Mediziner erklärt – Was tun gegen Corona-Partys?

Mediziner Karlheinz Kornhäusl erklärt die Risiken und Folgen der Corona-Partys. Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Topf / iStock mediaphotos / iStock egal
Mediziner Karlheinz Kornhäusl erklärt die Risiken und Folgen der Corona-Partys. Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Topf / iStock mediaphotos / iStock egal

Dr. Karlheinz Kornhäusl ist Mediziner und Facharzt am Landeskrankenhaus (LKH) Graz 2. Zudem ist Dr. Kornhäusl seit 2019 Mitglied des österreichischen Bundesrates. Zur-Sache stand der Mediziner Rede und Antwort zu den brennendsten Fragen rund um das Thema Corona-Partys, deren Risiken sowie die Möglichkeiten, dieser aufkommenden Entwicklung entgegenwirken zu können.

 

Zur-Sache: Es gibt erste Berichte von Corona-Partys in der Steiermark. Dabei stecken sich Personen absichtlich mit Corona an, um – nach überstandener Erkrankung – für 6 Monate als genesen zu gelten. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung / diese Vorhaben?

Dr. Karlheinz Kornhäusl: Früher wurden Masern-Partys veranstaltet, jetzt sind es Corona-Partys. Beides ist hochgradig unvernünftig und gefährlich. Eine rationale Erklärung dafür gibt es kaum. Ich finde es vor allem auch deshalb so bestürzend, weil wir ja eine „Waffe“ gegen die Pandemie – nämlich in Form der Impfung – hätten. Ich betone das immer wieder: Wo würden wir als Menschheit heute stehen, hätten wir in der Vergangenheit nicht auf die großen Errungenschaften von Wissenschaft und Medizin vertraut?

 

Wieso sind diese Partys aus medizinischer Sicht riskant? Für die Betroffenen? Für deren weitere Kontaktpersonen?

Sich einer Infektion auszusetzen, heißt immer auch, die Krankheit samt der Möglichkeit eines lebensbedrohlichen Verlaufs in Kauf zu nehmen. Das macht zwar nur eine Minderheit, aber jeder, der da mittut, gefährdet immer auch unschuldige und unwissende Kontaktpersonen. Und die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Nach „Freiheit und Demokratie“ einerseits zu rufen, und sich so unsolidarisch andererseits zu verhalten, das passt in meinen Augen nicht zusammen.

 

Wie kann bzw. soll man gegen diese Corona-Partys vorgehen? Verbot? Polizei-Kontrollen in privaten Räumen? Oder Lockdown für alle?

Ich kenne niemanden, der sich eine totale Kontrolle wünscht. Der erfolgreiche Appell an das Verantwortungsbewusstsein ist immer besser. Aber da müssen die Menschen auch bereit sein, sachliche Informationen anzuerkennen. Sonst tragen sie die Schuld an einem dichten Kontrollnetz, das als letzte Konsequenz immer denkbar, vielleicht sogar unausweichlich ist.

 

Sind die Teilnehmer der Corona-Partys Gefährder? Kann durch diese Partyteilnehmer das Corona-Virus einige Tage – ehe eine mögliche Erkrankung erkennbar wird – unkontrolliert weitergegeben werden?

Mit dem Wort „Gefährder“ soll man vorsichtig umgehen. Die Corona-Party-Teilnehmer sind jedenfalls eine Gefahr für sich selbst, und natürlich auch für die Menschen in ihrer Umgebung.

 

Was ist aus medizinischer und ärztlicher Sicht erforderlich, um die Corona-Krise nachhaltig bewältigen zu können?

Dafür müssen erstens alle zusammenhelfen und sich zweitens darüber im Klaren sein, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten – und sei der Beitrag auch noch so klein – gibt: Von der Hygiene über das Abstandhalten bis hin zur Maske. Was wir aber definitiv brauchen, ist eine deutlich höhere Durchimpfungsrate und ein rasches Boostern, sprich den sogenannten 3. Stich. Das haben wir in einigen Ländern wie zum Beispiel Israel gesehen, wo die Neuinfektionsraten dadurch massiv gesunken sind. Je mehr Menschen dabei mitmachen, desto früher ist Corona keine akute Gefahr mehr. Es macht ja – flapsig formuliert – niemand für den Staat. Jeder sollte es eigennützig und zum Schutz seiner Mitmenschen tun.