So wird in Österreich Impfstoff produziert

Foto: iStock / solarseven
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Zur-Sache Report

Comirnaty (BioNTech/Pfizer), Vaxzevria (AstraZeneca), Zorecimeran (Curavc), Die Namen der Corona-Impfstoffe vermitteln einen hochkomplexen Eindruck und lassen auf große internationale Konzerne schließen, die hinter den begehrten Produkten stehen. Tatsächlich jedoch wird in Klosterneuburg (NÖ) oder bald auch in Kundl (Tirol) produziert. Diese Standorte stehen für den Beitrag, den österreichische Unternehmen für die Corona-Impfstoff Forschung und Produktion leisten.

 

Drei Stationen für jeden Impfstoff

Dabei kann man an den drei Standorten in Österreich die Entstehung der Impfstoffe verfolgen. Dieser wird nicht etwa in lediglich einer Firma hergestellt. Die hochkomplexe Produktion ist bei allen Herstellern in drei Schritte aufgeteilt: Produktion der Inhaltsstoffe, Formulierung (die Zusammenführung der Inhaltsstoffe mit Lipiden als Trägervehikel) und Abfüllung, wie ein Report von Zur-Sache.at zeigt

 

Impfstoffproduktion in Europa. Grafik: Zur-Sache

Impfstoffproduktion in Europa. Grafik: Zur-Sache

 

Inhaltsstoffe bei Novartis in Kundl (CureVac)

In Kundl wird seit 1948 Penicilin hergestellt, Anfang der Coronakrise stand der Standort im Jahr 2020 aber auf der Kippe. Durch Zutun der österreichischen Regierung und der Tiroler Landesregierung konnte er erhalten werden, was sich jetzt auszahlt. In Zusammenarbeit mit Novartis kann in Kundl künftig der von CureVac angebotene Corona-Impfstoff produziert werden.

CureVac war Mitte 2020 in den Schlagzeilen, da der damalige US-Präsident Trump plante, das Unternehmen zu kaufen, um Zugriff auf den vielversprechenden Impfstoff zu haben. Das Unternehmen blieb aber in Deutschland. Nun geht man davon aus, dass bis diesen Sommer für diesen Impfstoff eine Zulassung durch die EMA (European Medicines Agency)  erfolgt.

Bei Kundl wird die vorformulierte mRNA für CureVac hergestellt, bis zu 50 Millionen Dosen sind 2021 zu erwarten. 2022 sollen es bis zu 200 Millionen Dosen sein. 100 Mitarbeiter sollen künftig am Standort dafür zuständig sein.

Nach der Herstellung der Inhaltstoffe geht die mRNA dann zum Formulieren, dort wird den Inhaltsstoffen erst die Wirkung gegeben, sodass sie als Impfstoff verwendet werden können. Für BioNTech/Pfizer formuliert in Klosterneuburg die Firma Polymun.

 

Formulierung bei Polymun in Klosterneuburg (BioNTech/Pfizer)

Laut Unternehmensangaben will man im ersten Halbjahr 2020 etwa 25 Millionen BioNTech/Pfizer Impfdosen herstellen. Herstellen heißt im Fall von Polymun, den Impfstoff funktional zu machen. Die mRNA des Impfstoffes kommt zunächst direkt aus Mainz von BioNTech und wird dann bei Polymun weiterformuliert

Polymun ist ein Zahnrad in der Herstellungskette des BioNTech/Pfizer Impfstoff. Weil alle diese Zahnräder besser ineinandergreifen als erwartet, kann BioNTech/Pfizer seine Produktion von 1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Dosen bis Ende des Jahres steigern.

Seine Funktion als Impfstoff erfüllt der Stoff aber nur durch seine Weiterverarbeitung bei Polymun in Klosterneuburg. Dort werden die sogenannten Lipide zugesetzt. Die Wirkung dieser Teile lässt sich als Transportvehikel beschreiben. Sie dienen dazu, dass der Impfstoff dort in den Zellen ankommt wo er ankommen soll.

In der „Formulierung“ bei Polymun entstehen aus der mRNA von BioNTech und den Lipiden die „Lipid-Nanopartikel“. Die werden dann als Bulkware weiterverschickt, zum nächsten Produktionsstandort. Bei einem anderen Hersteller wird die Ware dann in Fläschchen abgefüllt.

 

Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Besuch bei Polymun im November 2020. Foto: BKA/ Dragan Tatic

Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Besuch bei Polymun im November 2020. Foto: BKA/ Dragan Tatic

 

 

Wichtiger Sektor für Österreich

In Österreich leistet die Pharmawirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft: 3 Prozent zum BIP werden beigetragen, 55.000 direkt und indirekt Beschäftigte sind in über 900 Firmen tätig. Insgesamt wird laut Pharmig an 30 Standorten produziert und an 38 Standorten Forschung und Entwicklung betrieben.

Die „Innovative Produktion“, zu der Impfstoffproduktion und -forschung zählen, ist ein wesentlicher Asset für die europäische Beschäftigung: 2 Millionen Jobs hängen direkt daran, 33 Millionen indirekt.

Europa selbst nimmt einen wesentlichen Stellenwert in der weltweiten Impfstoffproduktion ein. Die großen westlichen Impfstoffhersteller haben 80 % ihrer weltweiten Produktion in Europa.

Durch die Corona-Krise wurde außerdem ein neuer Fokus auf die Forschung gelegt. Die Bedeutung dieses Sektors wurde durch die Impfstoffentwicklung massiv erhöht.

So wird in Österreich Impfstoff produziert

Foto: iStock / solarseven
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Zur-Sache Report

Comirnaty (BioNTech/Pfizer), Vaxzevria (AstraZeneca), Zorecimeran (Curavc), Die Namen der Corona-Impfstoffe vermitteln einen hochkomplexen Eindruck und lassen auf große internationale Konzerne schließen, die hinter den begehrten Produkten stehen. Tatsächlich jedoch wird in Klosterneuburg (NÖ) oder bald auch in Kundl (Tirol) produziert. Diese Standorte stehen für den Beitrag, den österreichische Unternehmen für die Corona-Impfstoff Forschung und Produktion leisten.

 

Drei Stationen für jeden Impfstoff

Dabei kann man an den drei Standorten in Österreich die Entstehung der Impfstoffe verfolgen. Dieser wird nicht etwa in lediglich einer Firma hergestellt. Die hochkomplexe Produktion ist bei allen Herstellern in drei Schritte aufgeteilt: Produktion der Inhaltsstoffe, Formulierung (die Zusammenführung der Inhaltsstoffe mit Lipiden als Trägervehikel) und Abfüllung, wie ein Report von Zur-Sache.at zeigt

 

Impfstoffproduktion in Europa. Grafik: Zur-Sache

Impfstoffproduktion in Europa. Grafik: Zur-Sache

 

Inhaltsstoffe bei Novartis in Kundl (CureVac)

In Kundl wird seit 1948 Penicilin hergestellt, Anfang der Coronakrise stand der Standort im Jahr 2020 aber auf der Kippe. Durch Zutun der österreichischen Regierung und der Tiroler Landesregierung konnte er erhalten werden, was sich jetzt auszahlt. In Zusammenarbeit mit Novartis kann in Kundl künftig der von CureVac angebotene Corona-Impfstoff produziert werden.

CureVac war Mitte 2020 in den Schlagzeilen, da der damalige US-Präsident Trump plante, das Unternehmen zu kaufen, um Zugriff auf den vielversprechenden Impfstoff zu haben. Das Unternehmen blieb aber in Deutschland. Nun geht man davon aus, dass bis diesen Sommer für diesen Impfstoff eine Zulassung durch die EMA (European Medicines Agency)  erfolgt.

Bei Kundl wird die vorformulierte mRNA für CureVac hergestellt, bis zu 50 Millionen Dosen sind 2021 zu erwarten. 2022 sollen es bis zu 200 Millionen Dosen sein. 100 Mitarbeiter sollen künftig am Standort dafür zuständig sein.

Nach der Herstellung der Inhaltstoffe geht die mRNA dann zum Formulieren, dort wird den Inhaltsstoffen erst die Wirkung gegeben, sodass sie als Impfstoff verwendet werden können. Für BioNTech/Pfizer formuliert in Klosterneuburg die Firma Polymun.

 

Formulierung bei Polymun in Klosterneuburg (BioNTech/Pfizer)

Laut Unternehmensangaben will man im ersten Halbjahr 2020 etwa 25 Millionen BioNTech/Pfizer Impfdosen herstellen. Herstellen heißt im Fall von Polymun, den Impfstoff funktional zu machen. Die mRNA des Impfstoffes kommt zunächst direkt aus Mainz von BioNTech und wird dann bei Polymun weiterformuliert

Polymun ist ein Zahnrad in der Herstellungskette des BioNTech/Pfizer Impfstoff. Weil alle diese Zahnräder besser ineinandergreifen als erwartet, kann BioNTech/Pfizer seine Produktion von 1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Dosen bis Ende des Jahres steigern.

Seine Funktion als Impfstoff erfüllt der Stoff aber nur durch seine Weiterverarbeitung bei Polymun in Klosterneuburg. Dort werden die sogenannten Lipide zugesetzt. Die Wirkung dieser Teile lässt sich als Transportvehikel beschreiben. Sie dienen dazu, dass der Impfstoff dort in den Zellen ankommt wo er ankommen soll.

In der „Formulierung“ bei Polymun entstehen aus der mRNA von BioNTech und den Lipiden die „Lipid-Nanopartikel“. Die werden dann als Bulkware weiterverschickt, zum nächsten Produktionsstandort. Bei einem anderen Hersteller wird die Ware dann in Fläschchen abgefüllt.

 

Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Besuch bei Polymun im November 2020. Foto: BKA/ Dragan Tatic

Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Besuch bei Polymun im November 2020. Foto: BKA/ Dragan Tatic

 

 

Wichtiger Sektor für Österreich

In Österreich leistet die Pharmawirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft: 3 Prozent zum BIP werden beigetragen, 55.000 direkt und indirekt Beschäftigte sind in über 900 Firmen tätig. Insgesamt wird laut Pharmig an 30 Standorten produziert und an 38 Standorten Forschung und Entwicklung betrieben.

Die „Innovative Produktion“, zu der Impfstoffproduktion und -forschung zählen, ist ein wesentlicher Asset für die europäische Beschäftigung: 2 Millionen Jobs hängen direkt daran, 33 Millionen indirekt.

Europa selbst nimmt einen wesentlichen Stellenwert in der weltweiten Impfstoffproduktion ein. Die großen westlichen Impfstoffhersteller haben 80 % ihrer weltweiten Produktion in Europa.

Durch die Corona-Krise wurde außerdem ein neuer Fokus auf die Forschung gelegt. Die Bedeutung dieses Sektors wurde durch die Impfstoffentwicklung massiv erhöht.