Herbe VP-Kritik an Personalrochade im Jüdischen Museum Wien

Direktorin Danielle Spera, Bundesministerin Klaudia Tanner, Botschafter Leigh Turner; Foto: JMW
Direktorin Danielle Spera, Bundesministerin Klaudia Tanner, Botschafter Leigh Turner; Foto: JMW

Der Direktionsposten am Jüdischen Museum in Wien wird neu besetzt: Barbara Staudinger folgt im Juli 2022 Danielle Spera nach. Die ÖVP-Wien bezeichnete diese Personalie umgehend als einen schockierenden Vorgang, der auf den Einfluss der SPÖ Wien zurückzuführen sei. Das Wirken von Danielle Spera als Direktorin des Jüdischen Museums wird von zahlreichen Persönlichkeiten ausdrücklich gewürdigt.

Der Posten war von der Wien Holding im März ausgeschrieben worden, worauf sich 20 Personen – inklusive Danielle Spera – bewarben. Für ihre angestrebte Vertragsverlängerung erhielt Spera umfassende, auch öffentliche Unterstützung von Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur. Sie hatte das Jüdische Museum in ihrer zwölfjährigen Tätigkeit renoviert, positioniert und zu einer international anerkannten Einrichtung geführt. Die Leitung des Jüdischen Museum Wien übernimmt aufgrund einer Entscheidung in der Wien Holding ab Juli 2022 nun Barbara Staudinger, denn die Findungskommission hatte sie als Favoritin gereiht. Staudinger leitet derzeit das Jüdische Museum Augsburg.

„Übelste Machtpolitik“ der SPÖ Wien

Mit scharfer Kritik reagiert Laura Sachslehner, Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin der Neuen Volkspartei Wien, auf diese Personalentscheidung: „Dass die stadteigene Wien-Holding den Vertrag von Danielle Spera, die das Jüdische Museum zu einem Haus auf Weltniveau gemacht hat, als Direktorin des JMW nicht verlängert, ist schockierend. Dieser Vorgang ist direkt auf den politischen Einfluss der SPÖ zurückzuzuführen.“ Hier werde eine erfolgreiche Frau, welche die Besucherzahlen des Jüdischen Museums vervielfacht hat, aus dem Amt gedrängt, weil sie die Ehefrau eines ÖVP Nationalratsabgeordneten ist und „dies politisch für die Wiener Sozialisten nicht opportun ist“, erklärte Sachslehner.

Und wörtlich meint Sachslehner: „Trotz breiter Unterstützung aus der Zivilgesellschaft, hervorragenden Besucherzahlen und großer internationaler Anerkennung sowie dem deutlichen Bekenntnis von Danielle Spera, das Museum weiterhin leiten zu wollen, hat das rote Wien heute eine fatale Entscheidung gegen den erfolgreichen Kurs der ehemaligen ORF-Journalistin getroffen.“

Israelitische Kultusgemeinde Wien würdigt Speras Einsatz

Mit Dank und Anerkennung für Danielle Spera meldet sich der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, zu Wort: „Dr.in Danielle Spera hat das Jüdische Museum und damit das Erleben jüdischer Geschichte in Wien und darüber hinaus nachhaltig geprägt. Für diese besondere Leistung möchte ich mich bei ihr ganz herzlich bedanken.” Spera habe das Jüdische Museum Wien seit elf Jahren überaus erfolgreich geführt, ergänzte Deutsch. Durch ihr besonderes Engagement konnte sie das Museum neu aufstellen – deutlich mehr Besucherinnen und Besucher lernten darüber die jüdische Geschichte und Kultur kennen.

Vermittlung der Geschichte und Restitutionen

Nach einer umfassenden Renovierung präsentiert sich das Jüdische Museum in der Dorotheergasse mit einem inhaltlich neu ausgerichteten Schaudepot und seit November 2013 auch mit einer neuen Dauerausstellung „Unsere Stadt!“. Diese bietet einen umfassenden Einblick in das jüdische Leben, die Geschichte des jüdischen Wien und führt von der Gegenwart in die Vergangenheit.

Zum Bild oben mit Direktorin Spera, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und US-Botschafter Leigh Turner: Das Jüdische Museum Wien übernahm heuer in Vertretung der Erbinnen und Erben von Viktor Ephrussi das Gemälde „Lagerszene aus dem Jahre 1848 in Italien“, 1870, von Franz Adam. Das Museum wurde durch die Bundesregierung ermächtigt, die Rückgabe vorzunehmen. Die Restitution des Gemäldes aus den Beständen des Heeresgeschichtlichen Museums an die Ephrussi-Erben war Dank der Forschung zur Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ im Jahr 2019 möglich geworden. Das Gemälde „Lagerszene aus dem Jahre 1848 in Italien“ wird ab 19. November 2021 in der Ausstellung „The Hare with Amber Eyes“ im Jewish Museum New York zu sehen sein.