

 

Stärkster Anstieg bei den Zehn- bis 14-Jährigen

Die Gesamtzahl der unter 18-jährigen Tatverdächtigen stieg von 37.185 im Jahr 2021 auf 49.067 im Jahr 2025 – ein Plus von rund 32 Prozent. Bei den fremden Tatverdächtigen unter 18 Jahren hat sich die Zahl im selben Zeitraum von rund 11.000 auf rund 22.000 verdoppelt. Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei syrischen Tatverdächtigen im Alter von zehn bis 14 Jahren aus: Hier stieg die Zahl von 318 (2021) auf 1.528 (2025) und damit auf nahezu das Fünffache.

Auch im 20-Jahres-Vergleich zeigt sich ein deutlicher Anstieg: Die Zahl der Tatverdächtigen unter 18 Jahren erhöhte sich von 27.963 (2006) auf 49.067 (2025), ein Plus von rund 75 Prozent. Bei den 14- bis unter 18-Jährigen beträgt der Anstieg rund 62 Prozent, bei den Zehn- bis unter 14-Jährigen sogar rund 137 Prozent.

 

Schwerpunktaktion in Meidling

Von der verstärkten Schwerpunktarbeit machten sich Karner und Bundespolizeidirektor Michael Takacs am Abend des 19. August selbst ein Bild: Bei einer groß angelegten Aktion in Wien-Meidling führten über 80 Polizistinnen und Polizisten – mit Unterstützung aus vier Bundesländern – Kontrollen durch. Dabei wurden 195 Personen kontrolliert, darunter 54 Minderjährige und 16 Strafunmündige. Fünf Personen wurden festgenommen, 36 angezeigt.

„Die koordinierten Schwerpunktaktionen der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität zeigen bereits deutliche Wirkung“, erklärt der Wiener Landespolizeivizepräsident und Bundeskoordinator der Einsatzgruppe, General Dieter Csefan. Mit Unterstützung aus mehreren Bundesländern werde der Kontrolldruck weiter erhöht. Gleichzeitig würden „jene Jugendlichen geschützt, die selbst Opfer von Gewalt und Jugendkriminalität werden“. Seit Bestehen der Einsatzgruppe wurden rund 1.600 Personen festgenommen, darunter rund 600 Minderjährige. Zudem wurden mehr als 200 Waffen, insbesondere Messer und Schlagringe, sichergestellt.

 

Karner kündigt bundesweite Maßnahmen an

Im Ö1-Mittagsjournal kündigte Karner an, die Wiener „Auszeit-WG“ sei „erst der Anfang“. Man werde das Modell „österreichweit ausdehnen“. Kommen sollen bundesweit auch Waffenverbotszonen und sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen.

Nach mehreren Taten sollen künftig auch unter 14-Jährige zu „polizeilichen Regelbelehrungen“ vorgeführt werden können. „Gemeinsam mit den Eltern“, so Karner, „weil wir ja noch stärker auf die Elternverantwortung setzen müssen“. Werde diesem Verlangen nicht nachgekommen, gebe es „auch empfindliche Strafen“.

 

Verfassungsschutz warnt vor immer jüngerer Radikalisierung

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Früherkennung von Radikalisierung, die laut Behörden ebenfalls immer jüngere Menschen trifft. Hauptsächlich online, in Foren und auf Gaming-Plattformen. DSN-Direktorin Sylvia Mayer nannte drei zentrale Entwicklungen: Die Ideologie rücke „immer weiter in den Hintergrund“, der Online-Raum sei „zentraler Ort von Radikalisierung“, und die Täter würden „immer jünger“.

Wie ernst die Lage ist, unterstrich Mayer im Ö1-Interview mit Zahlen: 2025 seien in Europa „über 40 Prozent der Täter unter 18 Jahren“ gewesen, die Anschläge geplant oder durchgeführt hätten. „Die jüngste Person war gerade mal zwölf“. Für Österreich verwies sie auf die Anschlagsplanung eines 14-Jährigen auf den Wiener Westbahnhof sowie die Festnahme eines 14-Jährigen in Tirol, der rechtsterroristische Anschläge geplant habe. Am Beginn der Radikalisierung stünden Feindbilder, die man für die eigenen Probleme verantwortlich mache. „Vom Westen und den ganz allgemeinen liberalen westlichen Werten bis hin zu LGBTQ zu Migranten, Juden und Jüdinnen oder auch Frauen im Allgemeinen“.

Mit den verstärkten Schwerpunktmaßnahmen und der Präventionsarbeit des Verfassungsschutzes verfolgen die Behörden nach eigenen Angaben ein gemeinsames Ziel: Jugendkriminalität konsequent zu bekämpfen, Radikalisierung früh zu erkennen und junge Menschen besser vor kriminellen und extremistischen Entwicklungen zu schützen.

 

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